Den Urzustand herstellen

Nasse Sache: In einem zweijährigen Projekt wird das Mauserfilz bei Edenhof renaturiert

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Wollen das Mauserfilz wieder in seinen Urzustand versetzen: Landschaftsplaner Uwe Feickert, Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann, Forstreferendar Christoph Meder und Günther Schneider, der Leiter des Forstreviers Seeshaupt (von links).

Penzberg – Das Mauserfilz ist eine jener Gegenden von Penzberg, in denen die meisten Einheimischen schon mal gewesen sind, die aber kaum einer beim Namen kennt: ein trockengelegtes, vor allem von Fichten überwuchertes Hochmoor südlich von Edenhof und nicht weit von der Loisach entfernt. 

In diesem landschaftlichen Idyll wird es nun ziemlich laut, wenn der Forstbetrieb Bad Tölz zahlreiche Männer mit Kettensägen anrücken lässt. Dies allerdings für einen ökologisch guten Zweck, denn das Mauserfilz soll in den kommenden Jahren wieder vernässt werden. 

Es sei ein Irrtum, so Rudolf Plochmann, der Leiter des Tölzer Forstbetriebs, wenn man glaube, sein Unternehmen sei nur für die Waldbewirtschaftung und somit dazu da, aus dem Holz Kapital zu schlagen. „Wir renaturieren auch die Moore in den Wäldern, die sich im Besitz des Freistaates Bayern befinden“, sagt Plochmann und blickt auf das Fichtendickicht, das einst das Mauserfilz war. Im 19. Jahrhundert hat man hier begonnen, das Hochmoor mit fischgrätenartig angelegten Gräben zu durchziehen, um das Wasser abzuleiten und die Fläche trockenzulegen. Danach wurde hier ein Wald gepflanzt, der vorwiegend aus Fichten besteht, deren Stämme wiederum als Grubenholz für das Bergwerk dienten. Nun gibt es erstens das Bergwerk schon lange nicht mehr, und zweitens hat sich seit geraumer Zeit die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein wiedervernässtes Moor nicht nur einen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen bildet, sondern als Wasserspeicher auch ein probates Mittel für den Hochwasserschutz darstellt. 

Um eines Tages diesen Idealzu­stand wieder zu erreichen, hat der Königsdorfer Landschaftsplaner Uwe Feickert für das insgesamt 33 Hektar umfassende Mauserfilz einen Plan entwickelt, der mehrere Phasen vorsieht. In einem ersten Schritt wird eine rund 11 Hektar große Fläche bis hinunter zur Loisach fast vollständig gerodet. Dabei geht es allen Fichten und einem Teil der Kiefern an den Kragen. „Die Birken lassen wir stehen, die fühlen sich auch in einem wiedervernässten Moor wohl“, sagt Günther Schneider, der Leiter des Forstreviers Seeshaupt, zu dem auch das Mauserfilz gehört. Außerdem von einer Fällung verschont werden alle Bäume mit Spechthöhlen sowie jene, in deren Geäst sich Nester von Krähen oder Bussarden befinden. Die Rodung ist deshalb erforderlich, weil die Bäume als Konsequenz der Wiedervernässung erst absterben und dann den Borkenkäfer anlocken würden. „Deshalb müssen wir sie vorher entfernen“, so Schneider. 

Wie Rudolf Plochmann sagt, werde man dann erstmal eine längere Pause einlegen, ehe man im Oktober damit beginne, den Wald bis hinaus zum Bahngleis und damit die restliche Fläche des Mauerfilzes zu roden. Zwischen Mai und September 2021 erfolgt dann der für die Renaturierung entscheidende Schritt: „Mit rund 150 Torfdämmen werden wir die Entwässerungsgräben wieder verschließen“, so Plochmann. Diese Maßnahme könne man nur im Frühjahr beginnen, damit all jene Tiere wie etwa die Kreuzotter, die im Untergrund ihren Winterschlaf halten, aufgrund der Wiedervernässung nicht ertrinken. la

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