Anklage wegen Mordes

Prozess gegen Todes-Raser aus Bad Heilbrunn gestartet

Ein beschädigter BMW steht auf der Landsberger Straße in München, daneben ein Polizeiauto.
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Der Unfallwagen im November 2019 in München-Laim.

Bad Heilbrunn – Seit 12. Januar muss sich ein Bad Heilbrunner (35) vor dem Münchner Landgericht verantworten. Der Mann war im November 2019 mit seinem BMW und Tempo 124 durch München gerast und hatte einen 14-jährigen Schüler getötet. Es ist der erste Raserfall in München, der als Mord angeklagt wurde.

Der Mann war am 15. November 2019 auf der Landsberger Straße unter Drogeneinfluss vor der Polizei geflüchtet, bretterte als Geisterfahrer 1,8 Kilometer Richtung Süden, bis er gegen 23.20 Uhr auf der Fürstenrieder Straße mehrere Autos rammte und in eine Gruppe Schüler fuhr. Drei Menschen wurden verletzt. Ein 14-Jähriger starb. Das Opfer wurde durch den Aufprall 43 Meter weit geschleudert. Als Staatsanwältin Nina Prantl die Details des schrecklichen Unfalls vorträgt, windet sich der Angeklagte unter Tränen. Doch der 35-Jährige gesteht lediglich die Unfallfahrt ein und lässt über seine Anwälte Tom Heindl und Daniela Gabler erklären: „Unser Mandant ist kein Mörder.“

Staatsanwältin: Mordmerkmale erfüllt

Das sieht Staatsanwältin Prantl anders. Heimtücke und niedere Beweggründe seien als Mordmerkmale erfüllt, zudem liege eine Verdeckungsabsicht vor. Denn der Bad Heilbrunner hatte Kokain geschnupft, als die Polizei ihn kontrollieren wollte, weil er mitten auf der Landsberger Straße gewendet hatte. „Er geriet in Panik, weil er unter offener Bewährung stand und Angst vor erneuter Haft hatte“, sagt Gabler. Doch bei der Raser-Flucht habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen, dass seine „sehr riskante Fahrweise“ eine „nicht vorhersehbare Anzahl von Menschen töten könnte“, rügt Prantl. So rechtfertigt die Staatsanwaltschaft die Mord-Anklage, die der 35-Jährige zurückweist.

Angeklagter schweigt

Am Tatabend wollte der Angeklagte einem Freund in München seinen BMW 135 Coupé zeigen und danach weiter nach Krailling zu seiner Freundin, sagt Gabler – bei der Raser-Fahrt später habe der Angeklagte „keine Angst gehabt, einen Unfall zu verursachen“. Er sei „schon öfter“ unter Kokain-Einfluss gefahren, im Verkehr aber sonst nie aufgefallen. Es sind bittere Sätze für die Angehörigen, die im Prozess als Nebenkläger auftreten. Bitter auch die Erkenntnis, dass die Schüler laut Anklage bei roter Ampel den Fußgängerweg überquert hatten. Trotz Blick zur Seite konnten sie den BMW nicht sehen – ein Bus verdeckte ihre Sicht, zudem fuhr der Angeklagte falsch herum auf ihrer Spur. „Tragisch“ sei der Unfall laut Tom Heindl gewesen, die Schuld laste auf dem Angeklagten, er entschuldige sich. Aber nur über seine Anwälte. Selbst sprach der Todes-Raser kein Wort, sondern weinte nur.

Rechtlich komplexer Fall

Rechtlich ist der Fall komplex. Konnte der Angeklagte darauf vertrauen, dass niemand zu Schaden kommt, obwohl er innerorts 124 km/h fuhr? Das ist die entscheidende Frage, die einen bedingte Vorsatz klärt – davon hängt ab, ob das Gericht den Raser wegen Mordes verurteilen kann oder nur wegen fahrlässiger Tötung. Auf Letzteres stehen maximal fünf Jahre Haft. Angewendet werden kann beim Urteil aber auch der neue Paragraf 315d des Strafgesetzbuchs: Er wurde eingeführt, um illegale Kraftfahrzeugrennen zu bestrafen, gilt aber auch für besonders rücksichtsloses Fahren – wie bei dem Angeklagten in Laim. Wenn eine Person dadurch stirbt, kann der Fahrer laut Gesetz mittlerweile mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden. Auf Mord steht dagegen lebenslänglich. Für den Angeklagten kommt laut Richterin Elisabeth Ehrl zudem auch die besondere Schwere der Schuld in Betracht, die Sicherungsverwahrung nach sich zieht. Er würde in diesem Fall nicht nach 15 Jahren freikommen. Andreas Thieme

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