Appell an Landwirte

Vor der ersten Mahd: Auf Kitze und Hasen achten

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Jetzt besonders gefährdet: Rehkitze, denen Ungemach nicht nur vom Fuchs, sondern auch vom Mähwerk droht.

Penzberg – Weiße Punkte auf braunem Fell, der Körper zu einem Bündel geformt: Fest auf den Boden gedrückt suchen Rehkitze in der hohen Wiese Schutz. Und sie sind nicht allein, auch junge Hasen und Wiesenbrüter tummeln sich zwischen den Halmen. Sie alle fallen oft Mähwerken zum Opfer.

Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Denn die Ernte fällt mit der Brut- und Setzzeit von Rehkitzen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen. Ihre Überlebensstrategie, das „Drücken“, schützt Kitze und Junghasen vor Fuchs und Greifvogel, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk. Walter Heußler aus Penzberg, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe des Bayerischen Jagdverbands (BJV), betont: „Das Problem ist, dass die Jungtiere auch bei großer Gefahr nicht weglaufen, sondern sich instink­tiv in ihr Versteck drücken. Maschinen mit großer Arbeitsbreite fahren oft mit hoher Geschwindigkeit über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance mehr.“ 

Wenn die Bauern jetzt im Mai mit der Futterernte beginnen, fallen den riesigen Maschinen bundesweit jedes Jahr hunderttausende von Rehkitzen, kleinen Hasen und Bodenbrütern zum Opfer. Allein 90.000 Rehkitze werden jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet. Ein Problem ist der Mähtod auch für die Landwirte selbst, denn sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten, ohne im Vorfeld versucht zu haben, dies zu verhindern. 

Deshalb appelliert Heußler an das Verantwortungsgefühl der Landwirte: „Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd. Denn nur wenn die Landwirte die Mähtermine rechtzeitig abstimmen, hat der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Jungwild abzusuchen.“ Aber auch mit der richtigen Mähstrategie können viele Wildtiere gerettet werden. Beim Grünlandschnitt sollte die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Rehe, Hasen und Fasane während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben. Auch die Schnitthöhe ist entscheidend: Je höher der Schnitt, desto geringer sind die Verluste bei den Jungtieren, die sich auf den Boden drücken, und bei Bodenbrütern. 

Der Bayerische Jagdverband hat jetzt zusammen mit dem oberbayerischen Unternehmen geo-konzept ein luftgestütztes Kitzrettungssystem entwickelt. Eine Drohne mit Wärmebildkamera sucht dabei in nur wenigen Minuten die ganze Wiese ab. Nach dem Flug erhält man automatisch die genauen Koordinaten von der Stelle, an der ein Kitz oder ein kleiner Hase liegen könnten. Mit Hilfe dieser Daten werden die Jungtiere in der Wiese dann schnell gefunden und geborgen. „Dabei können die Landwirte ihre Wiesen ohne Unterbrechung und ohne Zeitverlust mähen. Das ist gelebter Tierschutz“, betont Heußler. la

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