Mit Helm, aber ohne Hände

Es wurde ganz schön schmutzig: Jugendliche griffen für ihren Dirtbikepark zur Schaufel

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Über Mulch und durch Matsch wagt sich Florian Lilie im Dirtbikepark, den er gemeinsam mit weiteren Jugendlichen in zwei Jahren umgebaut hat.

Benediktbeuern – Gepolstert steht er mit seinem Bike auf der Strecke. Der frische Mulch am Hügel sorgt für eine weichere Landung mit dem Rad, blaue Flecken gibt es trotzdem. Das weiß Florian Lilie, nachdem er sich zuletzt in den neuen Dirtbikepark schutzlos, aber voller Enthusiasmus gestürzt hatte.

Dass er vor lauter Freude ohne Polster auf den Sattel stieg, lässt sich Florian kaum verübeln, schließlich hat er gemeinsam mit weiteren Jugendlichen rund zwei Jahre an der Instandsetzung des alten Dirtbikeparks nahe dem Fußballplatz in Benediktbeuern gearbeitet. Hügel galt es aufzuschütten, den Weg auf Vordermann zu bringen, Mulch zu verteilen. Dass sich da einiges getan hat, zeigt Florian anhand eines Modells, das er zur offiziellen Eröffnung des Dirtbikeparks mitgebracht hat. In der Mitte befand sich einst eine Landschaft aus kleinen, etwas mitgenommenen Buckeln. An deren Stelle steht nun ein riesiger Hügel, der den Bikern „mehr Schwung“ für ihre Tricks gibt, erklärt Florian und blickt auf die Fotos, welche auf einem Plakat an der Wand des Unterstands hängen, der ein wenig abseits der Piste rastende Biker vor Regen schützt. Jugendliche mit Schaufeln und schweren Gerätschaften sind auf den Bildern zu sehen, aber auch mit Insekten auf der Hand. Denn bei den Dirty Days, so der Name des zweijährigen Projekts der Mobilen Jugendarbeit Loisachtal, des Don-Bosco-Clubs und des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK), widmeten sich die Jugendlichen nicht allein ihrer Spielwiese, sondern auch der Natur. Statt in Helm und gepolsterte Montur schlüpften die zwölf jugendlichen Helfer also gelegentlich auch in Gummistiefel und Trekkingschuhe, um mit ZUK-Bildungsreferent Matthias Fischer auf Insektensuche und Kräuterverkostungen zu gehen. So erwarben die jungen Biker ein Verständnis für die Natur, die ihren Park umgibt. 

Rund 12.000 Euro habe die Instandsetzung gekostet, meint Fischer, ein Großteil davon kam aber als Zuschuss von der Regierung von Oberbayern, nur „1.100 Euro haben wir selber aufbringen müssen“, lächelt der Pädagoge. 

Jetzt fehlt nur noch ein bisschen Lehm, dann ist der Park fertig. Befahrbar ist er bereits, was Spuren von Reifenprofilen in der von Regen aufgeweichten Erde zeigen, aber auch Florian, der sich nun den Helm überstreift und ein paar Runden dreht, unter Beweis stellt. Schnell sind die schwarzen Gummireifen braun, Matsch wird in die Luft gespritzt: ein Dirtbikepark, der seinem Namen gerecht wird, und der nicht allein von den Jugendlichen genutzt wird, die am Projekt teilgenommen haben und das Dirtbiken als Freizeitaktivität verstehen. Auch Kinder und Erwachsene sowie Mountainbiker vom TSV nutzen den Park, weiß Tini Schwarm, die das Projekt als Jugendarbeiterin mitbetreute. 

„Wir haben auf alles geachtet, so können auch Kinder und Anfänger dort fahren“, erläutert Florian und deutet auf einen Abschnitt des Parks, auf dem eine kurze Strecke kleine Wellen schlägt. Dass er den Sport nur hobbymäßig betreibt, ist kaum zu glauben, denn mit viel Eifer tritt der Junge in die Pedale und legt sich schwungvoll in die Kurven. Auch No Hander, also Tricks, bei welchen er die Hände vom Lenker lässt, oder 180-Grad-Drehungen übt er in dem Park. „Und Sprünge, bei denen er sich verletzt“, schmunzelt seine Freundin Annalena Metzler, während sie ein Bike an ihre Hüfte lehnt und einen Helm umklammert. 

Zumindest landen die beiden bei Sprüngen über den großen Hügel jetzt weicher, nachdem nun Mulch den Boden polstert, eine Idee, die sich die Jugendlichen bei einigen Sprüngen in einem Bikepark in Starnberg geholt haben. Vermutlich sind sie von dort einmal mit deutlich weniger blauen Flecken als gewöhnlich nach Hause zurückgekehrt. ra

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