An die Mordnacht erinnern

Die NaturFreunde Loisachtal zeigen eine kritische Ausstellung über die AfD

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Sie arbeiten gemeinsam gegen das Vergessen der Geschichte und den aktuell wachsenden Rechtspopulismus. Peter Maier vom DGB, Joachim Vierke vom VVN-BdA Penzberg, Nico Wunderle von den Jusos, Raimund Novak, Peter Brunner, Zeitzeuge der Penzberger Mordnacht, und Lisa Virchow von den NaturFreunden (von rechts.)

Penzberg –  Zehn Plakate, die das Wirken der Alternative für Deutschland (AfD) und ihre Parolen darlegten. Zehn Plakate, die in der Stadthalle auf Besucher warteten. Und zehn Plakate, die bewiesen, dass sich bei den Loisachtaler NaturFreunden nicht alles um ökologische Belange dreht.  

Im Nachklang zur Gedenkfeier an die Penzberger Mordnacht lud der Verein NaturFreunde Loisachtal zu einem Abend, der ganz dem Ziel gewidmet war, die Geschichte nicht zu vergessen. Begleitet durch die Wanderausstellung „Keine Alternative – eine kritische Auseinandersetzung mit der AfD“ und dem Vortrag von Peter Brunner, einem Zeitzeugen der Mordnacht, beschäftigen sich die Besucher mit der aktuellen Zunahme rechter Gesinnung in Deutschland und Europa, auch im Hinblick auf die Europawahl. 

„Die Organisationen der neuen Rechten treiben einen gesellschaftlichen Rechtsruck voran, der den Nährboden für rechtsradikale Täter schafft“, so NaturFreunde-Vorsitzender Raimund Novak. Er erinnerte an das Attentat in Christchurch im März, an die Anschläge in Oslo und auf der Insel Utøya durch Anders Behring Breivik und an das Attentat vor dem Münchner Olympia-Einkaufszentrum. „Der Spiegel hat im März den Rechtsterrorismus als den am meisten vernachlässigten Terror weltweit bezeichnet“, warnte Novak. Der Verein der NaturFreunde beschäftigt sich also nicht nur mit ökologischen Themen wie Umweltschutz, sanfter Tourismus sowie Sport und Kultur, sondern hat sich im Besonderen auch soziale und gesellschaftspolitische Themen auf die Fahne geschrieben. 1905 wurde in Deutschland die erste Ortsgruppe der NaturFreunde gegründet, mittlerweile gibt es 600, in denen 70.000 Mitglieder, die oft als die „grünen Roten“ bezeichnet werden, vereint sind. 

Für das Gedenken an die Mordnacht konnten die NaturFreunde die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes und den Bund der Antifaschisten, kurz VNN-BdA, gewinnen, die derzeit mit einer Wanderausstellung durch Deutschland tourt. Auf zehn Plakatständern konnte man sich in der Stadthalle über das Wirken der 2013 gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) und deren Parolen informieren. Dabei wurden auch die Ideologie der Partei und deren Beziehungen zu einer breiten völkischen Bewegung in Deutschland analysiert. Die gegenseitige Beeinflussung von Partei einerseits und extrem rechten Medien und Gruppen andererseits sei entscheidend für die weitere Entwicklung der AfD, so eine der Aussagen auf den Plakaten. Schon zweimal hat die AfD gegen die Wanderausstellung, die vor Penz­berg unter anderem in Köln, Bielefeld und München zu sehen war, geklagt und war damit zweimal unterlegen. 

Einer durfte bei der Erinnerung an die Penzberger Mordnacht natürlich nicht fehlen: Peter Brunner, ein Zeitzeuge, dessen größtes Bedürfnis darin besteht, aufzudecken, wachzurütteln und gegen das Vergessen der Geschichte anzukämpfen. Und so berichtet er mit seinen 88 Jahren auch an diesem Abend leidenschaftlich und ergreifend über den Abend vor 74 Jahren, als ein ganz dunkles Kapitel in Penzbergs Geschichte geschrieben wurde. 16 Frauen, Männer und ein ungeborenes Kind wurden am 28. April 1945 von der Wehrmacht und der SS-Einheit „Werwolf Oberbayern“ hingerichtet. Das, was Peter Brunner am meisten beschäftigt, ist jedoch die Tatsache, dass nach den Morden der Alltag in der Bergarbeiterstadt wie gewohnt weiterlief. Laut Brunner schob man sogar den Ermordeten die Schuld zu: „Hätten sie halt ihren Mund gehalten“, sei nur eine der Aussagen gewesen, die in Brunner so unglaublichen Groll und Unverständnis hervorriefen. In seinem Tatsachenroman „Der Judas-Tag“ hat der gebürtige Penzberger seine Erinnerungen und Recherchen veröffentlicht, und er sieht es als Mission an, durch seine Berichte vor allem die junge Generation wachzurütteln, damit sich so etwas nie wieder wiederholt. Mit Sorgen verfolgt Brunner auch „die Entwicklung der AfD und den Rechtsruck, nicht nur in Deutschland“. au

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