Ein Sofa im Flussbett

André Wacke befreit die Loisach auf dem Stand-up-Paddle-Board von allerlei Unrat

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Selbst einen verrosteten Einkaufswagen fanden die Flussreiniger in der Loisach.

Penzberg/Großweil – Ein Lächeln, das sich nicht so recht einordnen lässt. Einerseits ist es Freude, andererseits Fassungslosigkeit, die sich da im Gesicht von André Wacke abzeichnet, als der Stand-up-Paddler über seine jüngste Tour auf der Loisach spricht, direkt am Ufer mit Blick auf den Fluss.

Gemeinsam mit einigen Helfern fischte er vor kurzem auf einer sieben Kilometer langen Strecke das aus der Loisach, was dort nicht hingehört. Doch was ihnen da alles ins Netz ging, verschlug selbst dem erfahrenen Flussreiniger die Sprache. Als passionierter Stand-up-Paddler, oder kurz: SUP, ist André Wacke viel auf Flüssen unterwegs, auch auf der Lois­ach. Den Abschnitt zwischen Ohlstadt und der Loisachbrücke in Großweil kennt der Penzberger daher wie seine Wasserwestentasche, das dachte er zumindest, schließlich hat er bereits im vergangenen Jahr mit einigen Helfern eben diesen Fluss­abschnitt von Müll befreit. Unzählige Plastikfetzen, Folien und anderes Verpackungsmaterial, die sich im Gebüsch am Ufer verfangen hatten und wie gigantische Spinnennetze in den Ästen und Zweigen hingen, sammelte der Trupp damals ein. Am Ende standen ein Dutzend große Müllsäcke am Ufer der Lois­ach. 

Was bei seiner zweiten Reinigungsaktion aber auf ihn zukam, damit hatte Wacke nicht gerechnet: Sperrmüll. Und davon „uferlos vui“, meint Wacke, der einige kuriose Fundstücke nennt: „An Bildschirm, a Fahrrad und a Sofa“, habe er mit seinen Helfern auf einem Mega-SUP, das bis zu zehn Mann Platz bietet, und sechs normalen SUPs aus dem Fluss gezogen. Dabei verbrachten sie ein paar Stunden auf dem Wasser, die einerseits „superlustig waren“, so Wacke, denn wie bei einer „Schwammerlsuche“ habe man sich über jeden Fund gefreut. Doch andererseits mischte sich Wut in den Spaß, aus eben demselben Grund: die Tatsache, dass man etwas fand. 

Positiv stimmt Wacke dagegen, dass dieses Mal auch einige Jugendliche für die Mission den Weg auf das Board fanden. Einen Zusammenhang mit dem frischen Aktionismus der „Fridays for Future“-Bewegung sieht Wacke dabei aber nicht, „dafür waren es zu wenige, die mitgeholfen haben“. 

Doch auch wenn nur rund 17 Helfer als Müllabfuhr auf der Loisach unterwegs waren, so kam dennoch eine Menge an Unrat zusammen. Auf jedem Board türmte sich schnell „ein Riesenhaufen“ auf, sagt Wacke. Neben Sperrmüll mangelte es wie bereits im vergangenen Jahr nicht an Plastikmüll am und im Wasser, vor allem zwischen Ohlstadt und Murnau. Binnen weniger Stunden füllten die Flussreiniger damit den Container, der nahe der Lois­achbrücke in Großweil am Ufer auf sie wartete, aber nicht nur auf sie, auch auf den kleinen acht Mann starken Fußtrupp, der am Rande der Loisach für Ordnung sorgte. „600 Kilogramm Trockengewicht und vollgesogen zirka eine Tonne Sperrmüll“ seien am Ende im Container gelandet, schätzt Wacke. 

Viel Müll, der zeigt, dass eine solche Reinigungsaktion öfter erfolgen sollte. Das möchte Wacke eigentlich auch, doch es geht nicht: Zum einen ist der Zeitaufwand immens, Helfer sind zu suchen und zu finden, und die Wasserwacht muss mit an Bord geholt werden, um die Sicherheit der Paddler zu gewährleisten. Zum anderen sind da noch die Vögel, die während ihrer Balz- und Brutzeit nicht gestört werden wollen und dürfen. Aber zumindest einmal im Jahr, „in dem Zeitfenster Juli“, möchte sich Wacke auch weiterhin auf die Suche nach Unrat begeben. Bis es wieder soweit ist, hofft der Penzberger darauf, dass weniger Müll im Fluss landet. Es wäre schon ein Anfang, wenn die Menschen bewusst in die Natur gingen und aus dieser drei Gegenstände mitnähmen, die dort nichts zu suchen haben, wünscht sich Wacke und blickt auf dem Boden, wo ihm ein orangefarbener Zigarettenstummel entgegenleuchtet. Seine Hand zuckt. ra

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