Das Pseudomanderl

Diese Aufgabe hat ihn gefordert. Doch Egbert Greven wäre nicht der angesehene Karikaturist, Zeichner und Grafiker, wenn er sich deshalb geschlagen geben würde. Hat er eben nicht - und nun erheitern 19 Collagen und Zeichnungen die aktuelle Präsentation des Modells der Stadt Penzberg aus dem Jahr 1910, die derzeit im Stadtmuseum zu sehen ist.

Als die Idee entstand, zum 100. Namenstag von Penzberg einen Bilderzyklus zu schaffen, nahm sich Greven, ganz nach gebräuchlichem Handwerk, die Zeitungslektüre aus dieser Zeit vor. Und er erkannte sodann die Herausforderung: „Das war unheimlich trockenes Zeug.“ Kaum Geschichten, die sich auf einzelne Personen hätten übertragen lassen, „da war kaum ein Bezug zu schaffen“, räumte Greven ein und ergänzte im Rahmen der Ausstellungseröffnung: „Karikaturen brauchen ja Namen.“ Die Lösung: Greven bediente sich des „Penzbergers“, einem, wie er sagt, „Pseudomanderl“ zwischen Bayern und Bergmann. Der zieht mit einer Fah- ne, dem Symbol von Johannes dem Täufer, los. Seine Mission: Er will sein eigenes Penzberg finden - und das gelingt ihm natürlich. Am Ende des Greven-Zyklus‘, der sich in Penzbergs erstem Jahr, also 1911, abspielt, springt das ihn begleitende Schaf ins Stadtwappen. Süffisant nimmt Greven das Heranwachsen von Penzberg aufs Korn. Am Anfang freilich darf hier der vor Unterwürfigkeit strotzende Antrag auf Namensänderung nicht fehlen: „Allerdurchlauchtigster Prinzregent, allergnädigster Regent und Herr“ ist da in der Einleitung zu lesen. Und dass es sich, wie im weiteren Verlauf zu erfahren ist, um die alleruntertänigst treugehorsamste Gemeindeverwaltung St. Johannisrain handelte, die da um Namensänderung bettelte. Die Diskrepanzen zwischen den Arbeitern des Bergwerks und der zahlenmäßig längst unterlegenen Landbevölkerung durchleben der „Penzberger“ und sein Schaf ebenso wie die Episode, als der Identitätssuchende dem Künstler begegnet, der gerade an einem blauen Reiter pinselt. Zufällige Ähnlichkeiten sind da natürlich absolut gewollt. Und dass Egbert Greven seine Eingebungen handwerklich perfekt umsetzt, versteht sich eigentlich von selbst. Dass es sich zum Teil um Collagen handelt, ist da erst beim ganz genauen Hinsehen festzustellen. Aber dies taten - zumindest bei der Ausstellungseröffnung - die Besucher ohnehin umfassend vergnügt. Die Zeichnungen und das Modell sind im Stadtmuseum bis zum 20. Februar am Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, am Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu sehen; der Eintritt ist frei.

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