Wasser in der Lunge

Verein Freizeitgärten Breitfilz informiert Landrätin über den Stand der Dinge

+
Kam für einen lockeren Plausch an den Huber See: Landrätin Andrea Jochner-Weiß (rechts) im Gespräch mit Marianne Fesl, Annette und Paul Hattemer und Walter Höck (von links) vom frisch gegründeten Verein Freizeitgärten Breitfilz.

Penzberg – Die Presse ist da. Damit hat Landrätin Andrea Jochner-Weiß nicht gerechnet, als sie aus ihrem Wagen aussteigt und zum gerade eben neu eröffneten Stüberl am Huber See schlendert. „Ich wollte eigentlich nur Kaffee trinken“, schmunzelt sie. Anschließend bestellt sie sich ein Glas Wasser, als sie mit den Mitgliedern des Vereins Freizeitgärten Breitfilz an einem Tisch hockt und über das spricht, was sich in der Kleingartenanlage seit ihrem Vor-Ort-Termin getan hat. Vieles, wie sie feststellen muss.

Die Sonne brennt herunter, unter den Schirmen staut sich die Luft. Paul Hattemer, Vorsitzender des Breitfilz-Vereins nippt an seiner Apfelschorle. Um ihn herum sitzen seine Vorstandskollegen darunter Marianne Fesl und Walter Höck. Neben ihm hat seine Frau Annette Platz genommen. Bislang, das macht Hattemer der Landrätin gleich zu Beginn klar, besteht der Verein nur aus dem Vorstand, Mitglieder können noch nicht aufgenommen werden. Der Pachtvertrag mit der Stadt ist schließlich noch nicht unterschriftsreif und auch das Landratsamt hat die Verbotslage noch nicht aufgehoben. 

Doch immerhin, einen Verein gibt es schon einmal seit wenigen Wochen. Und damit rührt sich endlich wieder etwas im Breitfilz. Drei Jahre lang verwilderte die Kleingartenanlage. Dass sich das noch einmal ändert, schien Marianne Fesl „ein Ding der Unmöglichkeit“, sagt sie. Dann sei Hattemer gekommen, „seitdem geht das“, grinst sie. In den vergangenen sechs Wochen wurde die Anlage entrümpelt. Allein21 Container seien mit Holz gefüllt worden, weiß Fesl. Und an Entrümplern mangelte es auch nicht, „die sind Schlage gestanden mit den Handwagen“, erinnert sich das die Kassenwartin des Vereins. Die Kosten für die Container übernahm die Stadt. Die Landrätin lächelt angesichts dieser Tatsache. Doch Hattemer merkt an, dass, mit Blick auf die Vergangenheit, „die Stadt gute Miene zum bösen Spiel gemacht hat“. Fesl nickt. Sie selbst ist auf die vergangene Zusammenarbeit mit der Stadt nicht allzu gut zu sprechen. Damals seien Verträge wegen einer neuen Gartenordnung gekündigt worden. Dass das der wahre Grund gewesen ist, glaub sie nicht. Nun laufe die Zusammenarbeit mit der Stadt gut. Die Landrätin lächelt, und appelliert, nicht an das Vergangene zu denken, sondern an die Zukunft. Ihr selbst „liegt das Breitfilz am Herzen“, sagt sie. Immerhin sei es jedes Mal Thema, wenn sie nach Penzberg komme. Für sie ist die Anlage „ein Stückl Tradition“. 

In die Rolle der Traditionalisten schlüpfen somit die Vereinsmitglieder, die diese Tradition am Leben halten wollen. Der Bebauungsplan wurde schon von der Stadt freigegeben. Nun wartet der Verein auf eine Rückmeldung der Träger öffentlicher Belange. In zwei, drei Monaten werden die Stellungnahmen wohl auf dem Tisch liegen, vermutet Hattemer. Einen unterschriftsreifen Pachtvertrag gibt es bislang noch nicht und das Betreuungsverbot im Breitfilz hat noch immer Bestand. Hattemer ist jedoch zuversichtlich, dass vielleicht schon im kommenden Jahr vermietet werden kann. An wie viele Pächter, ist noch nicht sicher. An einer Mitgliedschaft seien bislang zwischen 100 und 150 Penzberger interessiert. Klar ist, dass die Parzellierung im Breitfilz, „in dem es noch nie rechtlich zuging“, wie Hattemer schmunzelnd anmerkt, nun zukunftsfähig gestaltet werden muss. Der Vorsitzende glaubt, dass sicher 300 Parzellen entstehen werden. Ein System, das die Vergabe regelt, gibt es noch nicht, aber gewiss werden bestimmte soziale Komponenten wie in einem Kriterienkatalog berücksichtigt, wie der Vizevorsitzende Walter Höck andeutet. 

Mitglied werden sollte in Hattemers Augen nur, wer „vereinsgerecht ist“. Und damit auch keine „Idealisten“, welche sich über gewisse Regeln hinwegsetzen. So will der Verein, gerade mit Blick auf die rußige Vergangenheit der Anlage, offene Feuerstellen untersagen und nur Gasgrille zulassen. Und mit einem Fahrzeug sollen die Parzellen auch nicht erreichbar sein. Hattemer schweben Parkplätze an der Peripherie vor, schließlich führen unbefestigte und wassergebundene Wege durch die Anlage, die der Verein übrigens nicht entwässern will. „Wir wollen, dass das Wasser erhalten bleibt und lassen uns von Fachleuten beraten“, betont Hattemer, der um die sensible Lage der Kleingärten weiß. Jochner-Weiß nippt an ihrem Wasser und betont mit Blick auf die moorige Umgebung: „Man wird es nie vergrößern können“. Doch das strebt der Verein in Penzbergs „grüner Lunge“, so Fesl, auch gar nicht an. Jedoch haben die Mitglieder einen Neuanfang im Blick, der auch die sozialen Aspekte berücksichtigt. „Jetzt wird es ein Miteinander, ein ganz anderes Leben“, glaubt Hattemer mit dem Verein im Rücken, und mit Jochner-Weiß, die verspricht, dass sie das Vorhaben begleiten werde, „so gut ich kann“. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
Penzberg: Turnhalle-Sanierung wird teurer und dauert länger – das hat zwei Gründe
CSU und Penzberg Miteinander feiern, der Konkurrenz ist das höchst suspekt
CSU und Penzberg Miteinander feiern, der Konkurrenz ist das höchst suspekt
Neuer Pächter für den Gasthof zur Post in Benediktbeuern gefunden
Neuer Pächter für den Gasthof zur Post in Benediktbeuern gefunden

Kommentare