Prominente Fürsprecher sollen Türen öffnen

Wird im Frühjahr erstmals im Stadtmuseum zu sehen sein: das Selbstportrait von Heinrich Campendonk.

Um dieses Startkapital dürfte so mancher Verein den Freundeskreis Heinrich Campendonk beneiden: Rund 40.000 Euro sind bereits in der Kasse, und weitere 8.000 Euro kommen noch dazu, wenn der Verein ein konkretes Vorhaben in die Tat umsetzt. Diesen ermutigenden Kassenstand gaben nun die beiden Vorsitzenden Richard Kreuzer und Werner Schmidt bekannt. Außerdem legten sie dar, wie der im Juli gegründete Verein nun aktiv werden will, nachdem die Jägermeister-Familie Mast der Stadt Penzberg den Campendonk-Nachlass für die Dauer von 15 Jahren als Leihgabe zur Verfügung stellt. Ein wesentlicher Punkt für den Freundeskreis ist dabei die Gründung eines Beirates mit Persönlichkeiten, deren Wort in der Kunst- szene etwas zählt.

Die 40.000 Euro, die beim Freundeskreis für ein beruhigendes Polster sorgen, sind Spendenmittel, die nach der Auflösung der Bürgerinitiative übrig blieben. Ursprünglich hatten Kreuzer & Co für den Erwerb des Campendonk-Nachlasses an die 80.000 Euro gesammelt, die aber zweckgebunden waren. Nachdem das 90 Arbeiten umfassende Konvolut nun aber nicht mehr gekauft zu werden braucht, „haben wir alle Spender kontaktiert und gefragt, was mit den jeweiligen Geldern geschehen soll“, sagte Richard Kreuzer. Die Hälfte der Mittel, so das Ergebnis, wurde zwischenzeitlich von der Initiative auf den Verein übertragen, die andere Hälfte zurück überwiesen. Lediglich bei einigen kleineren Beträgen von unter 1.000 Euro habe man vielfach die Spender noch nicht persönlich ermitteln können. Bleibt dieses Unterfangen weiterhin erfolglos, werden auch diese Gelder auf die Konten ihrer Absender überwiesen. Weil der Freundeskreis zwischenzeitlich auch vom Finanzamt in Garmisch-Partenkirchen die Gemein- nützigkeit anerkannt bekommen hat, „können wir nun endlich loslegen“, so Kreuzer. Als erstes Projekt soll demnächst eine eigene, zweisprachig in Deutsch und Englisch gehaltene Homepage im Internet frei geschaltet werden, die von Vorstandsmitglied Anne Beutler gestaltet und nicht nur den Verein vorstellen, sondern auch einen Überblick über Heinrich Campendonk und sein Werk geben wird. Dafür soll aber die Einlage in der Kasse nicht angetastet werden, „wir werden dies aus den Mitgliedsbeiträgen bestreiten“, sagte Kreuzer. Derzeit hat der Freundeskreis 68 Mitglieder, die fast alle noch aus den Tagen der Bürgerinitiative haften geblieben sind. Diese Zahl signifikant zu erhöhen, ist ein weiteres Ziel, dem sich die Campendonk-Freunde im kommenden Jahr verstärkt widmen wollen. Im Mittelpunkt stehen aber vor al- lem die beiden Höhepunkte des Jahres 2011: die erstmalige Präsentation des Campendonk-Nachlasses im Stadtmuseum sowie das Jubiläum „100 Jahre Blauer Reiter“. An der Ausstellung beteiligt sich der Freundeskreis insofern, als er 5.000 Euro für einen speziell auf Kinder zugeschnittenen Katalog beisteuert, der von der Stadt heraus gegeben wird und dessen Kosten Vereinsvize Werner Schmidt auf rund 20.000 Euro bezifferte. Das Blaue Reiter-Jubiläum, das vor allem im Kochler Franz-Marc-Museum und im Murnauer Schlossmuseum groß gefeiert wird, soll aber auch Penzberg den entscheidenden Impuls auf dem Weg zur Kunststadt verleihen. „Für uns ist das ein Glücksfall, dass die erste Präsentation des Campendonk-Nachlasses und dieses Jubiläum zusammen fallen“, strahlt Kreuzer. Denn Kunstfreunde, die sich deshalb auf den Weg nach Kochel und Murnau machten, würden sicher in großer Zahl auch die Ausstellung im Stadtmuseum besu- chen. Die Aufgabe des Freundes- kreises sei es dabei, „die Campendonk-Stadt Penzberg ins Bewusstsein der Menschen zu rücken“. Und Werner Schmidt ergänzte: „Wenn das Blaue Land genannt wird, dann muss Penzberg künftig immer mit dabei sein und das Stadtmuseum muss in einem Atemzug mit Murnau und Kochel genannt werden.“ Ne- ben dieser Imagearbeit will der Verein aber auch ein eigenes Programm auf die Beine stellen, das im Wesentlichen aus Führungen und Kunstreisen ins Blaue Land bestehen soll. Für den Freundeskreis und seine Ziele langfristig erheblich wichtiger ist aber der Beirat, der pünktlich zur Eröffnung der Nachlass-Schau im Frühjahr der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. „Wir möchten Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft dafür gewinnen“, erklärt Werner Schmidt. Der Mann weiß, wovon er spricht, ist er doch Schatzmeister der Olaf-Gulbransson-Gesellschaft in Tegernsee. Und für das dortige Museum gibt es einen hochkarätigen Beirat, dem unter anderem der bekannte Zeichner Luis Murschetz und Herzog Max in Bayern angehören. Von ähnlichem Kaliber soll auch der Beirat des Campendonk-Freundeskreises sein, für den es bereits zwei definitive Zusagen gibt. Um wen es sich dabei handelt, wollte Schmidt aber noch nicht verraten. Allerdings hat der Vereinsvize bereits recht konkrete Vorstellungen darüber, was die Mitglieder des Beirats tun sollen: „Sie sollen unter anderem als Multiplikator und Türöffner dienen, um öffentliche Zuschüsse sowie private Spenden zu akquirieren“, betont Schmidt. Zudem sollen die Beiräte dem Freundeskreis aber auch den Zugang zu jenen nationalen und internationalen Netzwerken erleichtern, wo kunstmäßig die Musik spielt. Schließlich will der Verein nicht nur einen Anbau ans Stadtmuseum realisieren, um dort die Ausstellungsfläche zu vergrößern. Ri- chard Kreuzer deutete schon mal an, dass man sich bei der Familie Mast am liebsten schon jetzt die Leihgabe des Campendonk-Nachlasses für mehr als die 15 Jahren sichern würde. Prominente Fürspre- cher könnten da nicht schaden.

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