Eierlegende Wollmilchsau

Das ehemalige „Olympia“ soll größer werden, die Stellplatzsatzung aber ist dagegen

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Zwei Jahre eine Baustelle: Das alte Hotel „Olympia“ ist zumindest innen schon ganz verschwunden. An das Fassade hat die Metamorphose schon begonnen, ist aber noch nicht beendet.

Penzberg – Eine Etage oben drauf und damit mehr Zimmer, das ist der Plan von Rainer Kästle, wenn er auf sein K 33 blickt, das Hotel, das einst unter dem Namen „Olympia“ an der Karlstraße 33 in Penzberg so manchen Gast beherbergte. Doch die Stellplatzsatzung macht Schwierigkeiten.

Man glaubt es Rainer Kästle sofort, wenn er sagt, dass er auf einige „fragwürdige Zimmerbelegungen“ gestoßen sei, als er das von ihm erworbene Hotel Olympia das erste Mal genauer durchleuchtete. Er erzählt von dem Auto mit dem bulgarischen Kennzeichnen, das hinten im Hof stand und das keinem zu gehören schien. Als Kästle den Abschleppdienst holte, stand plötzlich der Besitzer neben dem Auto. „Wir haben das Gebäude erworben, ohne zu wissen, was hinter den Türen ist. Und fast jeden Tag haben wir eine neue Erkenntnis erhalten, wer hier alles gewohnt hat“, lacht Kästles Frau Iris. Und sie gibt gerne zu, froh gewesen zu sein, „dass uns der eine oder andere verlassen hat“. Jetzt aber herrscht Klarheit, nicht nur über die Mieter, sondern auch darüber, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll: als Hotel und Boardinghouse. 

Den Namen „Olympia“ hat Kästle, ein Heilpraktiker und Physiotherapeut mit offenbar sehr gut gehender Praxis an der Sendlinger Straße in München, als erstes getilgt. Nichts soll mehr an die einstige Schmuddelherberge an Penzbergs zentralster Stelle erinnern. Jetzt firmiert das Anwesen schlicht unter K 33, für Karl­straße, Hausnummer 33. Eine Herberge wird es auch weiterhin sein, allerdings haben Kästle und seine Frau in den vergangenen zwei Jahren für mehr als eine Million Euro daraus ein hübsches Hotel mit 30 Zimmern inklusive Küchenzeile gemacht, die vor allem eine Klientel anlocken soll, die länger in Penzberg bleiben will oder muss, je nachdem, ob es sich dabei um Urlauber oder Geschäftsleute handelt. Die können sich übrigens alle darüber freuen, dass Kästle bei Ikea einen Sonderpreis herausgehandelt hat, denn alle Zimmer, inklusive der Küchen, entstammen dem Portfolio des schwedischen Möbelriesen. 

Eine einschneidende Veränderung bemerkt man sofort beim Betreten des Gebäudes: Der Kiosk, der ebenso wie das „Olympia“ eine Institution war, ist verschwunden. „Aus Brandschutzgründen konnten wir ihn leider nicht erhalten“, sagt Iris Kästle, die das Hotel führen wird. Nach wie vor im Haus befinden sich aber die Apotheke und die Rossmann-Filiale im Erdgeschoß sowie die Zahnarztpraxis und sechs Wohnungen in der dritten Etage. Bisher ist der Umbau etwa zur Hälfte vollzogen, was man vom Stadtplatz aus auch recht gut erkennen kann. 

Doch Kästle hat noch einige Pläne mit dem K 33: Vor allem will er die Anzahl der Zimmer auf etwa 100 erhöhen, „weil man dann das Haus auch wirtschaftlich interessant betreiben kann“. Allerdings hat Kästle sich hier bereits eine erste Abfuhr im Bauauschuss eingehandelt: Sein Antrag auf Aufstockung des Gebäudes um eine zusätzliche Etage wurde abgelehnt, was, wie man beim Rundgang mit den drei Bürgermeisterin erfahren konnte, nicht zuletzt damit zusammenhing, dass man keine Ahnung hatte, was der neue Eigentümer des „Olympia“ denn für einer sei. „Jetzt wissen wir, dass er ein seriöser Investor ist“, murmelte Vizebürgermeister Johannes Bauer. 

Aufs Murmeln wollte sich Rainer Kästle nicht verlegen, als er Bürgermeisterin Elke Zehetner mit den Augen fixierte und deutlich vernehmbar jenes Wort aussprach, das seine Expansionspläne zu verhindern droht: „Stellplatzsatzung.“ Für Kästle ist klar: „Diese Satzung tut uns weh.“ Logisch, denn aufgrund der beengten Gegebenheiten auf dem Grundstück ist klar, dass die bei der angepeilten Erweiterung auf 100 Zimmer erforderlichen Stellplätze nicht realisiert werden können, auch wenn Kästles Architekt Peter Höldrich im rückwärtigen Innenhof eine kleine unterirdische Lösung anpeilt. Bürgermeisterin Zehetner hat die Botschaft sehr wohl vernommen. Umgehend erklärte sie: „Da ist nichts in Stein gemeißelt“, sagte sie und erklärte, dass sich der neue Stadtrat mit der Stellplatzsatzung beschäftigen werde. Dieses Problem betrifft aber nicht nur die Erweiterung des K 33, sondern auch den im Erdgeschoß angesiedelten Rossmann-Drogeriemarkt, der derzeit über 400 Quadratmeter verfügt, sich aber gerne vergrößern möchte. Mehr Verlaufsfläche bedeutet aber zugleich mehr Stellplätze, weshalb Architekt Höldrich schon mal meinte: „Wir brauchen hier die eierlegende Wollmilchsau.“ 

Wenn es übrigens mit der Aufstockung des Gebäudes auch unter dem neuen Stadtrat nichts werden soll, dann hat Rainer Kästle schon eine kleinere Variante im Auge: den Ausbau des bestehenden Dachgeschoßes und die Errichtung eines öffentlich zugänglichen Cafés mit Loungecharakter und einem in Penzberg einmaligen Blick auf die Alpenkette. la

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