Hinter Elke Zehetner liegt das bisher schwerste Jahr ihrer Amtszeit, daraus will sie lernen

Ein bisschen Kreide

Zehetner, aber auch hetzen: Aus den Buchstaben vor ihr auf dem Tisch lassen sich unterschiedliche Worte bilden. Gehetzt wirkte sie in den letzten Monaten mehr als einmal, die Stimmung im Stadtrat ist gerade sehr angespannt, weshalb Elke Zehetner sich nun vornimmt, etwas konzilianter aufzutreten.

Penzberg – Sport machen, sich gesund ernähren, Zeit mit der Familie verbringen: Vorsätze für das neue Jahr, die einen haben welche, die anderen nicht. Bürgermeisterin Elke Zehetner gehört zur ersten Gruppe und nimmt sich für 2019 einiges vor, nicht ohne das vergangene Jahr im Hinterkopf zu behalten. 

Dauerfehde im Stadtrat, ein abgeschmettertes Hotel, viel Kritik in den Medien und eine murrende Öffentlichkeit: Das Jahr 2018 war sicher das schwierigste in der bisherigen Amtszeit von Bürgermeisterin Elke Zehetner. Im Gespräch mit dem Gelben Blatt räumt sie auch eigene Fehler ein und erklärt, was sie 2019 anders und besser machen will. 


Frau Zehetner, sie standen zuletzt oft im Mittelpunkt von Kritik, auch vom Gelben Blatt. Sind Sie froh, dass Sie 2018 hinter sich gebracht haben? 

Ob Sie es glauben oder nicht. Mit macht mein Job immer noch sehr viel Spaß. Aber das vergangene Jahr war schon sehr anstrengend und hat viel Kraft gekostet, da habe ich die Hoffnung, dass 2019 etwas einfacher wird. Allerdings möchte ich eines schon mal deutlich machen, und dafür nehme ich auch Ärger in Kauf: Ich arbeite ausschließlich zum Wohle der Stadt und will für Penzberg nur das Beste.


Trotzdem hat es zuletzt ziemlich heftige Kritik gehagelt. Woran liegt‘s? 

Ich bin vielleicht immer noch zu sehr Verwaltungsmensch und zu wenig politischer Bürgermeister, der taktiert, vielleicht aber auch taktieren muss, um ans Ziel zu kommen. Aber man lernt nie aus.


Der Stadtrat als politisches Gremium mag das aber nicht so gern, wenn er einfach nur abnicken soll oder in Entscheidungsprozesse nicht umfassend eingebunden ist. Das beste Beispiel dafür ist das Edeka-Areal: Da ist der Stadtrat über alle Fraktionen hinweg auf die Bremse getreten... 

...was ich ehrlich gesagt sehr bedauere. Wir sind beim Edeka-Gelände wieder ganz am Anfang. Statt dessen diskutieren wir jetzt darüber, ob dort eine Diskothek entstehen soll. Der Zustand ist für die gesamte Bevölkerung unbefriedigend. Wann und ob es dort überhaupt den so heiß begehrten Elektromarkt geben wird, ist völlig offen. 


Das Edeka-Gelände ist aber nur ein Beispiel. Spricht man mit der Bevölkerung, dann heißt es immer öfter: Der Stadtrat und die im Rathaus bringen nichts voran, in Penzberg herrscht Stillstand. 

Ich weiß, dass dies allenthalben herumerzählt wird. Es stimmt aber so nicht und es gibt auch positive Rückmeldungen. Die sind nur nicht so laut. Wir haben in dieser Legislaturperiode keine Baustelle eröffnet, die Penzberg nicht schon vorher hatte. Und von diesen offenen Baustellen haben wir viele abgearbeitet, denken Sie doch bloß an die Sanierung der Stadthalle, die Erweiterung unseres Museums oder die Kapazitäten bei der Kinderbetreuung, die wir sukzessive ausgebaut haben. Penzberg steht in diesem Bereich heute vorbildlich da. Nicht vergessen darf man dabei auch, dass wir den Neubau eines Familienbades auf den Weg gebracht haben.


Bleiben wir noch kurz bei den offenen Baustellen: Welche sind denn als nächstes dran? 

