Wider Windmühlen

Konzept für Aktive Schule Penzberg wird besonderes pädagogisches Interesse abgesprochen

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Bei einem Infoabend im Februar schienen Yvonne Schmerbeck (rechts) und ihre Kollegin Juliane Malik zuversichtlich, im Herbst starten zu können.

Penzberg – In wenigen Monaten sollte es losgehen, es gab eine Mietoption am Alten Bahnhof, Lehrkräfte waren gefunden, Eltern hatten ihre Kinder angemeldet. Doch nun wird es nichts mit der Gründung der Aktiven Schule in Penzberg. Vorerst. Yvonne Schmerbeck, Vizevorsitzende des Vereins ErLe – Erlebnis Lernen, der die Einrichtung, in der Kinder mit reichlich Bewegung, Freiheit und Demokratie unterrichten werden sollen, in die Stadt holen wollte, zieht ein ungläubiges Lächeln, wenn sie die Begründung der Regierung von Oberbayern liest, die einen Schulstart unmöglich macht.

Vor einem Vierteljahr legten Yvonne Schmerbeck und ihr Gründerteam der Regierung von Oberbayern das pädagogische Konzept für die Aktive Schule in Penzberg vor, dasselbe Konzept, „das seit 2009 in der Aktiven Schule Petershausen umgesetzt wird“, so Schmerbeck. Auch der Antrag zur Genehmigung der Aktiven Schule Penzberg sei fristgerecht Ende März eingereicht worden, diverse Unterlagen, etwa zum Gebäude, zur Finanzierung und zu den Lehrkräften und Schülern. Dann kam die Rückmeldung: Der Antrag sei weder vollständig noch sei das gewünschte Formular verwendet worden, erzählt Schmerbeck. „Die angeforderten Unterlagen wurden Mitte April nachgereicht“, so die Penzbergerin. Dann sei von der Behörde moniert worden, dass die Zeit für eine Prüfung nicht mehr ausreiche. Das Gründerteam nahm sich einen Anwalt, „Martin Sträßer, der auch damals der Anwalt der Aktiven Schule München war“, so Schmerbeck. Auf dessen Anraten sei die Wiedereinsetzung in den vorigen Stand beantragt worden, ohne jegliche Reaktion. 

Schließlich wendeten sich die Schulgründer an die Regierungspräsidentin Maria Els. Nicht mit dem gewünschten Erfolg. Laut einem Schreiben der Abteilungsdirektorin von Els „sei dem Konzept der Schule das für die Genehmigung notwendige besondere pädagogische Interesse nicht zu unterstellen“, sagt Schmerbeck verdutzt, dabei sei das besondere pädagogische Interesse dem Konzept bereits vor über zehn Jahren vom Oberlandesgericht bescheinigt und von drei Erziehungswissenschaftlern bestätigt worden. Besagter Entwurf „wird seit 2009 an der Aktiven Schule Petershausen praktiziert“, wiederholt Schmerbeck. Auch damals war im Vorfeld dem von ihrer Freundin Inga Oberbeil verfassten Konzept das besondere pädagogische Interesse von der Regierung von Oberbayern aberkannt worden. Oberbeil und Schmerbeck gingen schließlich mit dem damaligen Verein freilernen vor Gericht und bekamen Recht. 

Nun sei man bei der Regierung von Oberbayern der Ansicht, dass sich die Regelschulen seither derart weiterentwickelt hätten, „dass das vorgelegte Konzept die pädagogische Erfahrung nicht bereichern kann und somit auch keinen Mehrwert für das Schulsystem darstellt“, rezitiert Schmerbeck aus einem Schreiben der Regierung. Den Antrag auf Genehmigung der Aktiven Schule Penzberg soll das Team bis 5. Juni zurückziehen. „Der einzige Weg, die Aktive Schule Penzberg ins Leben zu rufen, wäre erneut der Weg über das Gericht“, schlussfolgert Schmerbeck aus dem langwierigen und erfolglosen Prozedere, das bislang dem Kampf gegen Windmühlen ähnelt. Von einem Schulstart im kommenden Herbst hat sich die Penzbergerin bereits verabschiedet. Schmerbeck und ihr Team wissen, dass der Weg steinig bleiben wird, „zeit- und auch kostenintensiv“, sagt sie. Daher sucht die Schulgründungsinitiative rund um den Verein ErLe – Erlebnis Lernen nun weitere Unterstützer. Der Optimismus ist den Initiatoren dabei nicht gänzlich abhanden gekommen, nehmen sie doch bereits Anmeldungen für das Schuljahr 2021/22 entgegen. ra

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