Unter 10 Euro bleiben

CSU gründet Ende April eine Wohnbaugenossenschaft, die sich ehrgeizige Ziele steckt

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Geballter Optimismus: Paul Hattemer, Stefan Korpan, Florian Müller und Aleksander Trifunovic (von links) machen jetzt Nägel mit Köpfen und gründen mit der WWP eine neue Wohnbaugenossenschaft.

Penzberg – Man kann am 15. März die CSU wählen oder nicht, das muss jeder Penzberger für sich selbst entscheiden. Aber eines muss man den Christsozialen in der Stadt lassen: Sie beginnen bereits vor der Kommunalwahl die Realisierung eines zentralen Wahlkampfthemas voranzutreiben.

Vor wenigen Tagen, beim Neujahrsempfang der CSU in der Stadthalle, wurde deren Bürgermeisterkandidat Stefan Korpan von den eigenen Leuten als ein Mann gepriesen, der das, was er verspricht, auch hält. Und zumindest in einem Punkt hat Korpan erkennen lassen, dass er diese Verlässlichkeit nicht vom Einzug ins Rathaus abhängig machen will. Fast beiläufig erwähnte er, dass Ende April jene Wohnbaugenossenschaft gegründet werde, an der man bei der CSU seit dem vergangenen Sommer arbeitet. Der Name: WWP (Wir wohnen in Penzberg). Unter Federführung des erst 29 Jahre alten Unternehmensberaters Florian Müller hat sich dafür ein fünfköpfiges Team gebildet, dem aus den Reihen der Stadtratskandidaten noch Aleksander Trifunovic und Paul Hattemer sowie als Externe Michael Pfeffer und Christof Seehofer angehören. Aus dieser Gruppe soll am 30. April dann auch der Vorstand und der Aufsichtsrat der WWP gewählt werden, so dass die Genossenschaft nach dem für den Sommer erwarteten Registereintrag sofort handlungsfähig ist. 

„Eine Kaltmiete von 9,50 Euro pro Quadratmeter“

Dass dem Gründungsteam auch zwei Mitglieder angehören, die nicht bei der CSU sind, ist für Stefan Korpan der beste Beweis dessen, „was ich immer sage“. Nämlich, dass er kein Bürgermeister einer Partei, sondern „aller Penzberger“ sein wolle, dem es um die Sache und nicht um politische Spielereien gehe. „Wir verstehen uns mit der Genossenschaft auch als Partner der Stadt, um gemeinsam ein drängendes Problem zu lösen“, sagt Korpan. Danach sagt er nichts mehr, sondern lässt statt dessen Florian Müller, den Kopf der WWP, sprechen. Und der verteidigt das von der CSU angepeilte genossenschaftliche Modell gegen die bereits aus den Reihen der SPD vorgebrachte Kritik. „Wir machen damit klar, dass wir nicht auf kurzfristigen Gewinn aus sind, sondern dass bei uns die soziale Komponente über allem steht.“ Das Ziel, das sich Müller & Co. für die WWP gesteckt haben, ist ebenso ehrgeizig wie verlockend: „Wir streben eine Kaltmiete von 9,50 Euro pro Quadratmeter an“, sagt Florian Müller. Und er ist überzeugt, dass dies auch funktionieren kann. „Unser Geschäftsplan wurde von Experten geprüft, und deren Urteil ist einhellig: Es kann klappen“, so Müller. Dabei weiß auch er, der Unternehmensberater, dass die WWP erst einmal vor dem klassischen Henne-Ei-Problem steht, um überhaupt aktiv werden zu können. Denn ohne entsprechende Finanzmittel geht es ebenso wenig wie ohne geeignete Objekte. Zwar will die Genossenschaft natürlich auch Eigenkapital bilden, was am besten über eine möglichst große Anzahl an Mitgliedern erreicht werden kann. Allerdings ist man hier so realistisch, dass man bis Anfang 2023 mit nicht mehr als 150 Mitgliedern rechnet, bis Anfang 2030 soll sich deren Zahl dann verdoppelt haben. Allein daran wird ersichtlich, dass ein Anfangserfolg der WWP nur über Fremdkapital, also die Kredite von Banken, möglich sein wird, was angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase aber keine unüberbrückbare Hürde darstellen dürfte. Das größte Problem für die WWP wird in der Startphase aber die Suche nach geeigneten Grundstücken oder Bestandsobjekten sein. „Wir werden hier jeden Strohhalm ziehen, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen“, versichert Florian Müller. In der Praxis soll das so aussehen, dass die Wohnungsbaugenossen mit besonders offenen Ohren durch die Stadt laufen werden. „Wenn irgendwo in Penzberg etwas verkauft wird oder eine Erbengemeinschaft vor der Frage steht, was mit einem Grundstück passieren soll, dann wollen wir einen Fuß in die Tür bekommen“, sagt Müller. Zugleich sieht man sich aber auch als Partner des Rathauses: „Die Stadt hat viele Immobilien, da ist bestimmt auch eine darunter, die von einer Genossenschaft entwickelt werden könnte“, zeigt sich Müller zuversichtlich. Man stehe diesbezüglich jedenfalls in Gesprächen mit dem Rathaus. 

Einkalkuliertes Scheitern

An Fachkompetenz, so ist Müller überzeugt, werde es der WWP jedenfalls nicht mangeln: Er selbst betätigt sich auch als privater Immobilieninvestor, Paul Hattemer war einst Bauamtsleiter, und Christof Seehofer arbeitet als Projekt- und Bauleiter. Und sie haben deshalb nicht nur eine Idee, von der sie sich leiten lassen, sondern auch ganz konkrete Vorstellungen: Ende 2021 soll mit der Realisierung des ersten Projekts begonnen werden, dessen Fertigstellung ist für Mitte 2023 vorgesehen, ehe ein Jahr später das zweite Projekt in Angriff genommen werden soll. Im Geschäftsplan der WWP heißt es dazu ganz euphorisch: „Wir träumen von einer großen Gemeinschaft in Penzberg, die nachhaltig zu vernünftigen Preisen hier leben und wirken kann.“ Wie bei anderen Wohnbaugenossenschaften auch, sollen bei der WWP ausschließlich Mitglieder in den Genuss der günstigen Mieten kommen, weshalb man in den kommenden Wochen auch die Akquise potenzieller künftiger Bewohner vorantreiben möchte. Dass dies alles keine Erfolgsgarantie ist, weiß auch Florian Müller, weshalb das Scheitern der WWP im Geschäftsplan zwar nicht explizit erwähnt, aber doch einkalkuliert ist. „Dann hat es halt nicht geklappt, wir müssen es jetzt aber auf jeden Fall versuchen“, so Müller. la

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