Der Prinzregent, Fürst Max und die Maxkroner

Zwei Protagonisten der Festveranstaltungen: der Historiker Reinhard Heydenreuter (l.) und Ehrenfried Mock von der Kulturgemeinschaft.

„Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreichs Bayern Verweser, haben allergnädigst zu genehmigen geruht, daß die Gemeinde St. Johannisrain künftig den Namen „Penzberg“ führe“: Diesen Bescheid erließ das Staatsministerium des Innern am 27. Januar 1911 - der offizielle Namenstag von Penzberg. Es dauerte dann aber noch, bis Bürgermeister Jakob Deisenberger das Schreiben zugestellt bekam. Erst am 11. Februar 1911 vollzog er mit seiner Unterschrift den formalen Akt: Jetzt war aus St. Johannisrain endgültig Penzberg geworden. Passend zum offiziellen Namenstag eröffnet die Stadt am 27. Januar das Jubiläumsjahr mit einem Vortrag von Reinhard Heydenreuter, der sich um 19.30 Uhr im Pfarrzentrum Christkönig damit beschäftigt, wie Penzberg vor genau 100 Jahren zu seinem Namen kam. Dabei wird die Geschichte jener Tage noch einmal höchst lebendig.

So war es gar nicht einmal selbstverständlich, dass Penzberg damals überhaupt seinen heutigen Namen bekam. Reinhard Heydenreuter hat beim Archivstudium festgestellt, dass es einige Bestrebungen der Oberkohle AG gegeben hat, für das neue Ortsgebilde einen Namen zu wählen, der dem Unternehmen als Werbeträger dienen sollte. Zwar sind exakte Wunschvorstellungen der Bergwerksdirektion nicht überliefert, Heydenreuter weiß aber von zahlreichen Interventionen beim Innenministerium in München gegen die Umbenennung in Penzberg, „Deshalb hat der ganze Prozess der Namensänderung auch ein Jahr lang gedauert“, sagt der Jurist und Historiker und weist auf den entsprechenden, bereits im Januar 1910 beim Prinzregenten gestellten Antrag hin. Dass es letztlich bei Penzberg geblieben ist, sei einem Erlass von Fürst Maximilian II. von Bayern zu verdanken, der verfügt hatte, dass bei Neugründungen von Städten auf zu viele Eigennamen tunlichst zu verzichten sei. Heydenreuter wird sich in seinem Vortrag aber nicht nur mit derlei Formaljurismen beschäftigen, sondern auch mit der Siedlungs- und Sozialgeschichte, die durch das Bergwerk maßgeblich beeinflusst wurde. Er erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass im Jahre 1818 das heutige Penzberg gerade mal 400 Einwohner in überwiegend bäuerlichen Häusern beherbergt habe. „Ab 1870 beginnt mit der Gründung der Oberkohle AG ein rasanter Aufbau“, so Heydenreuter. Um die in den Zechen dringend benötigten Arbeiter unterzubringen, wurden die ersten Bergarbeiterkolonien errichtet. Und weil es in der näheren Umgebung nicht genügend Arbeiter gab, begann in dieser Zeit die erste große Einwanderungswelle. Neben Männern aus der Oberpflalz und dem Norden Italiens, kamen vor allem viele Arbeiter aus den Gebieten der k.u.k-Monarchie in den aufstrebenden Bergarbeiterort. „Penzberg war eine regelrechte Enklave der k.u.k.-Monarchie“, sagt Heydenreuter. Eine Feststellung, die auch Ehrenfried Mock, der Vorsitzende der Kulturgemeinschaft, gemacht hat. Als er vor ein paar Jahren die Namen der im Ersten Weltkrieg gefallenen Penzberger recherchiert, hat er überrascht registriert: „Ein Drittel der Männer ist für die Österreicher, ein anderes Drittel für die Bayern in den Krieg gezogen.“ Und als Ende des 19. Jahrhunderts die Barbara-Kirche gebaut wurde, da beteiligte sich daran sogar der österreichische Kaiser mit einer Spende, nachdem er von seinen Landsleuten untertänigst darum gebeten worden war. Eine heile Welt war dieses Penzberg vor 100 Jahren aber keineswegs, dafür hatten die Arbeiter viel zu wenig Rechte. Reinhard Heydenreuter spricht denn auch von einem „unglaublichen Gefälle zwischen der bäuerlichen Bevölkerung und der Arbeiterschaft“. Die Bauern waren reich, heute würde man sie, so Heydenreuter, wohl alle unter dem Oberbegriff „Millionäre“ subsummieren. Und am anderen Ende der gesellschaftlichen Leiter befand sich Maxkron - vor über 100 Jahren das Armenhaus von Penzberg. Hier wurden im Rahmen der Moorkolonisation ganz gezielt Menschen, zumeist einfache Leute und Land- fahrer angesiedelt, weil sich der Staat dadurch zusätzliche Einnahmen erhoffte. Das freilich war ein großer Irrtum, weil diese Kleinbauern von den kargen Erträgen auf dem wenig fruchtbaren Untergrund kaum leben konnten. Aus Maxkron stammten denn auch die ersten Einheimischen, die sich im Bergwerk verdingten. Sie waren aber schon froh, wenn sie das Heimatrecht zugesprochen bekamen, was bedeutete, dass sie von der Allgemeinheit im Krankheitsfall so etwas wie sozialstaatlichen Schutz erhielten. Die zweite soziale Stufe war das Heiratsrecht, das aber nur der bekam, der eine gewisse Liquidität nachweisen konnte. „Bis 1890 wurde das ganz scharf kontrolliert, weshalb kaum ein Maxkroner in den Genuss dieses Vorrechts kam“, so Reinhard Heydenreuter. Und dann gab es noch das Bürgerrecht, das zugleich Wahlrecht bedeutete, das aber so gut wie kein Arbeiter erlangen konnte. Heydenreuter hat heraus gefunden, dass in Penzberg zur Zeit der Namensänderung gerade mal 80 Bürgerrechte – zumeist an die Großkopferten der Oberkohle AG - verliehen worden waren. Im Gegensatz zu Heydenreuter wird sich Ehrenfried Mock bei seinem einführenden Vortrag vor der erstmaligen Präsentation des historischen Modells mit der Architektur des jungen Penzberg beschäftigen. Und zwar dergestalt, dass er anhand von historischen Bildern jene markantesten Gebäude zeigt und deren Geschichte erläutert, die sich auch in dem Modell wiederfinden. „Da wird man rasch erkennen, dass der Gemeindeausschuss überhaupt nichts zu sagen hatte“, so Mock. Die gesamte städtebauliche Entwicklung des jungen Penzberg sei einzig und allein von der Leitung des Bergwerks bestimmt worden. Eines wird dabei ungeachtet der wirtschaftlichen Bedeutung des Bergwerks für die Entwicklung von Penzberg besonders klar: Ohne den Kohleabbau wäre auf den moorigen Wiesen nie eine Ansiedlung entstanden. „Denn auf diesem Untergrund würde heute kein Mensch mehr eine Stadt errichten“, so Mock.

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