Mahnende Männer

Der Veteranen- und Kameradschaftsverein Habach wurde vor 125 Jahren gegründet

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Mit erster Fahne und Musikern aus Antdorf: Der Veteranen- und Kriegervereins Habach im Jahr 1900, bereits vier Jahre später wurde für den Kauf einer neuen Fahne Geld gesammelt, das Warum ist bis heute ungeklärt.
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1924 wurde das Kriegerdenkmal mit den Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen an der Ulrichskirche errichtet.
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1924 wurde das Kriegerdenkmal mit den Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen an der Ulrichskirche errichtet.

Habach – Obgleich der Veteranen- und Kameradschaftsverein Habach schon seit weit über 100 Jahren Bestand hat, ist das Ziel noch dasselbe wie vor Jahrzehnten: an die Kriegsgefallenen gedenken und deren Ehre bewahren. Heuer feiert der Verein sein 125-jähriges Jubiläum, Grund genug für den stellvertretenden Vorsitzenden und Ortschronisten Josef Freisl einen Blick auf die Geschichte des Vereins zu werfen.

Freisl lächelt, wenn er auf die aktuellen Mitgliederzahlen blickt: 170 Männer gehören dem Veteranen- und Kameradschaftsverein an. Das sei eine Menge, wenn man bedenke, „dass Habach knapp 1.100 Einwohner hat“. Am 29. Mai vor exakt 125 Jahren wurde der Verein gegründet, als Veteranen- und Kriegerverein Habach. Schon ein paar Jahrzehnte zuvor wurden Vereine dieser Art ins Leben gerufen, und einige Habacher, die ihren Militärdienst abgeleistet hatten, traten in einen solchen abseits des Heimatdorfes ein. Bis fünf Männer, Josef Thaddäus Baur, Ulrich Adlwart, Thomas Scheidl, Ulrich Gröbl und Sebastian Sonner, 1895 die Initiative ergriffen und Vorbereitungen trafen, um im Frühjahr den Verein in Habach zu gründen. Ihre Ziele und die des Vereins sollten sein und bleiben: das „Gedenken und die Ehrung“ der Gefallenen aufrechterhalten, in Not geratene Mitglieder unterstützen und die Kameradschaft fördern. Drei Ziele, aufgelistet in einer Chronik des Vereins, in der es auch heißt: „Aber zu keiner Zeit diente der Verein zur Verherrlichung des Krieges.“ Im Gegenteil, man wolle gar die Mahnung aussprechen, dass so etwas Furchtbares wie die beiden Weltkriege „nie mehr wieder geschehen darf“, betont Freisl. 

1.000 Reichsmark als Mitgliedsbeitrag

Im Ersten Weltkrieg hatte der Verein zwischen 1915 und 1918 zehn Gefallene und einen Vermissten zu beklagen, im Zweiten Weltkrieg dann 49 Tote, eine hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass Habach damals gerade einmal rund 600 Einwohner zählte. Unterstützung konnten sich die Hinterbliebenen von den Vereinsmitgliedern erhoffen, immerhin galt die Kameradschaft nicht alleine den Mitgliedern des Vereins, sondern auch deren Familien. Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg wurde an der Westseite der Habacher Kirche St. Ulrich ein Kriegerdenkmal mit den Namen der verstorbenen Mitglieder errichtet, Jahre später wurde dieses renoviert und eingefriedet. Wahrscheinlich für reichlich weniger Scheine, als die Mitgliedsbeiträge 1923 kosteten, denn in diesem Jahr herrschte eine hohe Inflation in Deutschland, was zur Folge hatte, dass ein Mitglied im Jahr satte 1.000 Reichsmark an den Verein zahlte, in den Jahren zuvor kostete die Mitgliedschaft lediglich eine Reichsmark. Im Herbst des besagten Jahres konnte eine Messe für einen Verstorbenen schon einmal zehn Milliarden Mark kosten. 

Tausende Soldaten in Habach

Doch nicht allein diese Zahlen erstaunen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Habach im Mai 1945 zum Entlassungsort für die Wehrmacht. Rund 250.000 Soldaten wurden von Habach aus der Wehrmacht entlassen und in ihre Heimat zurückgeschickt. „Endlose Konvois von Militärfahrzeugen fuhren nach Habach und lagerten im Dorf und an den Wiesen des Ortsrandes“, ist in der Vereinschronik zu lesen. An dem Ort, wo das Erfassungszelt aufgebaut worden war, befindet sich heute das Eichbichlstüberl. Aber nicht alle Soldaten kehrten nach Hause zurück, manche blieben in dem kleinen Dorf, ließen sich nieder und „sind durch Heirat Habacher geworden“,steht in der Chronik zu lesen. Zu den Gebliebenen zählte beispielsweise der spätere Bürgermeister Josef Plinganser. 

Verbotene Generalversammlung

Nach dem Krieg wurde es still um den Veteranenverein, zumal der Kontrollrat der Alliierten sowohl Soldatenvereinigungen wie auch Versammlungen von Soldaten untersagte, auch noch 1950, was jedoch die erste Generalversammlung nach dem Krieg im Gasthaus Neuwirt nicht verhinderte. Auch Gedenktage im Frühjahr und Herbst fanden wieder statt, stets am Kriegerdenkmal, wo mit Worten, Gebeten und gesenkten Fahnen der Gefallenen und Dahingeschiedenen gedacht wurde und auch heute noch wird. Hinzu kommen Einladungen von Nachbarvereinen, an deren Festen der seit 1972 unter dem Namen Veteranen- und Kameradschaftsverein firmierende Zusammenschluss teilnimmt. Ebenso vertreten sind die Habacher Veteranen beim jährlichen Weltfriedenstag in Feldafing. Einen Veteranenball gibt es dagegen schon lange nicht mehr, letztmalig wurde dieser im Jahr 1967 gefeiert. 

Kein Kirchenzug, kein Festgottesdienst, keine Ehrungen

Groß zelebriert werden sollte am 7. Juni, gut eine Woche nach dem Gründungstag, das 125-jähige Bestehen des Vereins. Da große Versammlungen, wie diese eine zu werden versprach, in Zeiten von Corona verboten sind, wurde die Feier abgesagt, „ein Ausweichtermin wird noch gesucht“, sagt Freisl. Somit finden die Mitglieder an diesem Tag nicht zusammen, zu keinem Kirchenzug, keinem Festgottesdienst, keinem Totengedenken, keinen Ehrungen und keinem gemeinsamen Mittagessen und Verweilen im Vereinslokal, dem Bistro zum Trödler, das sich in unmittelbarer Nähe zur Ulrichskirche und damit nur wenigen Meter vom Kriegerdenkmal entfernt befindet. ra

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