Gold für Eberl

Mohnstollen aus Bichl erhält höchste Auszeichnung

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Da bricht nichts, und die Zuckerkörnchen sind auch gleichmäßig verteilt: Josef Eberl mit seinem Mohnstollen, den nun eine goldene Krone ziert.

Bichl – Vor Weihnachten gib es für die sechs Mitglieder der Bäckerinnung des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen immer ordentlich zu tun. Sie haben sich bei der alljährlichen Stollenprüfung durch 66 Stollen und Früchtebrote von 14 Bäckereien und einer Berufsschule getestet. 

Das deutsche Bäckerhandwerk hatte diese freiwillige Selbstkontrolle vor 40 Jahren ins Leben gerufen, und auch in diesem Jahr kann sich die Qualität wirklich sehen lassen. Insgesamt 35 mal konnte die Bewertung „sehr gut“ vergeben werden, und die kriegt ein Stollen nur, wenn er die volle Punktzahl (100) erreicht. „Wenn da schon der Zucker ungleich verteilt ist, gibt es Punktabzug,“ berichtet Bäckermeister Josef Eberl aus Bichl von den strengen Regularien. Überflüssig zu erwähnen, dass es bei Eberl an der Zuckerverteilung überhaupt nichts zu mäkeln gab. 

Das weihnachtliche Gebäck, das für die Prüfung eingereicht wird, kommt aus der normal laufenden Herstellung, wird anonymisiert und von den gestrengen Juroren schließlich regelrecht unter der Lupe zerlegt. Sind die Rosinen auch gleichmäßig verteilt? Bricht der Stollen beim Schneiden auseinander? Ist es möglich, alle Grundzutaten wie Mandeln oder in Rum eingelegte Rosinen herauszuschmecken? Wenn es die gleiche Stollensorte dreimal in Folge schafft, die unerbittlichen Tester mit voller Punktzahl zu überzeugen, wird sie mit Gold ausgezeichnet. 

Und so ziert nun der Mohnstollen aus der Bäckerei Eberl eine goldene Krone. „Dieser Qualitätstest ist eine wichtige Einrichtung“, findet Josef Eberl. Seinem strahlenden Gesicht sieht man die Freude über die Auszeichnung an, denn er möchte seinen Kunden mit diesem Aushängeschild zeigen, wie wichtig für ihn eine hervorragende Qualität ist. Ein Merkmal, das dem Bäck‘ von Bichl bereits in der 16. Generation von immenser Bedeutung ist. 

Aber nicht nur Eberls Bäckerei hat eine sehr lange Vergangenheit, auch der Stollen selbst. Das Gebäck, das einem in weiße Tücher gewickelten Christkind gleichen soll, wird um das Jahr 1300 erstmals urkundlich erwähnt: in Naumburg, im Süden von Sachsen-Anhalt. Unter dem sächsischen Adel wurde der Stollen gegen Ende des 15. Jahrhunderts dann zum Politikum, denn die römisch-katholische Kirche hatte den Ländern eine Fastenzeit in der Adventszeit auferlegt. Und so sollte nicht mit Butter, sondern mit Öl gebacken werden. Ein Groll durchzog die Bevölkerung, bis hin zu den Sächsischen Brüdern Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht. Beide wandten sich mit einem Bittbrief an Papst Innozenz VIII, denn mit dem vorhandenen Rübenöl sei kein verdaulicher Stollen zu backen. Und der Papst antwortete 1491 prompt, dass alle „Butter anstatt des Oehls ohne einige Pön (=Pein, Strafe; Anm. d. Red.) gebrauchen mögen“. 

Die Zutatenliste muss der heutigen ähnlich gewesen sein, da sind sich Historiker sicher. Aber schriftlich nachweisbar ist das erst aus der Zeit um 1700, als für die Truppen von August dem Starken gebacken wurde. Zwei Eigenschaften sind aber noch heute unverändert: Das Dauergebäck kann aufgrund der hochwertigen Zutaten bei guter Lagerung bis Ostern gegessen werden (mit Ausnahme der „nassen“ Sorten, die zum unverzüglichen Verbrauch gedacht sind) und es gilt als der König unter den Gebäcken – sofern von einer Qualitätsbäckerei gebacken. fra

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