Mehrweg statt Müll: Recup-Konzept stößt in Penzberg nur auf geringe Resonanz

Kleiner Becher, große Wirkung

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Warben vor einer fast leeren Stadthalle für die Recup-Idee: Lisa Henze, Patrick Jähnichen, die Weilheimer Standortförderin Jutta Liebmann, Judith Dangl und Michael Sendl (von links). Rosi Freudenberg vom Penzberger Rathauscafé setzt jetzt auch auf Mehrweg statt Müll.

Penzberg – Wieder und wieder kann aus dem Recup getrunken werden, denn er durchläuft problemlos bis zu 500 Spülgänge und ist bruchsicher. Hat er seinen Dienst geleistet, kann er recycelt werden. Doch der Ansturm auf den umweltfreundlichen Kaffeebecher lässt in Penzberg ein wenig auf sich warten.

Seit drei Wochen hat Recup, das Mehrwegsystem für Kaffeebecher, eine neue Unterstützerin in Penzberg: Rosi Freudenberg. Die Inhaberin des Cafés am Rathausplatz verkauft seit Anfang des Jahres keinen Kaffee mehr in Einweg-Behältnissen. Stattdessen gibt es den Wachmacher nur noch in Recup-Bechern oder mitgebrachten Tassen. Freudenbergs Begeisterung über dieses Konzept teilen aber längst nicht alle: Hundert Meter weiter strahlende Gesichter vor leeren Stühlen. Bei einer Recup-Infoveranstaltung in der Stadthalle für Gastronomen, Tankstellenbesitzer oder andere potenzielle Läden blieb das Publikum aus. 

Mit dem Umweltschutz ist es so eine Sache. Wohl kaum jemand würde behaupten, ihm sei nicht daran gelegen. Doch wenn es an die eigenen Gewohnheiten, persönliche Zeit und gar noch das liebe Geld geht, hört bei vielen das Engagement auf. Auf der Infoveranstaltung von Recup, dem Mehrwegsystem für Kaffeebecher als Alternative zum Coffee-to-go-Becher, fand sich nicht einmal ein halbes Dutzend Interessierte ein. Anderthalb Stunden lang waren für die Infoveranstaltung angesetzt, nach nur 15 Minuten hatte sich das Grüppchen schon wieder aufgelöst. Übrig blieben nur die Vertreter von Stadt und Landratsamt sowie von Recup. 

Kein Grund für Lisa Henze aufzugeben. Ganz im Gegenteil: Sie ist von der Idee des Mehrwegsystems für Kaffeebecher voll überzeugt. Die Key-Account-Managerin bei Recup hofft auf die kritische Masse, die sich dem System anschließt. „Immerhin ist Recup deutschlandweit vertreten“, so Henze. Große Firmen wie Roche seien ebenso mit dabei wie zunehmend mehr Filialen von McDonald‘s oder Tchibo. 

Der Recup ist ein Mehrwegbecher aus recycelbarem Kunststoff in zwei verschiedenen Größen, der gegen einen Euro Pfand beim Kauf eines Kaffees erhältlich ist. Der leere Becher kann bundesweit bei allen beteiligten Firmen wieder zurückgegeben werden. 

„Wir planen noch eine weitere Veranstaltung zu den wiederverwendbaren Bechern in Peißenberg“, so Jutta Liebmann vom Weilheimer Landrats­amt, Abteilung Kreisentwicklung und Klimaschutz. „Vielleicht waren einfach Tag und Uhrzeit schlecht gewählt“, gab Penzbergs Klimaschutzmanager Patrick Jähnichen mit Blick auf den Donnerstag und die 15 Uhr zu. Auf jeden Fall werde man weiter die Werbetrommel rühren. 

Michael Sendl, Chef vom Biomichl in Weilheim, hat die Recup-Becher als einer der ersten in der Gegend eingeführt. Ihm schwebt ein Landkreis-Edition-Becher vor, der das Wir-Gefühl stärke. Henze hält dagegen, dass die Becher einheitlich sein müssten und bleiben sollten – wobei Recup dem Landkreis, der 30 Anbieter vorweisen kann, ein eigenes Logo auf dem Becher verspricht. 

Immerhin ist mit Rosi Freudenberg eine weitere Mitstreiterin dazugekommen. Seit drei Wochen bietet sie die Recup-Becher an, von denen sie bereits 30 ausgegeben hat: „Die Resonanz ist wirklich gut“, erklärt die Inhaberin des Cafés am Rathausplatz. Von denen, die immer kommen, hätten bereits 30 Prozent auf Recup umgestellt. Sie gibt gar keine Pappbecher mehr aus. „Selbst unsere Lieferanten zahlen gerne den einen Euro für den Becher“, ist Freudenberg begeistert. 

Annemarie Fontanelle, die gerade mit ihrer Freundin im Café Freudenberg eine entspannte Zeit genossen hatte, stimmt ihr zu: „Ich trinke zwar keinen Kaffee, sondern lieber Tee, finde es aber cool, dass es so was noch gibt.“ sg

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