Vor der eigenen Haustüre

André Wacke rückt auch heuer wieder aus, um die Loisach von Müll zu befreien

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Mit dem Mega-SUP wieder auf der Loisach: André Wacke (rechts) bei der Sammelaktion im Jahr 2019.

Kochel – Bereits zum dritten Mal lädt André Wacke, Inhaber der Wassersportschule Sunnawind, zur gemeinsamen Reinigungsaktion an die Loisach. Diesmal werden er und seine Mitstreiter sich mit Unterstützung des Vereins Pure Water For Generations sowie den Wasserwachten Kochel und Walchensee die Strecke zwischen Farchant und Eschenlohe vornehmen. Wacke hofft auf möglichst zahlreiche Helfer, die sich am Samstag in aller Herrgottsfrüh an der Loisach einfinden.

Auf dem Wasser ist André Wacke schon seit Kindesbeinen unterwegs, unter seinen Füßen klemmt meist ein Brett mit oder ohne Segel. Die Initial­zündung für das Loisach-Ramadama kam dem Wassersportler vor drei Jahren, als sein Freund Pascal Rösler, Gründer des Vereins Pure Water For Generations, auf einem SUP von München ans Schwarze Meer paddelte, um auf das Problem der Wasserverschmutzung aufmerksam zu machen. Wacke hat ihn damals einige Kilometer auf der Donau begleitet. „Das war der Moment, wo ich mir überlegte, was ich selbst vor meiner Haustüre machen kann“, erzählt der 48-Jährige. So entstand das Projekt „Müllfreie Loisach“.

Im ersten Jahr führte die Säuberungstour von Ohlstadt bis Murnau, im vergangenen Jahr fischte Wacke Unrat zwischen Ohlstadt und Großweil aus der Loisach. Knapp eine Tonne Sperrmüll kam auf fünf bis sieben Kilometern zusammen, darunter ein Fahrrad, Computerbildschirme, ein Einkaufswagen und sogar ein komplettes Sofa. Aber auch jede Menge Plastikmüll, mal große Planen, mal kleine Fetzen, fischten die Umweltschützer aus dem Wasser. Auf die Frage, wo all das herkommt, hat Wacke keine Antwort. „Das zu klären, ist momentan nicht meine Aufgabe“, meint er, kann sich aber ein „nach mir die Sintflut“ nicht verkneifen. Schön wäre es, wenn zumindest Bauherren und Müllkippenbetreiber vor starken Stürmen Netze über ihr gelagertes Material spannen würden, findet Wacke. 

Freuen würde er sich zudem, wenn andere auf dem Wasser aktive Vereine, etwa Fischer und Angler, es ihm gleichtäten. „Die Gemeinden veranstalten zwar auch ein Ramadama“, so Wacke, aber dort würden vornehmlich die Uferbereiche gereinigt und „a bissl was aus‘m Schilf rauszogen“, vieles bleibe jedoch weiterhin im Wasser. 

„Im Stehen sieht man mehr“, skizziert er den Vorteil der SUP-Müllsammler und hofft auch in diesem Jahr auf rege Beteiligung. Als am schlimmsten betroffenen Flussabschnitt hat er heuer die knapp neun Kilometer von Farchant bis Eschenlohe ausgemacht. Wacke hofft auf mindestens zwanzig freiwillige Helfer, die jeweils zu zweit auf ein SUP steigen und dort im Übrigen 1,50 Meter Abstand zueinander halten. „Einer hält fest, einer klaubt raus“, beschreibt Wacke die Aufgaben. Mitgeführt wird ein Mega-SUP, das als Deponie für die Fundstücke dient. Dass ihm dieses von der Jugendherberge Walchensee zur Verfügung gestellt wird, freut ihn genauso wie die Unterstützung der Wasserwachten Walchensee und Kochel. 

Auch eine Premiere wird es in diesem Jahr geben: Die Reinigungsaktion findet ihre Fortsetzung am Kochelsee, der als natürliches Auffangbecken für Treibholz und Müll aus der Loisach herhalten muss. „Ich bin am Kochelsee groß geworden“, sagt Wacke über sich, das Mikroklima durch die heftigen Föhnwinde und die „mystische Atmosphäre“ des Sees hätten ihn immer schon begeistert. Nicht zuletzt deshalb taufte der Penzberger seine Firma auch „Sunnawind“ (altbayerisch für Föhn). Gesäubert wird am Kochelsee das sogenannte Hennamoos, ein Schilfbereich im besonders geschützten Natura-2000-Gebiet. Nach einem Hinweis des Landratsamtes auf die Schutzzeit der Wiesenbrüter findet das Ramadama dort allerdings erst im Spätsommer statt, nämlich am 5. September. 

Wer sich an der Aktion beteiligen will, ob zu Wasser oder zu Lande im ufersäubernden Fußtrupp, kann sich per E-Mail an julia@pwfg.blue anmelden und erhält dort weitere Infos zum genauen Ablauf. sg

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