Die Radfahrer ausbremsen

Konfliktpotenzial an der Brücke: Wenn Radfahrer über den Säubach rauschen, sind Kinder oft im Weg - und das in einer Spielstraße. Deshalb will man mit einem aufgerauhten Belag nun dafür sorgen, dass das Tempo verlangsamt werden muss, wenn man nicht stürzen will.

Dieter Rauh war zufrieden. Der Familienvater, der mit Frau und Kindern an der Sophie-Scholl-Straße wohnt, bekommt nun das, was er und weitere Anwohner schon lange gefordert haben: rechtlich einwandfreie Voraussetzungen, da- mit die Straße auch weiterhin eine Spielstraße bleiben kann.

Das Ärgernis von Rauh & Co in diesem Bereich sind übrigens nicht die Autofahrer, sondern die Radler, die über die Säubachbrücke häufig mit einem Tempo heran gerauscht kommen, dass den kleinen Kindern oft nur noch ein beherzter Sprung zur Seite hilft, um eine Kollision zu vermeiden. Um diesem Problem beizukommen, hat der städtische Bauhof an der Brücke einige Pflanztröge aufgestellt, damit die Radfahrer von alleine das Tempo reduzieren und somit de facto der Zustand einer Spielstraße hergestellt wird. Diesen schon seit langem bestehenden status quo hatte das Weilheimer Landratsamt bereits im Frühjahr beanstandet und statt der Spielstraße eine Tempo-30-Zone gefordert, weil die Gestaltung des Belags der Sophie- Scholl-Straße keine andere Wahl lasse. Die Stadt wollte aber unbedingt den Wünschen der Anwohner und deren spielenden Kindern gerecht werden, weshalb man sich nun auf einen Kompromiss geeinigt hat. „Wir müssen die Radfahrer ausbremsen“, sagte Peter Holzmann, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Und dies geschieht nach dem Konsens mit der Kreisbehörde wie folgt: Am Anfang und am Ende des verkehrsberuhigten Bereichs wird die Straße mit einem aufgerauten Belag versehen, so dass die Radfahrer freiwillig abbremsen. Außerdem müssen Freiflächen zwischen der Radwegtrasse und den angrenzenden Flächen geschaffen werden, damit verhindert wird, dass spielende Kinder „aus den Verstecken jäh auf die Trasse der Radfahrer laufen“, wie es so unnachahmlich im Deutsch der Rathausverwaltung heißt. Die Kosten dafür belaufen sich auf 5.000 bis 8.000 Euro, was Hardi Lenk (SPD) als zu viel des Guten erschien. „Wenn das Landratsamt eine Tempo-30-Zone will, dann machen wir die halt. Die paar Schilder dafür sind viel billiger.“ Damit hatte Lenk natürlich Recht. Dass sich der Ausschuss dennoch gegen seinen Einwand und für die nachträgliche Baumaßnahme entschied, hat mit Versäumnissen aus der Vergangenheit zu tun, wie Peter Holzmann einräumte: „Die Leute haben dort die Häuser gekauft, weil man ihnen gesagt hat, dass die Sophie-Scholl-Straße ein verkehrsberuhigter Bereich ist.“ Und auch Bürgermeister Hans Mummert räumte ein, dass man seinerzeit den für die Errichtung dieses Wohngebiets verantwortlichen Bauträger nicht dazu verpflichtet habe, die Voraussetzun- gen für eine Spielstraße zu schaffen. Deshalb muss die Stadt nun die Kasse greifen. Dieter Rauh und seinen Nachbarn könnte dies egal sein. Ist es aber nicht. „Wir haben die Stadt schon vor Jahren auf diesen Missstand aufmerksam gemacht. Passiert ist aber leider nichts.“ Allzu laut will er seine Kritik aber auch wieder nicht vorbringen, denn schließlich haben die Familien an der Sophie-Scholl-Straße ihr Ziel nun erreicht.

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