Die Frau mit der roten Decke

Hacker-Angriff oder Programmierfehler: Am Stadtplatz läuft ein Pornofilm

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Hardcore am Stadtplatz: Mit dem Handy und durch das geschlossene Autofenster geknipst, ist auf dem Monitor nur noch eine Frau mit roter Decke zu sehen.

Penzberg – Die Jugendlichen, die sich am vergangenen Donnerstag unter dem schützenden Dach der Bushaltestelle am Stadtplatz tummelten, hatten ihre helle Freude. Ganz jugendfrei war es aber nicht, was dort über den Monitor flimmerte. Im Gegenteil.

Man mag nicht ausschließen, dass sich auch der eine oder andere Autofahrer, der wegen der auf Rot gestellten Ampel dort eine kurze Rast einlegen musste, an dem Vorabendprogramm erfreute. Penzberg bekam zur Prime Time an seiner markantesten Stelle einen Hardcore-Porno gezeigt.

Auf die Schilderung der Eindeutigkeiten, die es dort zu sehen gab, sei an dieser Stelle verzichtet. Sie waren auf jeden Fall so eindeutig, dass die Polizei anderntags bereits am frühen Morgen die Ermittlungen aufnahm. Und in der EDV-Abteilung des Rathauses, die für die Programmgestaltung an diesem Bildschirm verantwortlich zeichnet, gab man sich ebenso zerknirscht wie einsilbig und verwies für weitere Auskünfte auf die Bürgermeisterin. Elke Zehetner hatte freilich keinen blassen Schimmer, als am Freitag Penzbergs Polizeichef Jan Pfeil bei ihr durchklingelte und sie von der wenig jugendfreien Inszenierung unterrichtete. Zehetner schüttelte den Kopf und sprach davon, dass man mit dem Hotspot am Stadtplatz nicht nur zeitgemäß sein und jedermann beim Warten auf den Bus einen Zugang zum Internet ermöglichen wollte. Dabei habe man nicht zuletzt die Jugend im Blick gehabt, die dort im Internet surfen könne, ohne das Datenvolumen auf dem Handy anzutasten. Und jetzt so was. 

An was es gelegen hat, vermögen derzeit weder Polizei noch die Computerspezialisten im Rathaus zu sagen. Dabei gibt es, wie man erfahren hat, eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder einem ist es gelungen, mit einem externen Gerät die Software des Internet-Terminals zu hacken oder im Rathaus hat man es versehentlich versäumt, bestimmte Domains zu sperren. Eines dürfte aber schon jetzt als sicher gelten: So einen „Spaß“ wie letzten Donnerstag, wird es am Stadtplatz wohl nicht mehr geben. la

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