Fleißige Bienen auf dem Dach

Alexander Wutke bietet in seinem Rewe-Markt selbst geschleuderten Honig an

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Vom Dach ins Regal des Supermarktes: Arno Bruder, Staatlicher Imkereifachberater im Bezirk Oberbayern, zeigte zusammen mit seinem Schwiegersohn und Rewe-Supermarktbetreiber Alexander Wutke, wie Honig geschleudert wird.

Bad Heilbrunn – Während das Geschäft im Rewe-Markt an jenem Samstag brummte, summte es gewaltig auf dem Dach des Gebäudes an der Birkenallee. Der Grund: Acht Bienenvölker produzieren dort oben fleißig Honig, flüssiges Gold, dass künftig in den Verkaufsregalen landen soll.

Streng genommen ist er wohl der größte Arbeitgeber in Bad Heilbrunn. Denn für Alexander Wutke arbeiten hunderttausende Angestellte. Dass sie äußerst fleißig sind, davon konnte man sich in Wutkes Rewe-Supermarkt nachhaltig überzeugen, denn dort gab es erstmals selbst hergestellten Honig und Einblicke in die Welt der Imkerei. 

Einige Waben stehen bereit, eine Zentrifuge aus Plexiglas, dazu ein Abfüllkübel. Alexander Wutke will zeigen, wie Honig hergestellt wird. „Summersummen“ nennt er seine Kreation. Es ist Samstag, der erst im vergangenen Jahr eröffnete Supermarkt ist voller Wochenendeinkäufer. Und die zeigen sich neugierig, beobachten das Vorgehen ganz genau. Viele Fragen haben sie, und wer könnte sie besser beantworten als Wutkes Schwiegervater? Arno Bruder aus Weilheim ist Staatlicher Fachberater für Imkerei beim Bezirk Oberbayern. Zwischen 1.500 und 2.000 Schülern hat Bruder in der Imkerschule in Landsberg am Lech bereits sein Wissen vermittelt. Und schnell hat er auch seinen Schwiegersohn Alexander Wutke für die Imkerei begeistern können. Der unterhält inzwischen auf dem Dach des Supermarktes an der B472 acht Bienenvölker. Erstmals wurde nun der Honig abgeerntet.

Arno Bruder zeigt sich beeindruckt: 25 Kilo pro Zarge konnten gewonnen werden. Bei zehn Zargen stehen nun 250 bis 300 Kilogramm Honig zur Verfügung, rechnete er vor und meinte: „Die Bienen waren sehr fleißig.“ Eine „gute Tracht“ sei das, wie man im Imkerdeutsch sagt. Vor allem die Lindenblüten seien für die Heilbrunner Bienen eine gute Quelle. Und der Kräutergarten der Gemeinde auch, ist Bruder überzeugt. Rund drei Kilometer groß ist das Revier der Bienen, was ausreicht, um Arno Bruder zu folgender Expertise zu veranlassen: „Der Honig hat ein sehr gutes Aroma.“ Das sei nicht immer so, denn meist sei Honig verschnitten. Bruder nennt es fast schon „Schindludertreiberei“, dass Honig oft einen geringen Anteil aus Europa enthält und der Rest aus Südamerika oder China stammt. 

In Deutschland werden jedenfalls nur 15 bis 18 Prozent des eigenen Honigbedarfs produziert. „Wir sind ein Importland“, sagt Bruder. Gerade deshalb begrüßt er die aktuelle Sympathiewelle, auf der die Biene als Synonym für Blütenvielfalt getragen wird. Er war schließlich als Imkereifachberater auch in die Diskussionen rund um das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ involviert und mit seinem Fachwissen auch im Landtag gefragt. 

Zwar sind nicht zuletzt aufgrund der Diskussion über das Volksbegehren immer mehr Bienenstöcke zu finden, doch Bruder sagt: „Es mangelt an Wissen.“ Deshalb arbeitet er unaufhörlich daran, aufzuklären. Auch beim Rewe seines Schwiegersohnes in Bad Heilbrunn. So kann er etwa eine Frau beruhigen, die wissen will, ob es nicht gemein sei, den Bienen den Honig zu klauen. „Nein, wir lassen ihnen genug übrig“, sagt Arno Bruder. Andernfalls, so schickt er hinterher, könnte die Imkerei ja nicht auf eine jahrtausendelange Geschichte blicken. Mit Ausbeuten hat die Imkerei – zumindest wie sie Arno Bruder und Alexander Wutke praktizieren – nichts zu tun. 

Die Probiergläschen, die an diesem Tag gereicht werden, kommen jedenfalls gut an. Und Wutke ist seinem Ziel, im Laden künftig noch mehr eigenen Honig anzubieten, einen bedeutenden Schritt näher gekommen. So dürften künftig weitaus mehr Menschen ganz genau auf die Herkunft des Honigs achten und sich der Meinung von des Rewe-Menschen aus Bad Heilbrunn anschließen: „Der Tag fängt erst so richtig mit Honig an.“ arr

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