Mehr als nur ein Röhrchen

Spahn und Söder sind schwer beeindruckt: Roche stellt neuen Corona-Test vor

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„Ein wichtiger Tag im Kampf gegen Corona“: Ministerpräsident Markus Söder, Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (von links).

Penzberg – Wenn ein bayerischer Ministerpräsident und ein Bundesgesundheitsminister einen halben Tag lang in Penzberg verbringen und dabei nicht einziges Mal auf die Uhr blicken, dann muss sich, zumal in Corona-Zeiten, schon Bedeutendes ereignet haben.

Und das hat sich, denn am Montag kündigte Roche an, dass von seinem Corona-Antikörpertest Elecsys schon bald hundert Millionen Stück pro Monat vom Band laufen. Darüber hinaus gab Roche-Verwaltungsratspräsident Christoph Franz bekannt, dass sein Unternehmen in Penzberg 170 Millionen Euro für den Ausbau biochemischer Produktionsanlagen sowie weitere 250 Millionen Euro für die Errichtung eines neues Forschungs- und Entwicklungszentrums für diagnostische Tests investieren werde. Kein Wunder, dass Markus Söder und Jens Spahn darüber beinahe die Zeit vergaßen. 

„Das ist Champions League, das ist absolute Spitze“, schwärmte Söder als er sich mit Spahn in einem der Labors erklären ließ, wie es die Roche-Leute geschafft haben, in nur sechs Wochen diesen Antikörpertest zu entwickeln und die Produktionskapazitäten zu schaffen, dass davon schon bald hundert Millionen Stück pro Monat vom Band laufen sollen. „Das ging nur, weil wir in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet haben“, sagte Thomas Schi­necker, der Diagnos­tics-Chef von Roche. Dabei habe sich ein Pioniergeist breit gemacht wie in einem Start-up-Unternehmen, ohne den dieser Kraftakt nicht zu schaffen gewesen wäre, schließlich dauere die Entwicklung neuer Tests normalerweise mehrere Monate. 

Bei Elecsys wird eine Blutprobe darauf untersucht, ob der jeweilige Patient bereits Antikörper gegen das Corona-Virus gebildet hat. Damit soll ermittelt werden, wie viele Menschen sich mit dem Virus infiziert haben ohne dies zu wissen. „Das ist deshalb so wichtig, weil wir damit Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen gewinnen“, erklärte Gesundheitsminister Spahn. Die Bundesregierung hat mit Roche ab Juni eine monatliche Abnahme von fünf Millionen Tests vereinbart; im Mai werden es drei Millionen Stück sein. Spahn begründet dies mit der hohen Qualität von Elecsys: Wie Thomas Schinecker sagte, liege die Spezifität des Tests bei 99,8 Prozent, was bedeutet, dass hier fast alle Gesunden auch tatsächlich als gesund erkannt werden. Hinzu komme, dass Elecsys ausschließlich die Existenz von SARS-CoV2-Antikörpern untersucht und sogenannte Kreuzreaktionen mit anderen, harmlosen Corona-Viren ausschließt. „Diese hohe Qualität eines Tests gibt es bisher nirgends“, zeigte sich Jens Spahn beeindruckt. Zur Durchführung des Tests im Labor braucht man zwar ganz bestimmte Analysegeräte, davon stünden bundesweit aber 2.000 Exemplare flächendeckend zur Verfügung. 

Ministerpräsident Söder sprach von einem „wichtigen Tag im Kampf gegen Corona“. Der Roche-Test sei sehr viel mehr als nur „ein Röhrchen“, weil man damit erfahre, wer sich mit dem Virus bereits infiziert habe und somit immun sei. Der Test ist ab sofort für jedermann erhältlich, allerdings müssen die Kosten dafür derzeit noch selbst übernommen werden. Roche-Chef Christoph Franz wollte zwar keine Zahlen nennen, sagte aber, „dass sich dies sicherlich jeder leisten kann“. Gesundheitsminister Spahn wies in diesem Zusammenhang auf laufende Debatten im Bundestag hin, in deren Mittelpunkt die Frage stehe, ob die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Test übernehmen. 

Um Elecsys dauerhaft in riesigen Mengen produzieren zu können, investiert der Schweizer Konzern 170 Millionen Euro. Weitere 250 Millionen Euro steckt Roche über die Dauer von vier Jahren in den Aufbau eines Zentrums für Infektionsforschung und Entwicklung diagnostischer Tests. Für beide Projekte sagte Ministerpräsident Söder eine finanzielle Beteiligung des Freistaates in Höhe von 40 Millionen Euro zu. Beide Nachrichten freuten auch den örtlichen Bundestagsabgeordneten Alexander Dobrindt, der ausrief: „Diese Investitionen sind ein klares Bekenntnis für den Standort Penzberg.“ Und Ministerpräsident Söder meinte, an die Roche-Leute in Penzberg gewandt: „Wir sind stolz, dass wir Euch hier haben.“ la

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