Ganz klar die Musikschule: Wir haben hier tolle Umbaupläne für das ehemalige Metropol-Kino, mit deren Umsetzung wir in diesem Jahr auf jeden Fall beginnen wollen. Damit erfüllen wir ein Versprechen, das aus den verschiedensten Gründen seit vielen Jahren nicht gehalten werden konnte. Und dann haben wir natürlich noch den Bebauungsplan an der Kirnberger Straße. Der wird im Frühjahr Rechtskraft erlangen, wodurch die Pläne von HAP zum Bau von neuen Produktionsstätten endlich realisiert werden können.


Bei HAP hat man derzeit aber ganz andere Probleme. 

Das ist richtig, und ich bin auch in regelmäßigem Kontakt mit der Konzernleitung, um für die vielen Beschäftigten im Penzberger Werk eine möglichst gute Lösung der augenblicklichen Probleme mit zu erreichen. Aber der Stadtrat und ich als Bürgermeisterin, wir müssen alles daran setzen, diesem zweitgrößten Arbeitgeber der Stadt eine Expansion zu ermöglichen. Wir können und wir dürfen uns nichts nachsagen lassen, dass wir nicht alles unternommen hätten, um Arbeitsplätze in unserer Stadt zu erhalten.


Im vergangenen Jahr gab es aber nicht nur Kritik an Ihrer Person, sondern auch am Stadtrat in seiner Gesamtheit. Berechtigt oder nicht? 

Wie immer gibt es zwei Seiten. Aus meiner Sicht haben Teile des Stadtrates im Jahr 2018 einen entscheidenden Fehler gemacht: sie haben sich nicht klar für den Standort des Hotels positioniert, das haben lediglich die SPD und die CSU gemacht. Wäre der Stadtrat hier mit einer Stimme aufgetreten, wäre der Bürgerentscheid womöglich anders ausgegangen. Der Stadtrat in seiner Gesamtheit hat aber auch sehr, sehr kluge Beschlüsse gefasst.


Und die waren? 

Das war zum einen die Entscheidung, dass sowohl in der Hotel-Frage wie auch beim Neubau des Familienbades die Penzberger in einem Bürgerentscheid das letzte Wort haben sollen. Und zum zweiten das Bekenntnis, die Musikschule jetzt endgültig im Metropol unterzubringen.


Das wird den einen oder anderen im Stadtrat freuen, dass er von Ihnen ein Lob bekommt. Zuletzt war die Stimmung bei den Sitzungen aber nicht auf Lob ausgelegt, sondern häufig auf Krawall.

Bei hitzigen Themen geht es gerne auch einmal hitzig zu. Grundsätzlich finde ich es schade, dass der vertrauensvolle und kollegiale Umgang miteinander doch ein wenig gelitten hat. Dabei sind solche Streitereien, wie wir sie zuletzt öfter hatten, doch eigentlich völlig nutzlos. Wenn wir die in Auseinandersetzungen verpuffende Energie nutzen würden, um gemeinsam etwas voranzubringen, dann wäre das viel besser. 


Und was bedeutet das für Sie? Haben Sie in dieser Richtung bestimme Vorsätze für 2019 gefasst? 

Ich habe mir da in der Tat einiges vorgenommen. Vor allem möchte ich etwas gelassener sein. Sie werden mich in diesem Jahr sachlich und so wenig emotional erleben, wie das eigentlich meinem Sternzeichen, der Jungfrau, entspricht. Und dann werde ich nicht von Anfang an versuchen, alle von meiner Sichtweise in bestimmten Punkten zu überzeugen, sondern den Stadtrat die einzelnen Fragen umfassend diskutieren lassen und mich erst dann in die Diskussion einschalten. Kurzum: Ich werde im neuen Jahr ein bisschen mehr Kreide fressen.


Das heißt, dieses Jahr wird es in Penzbergs Politik etwas gemächlicher und freundlicher zugehen?

Freundlicher soll es auf jeden Fall werden, gemächlicher aber nicht. Es kann sich keine politische Gruppe erlauben, die Entwicklung in der Stadt auf Stillstand zu setzen. Die Bürger haben eine Erwartungshaltung, dass sich eine positive Entwicklung vollzieht, und diesen Erwartungen müssen wir gerecht werden. Ich möchte jedenfalls nicht wegen unserer Arbeit in Deckung gehen müssen, wenn ich auf der Straße jemanden treffe.


Ist es all der Ärger überhaupt wert, dass man sich als Bürgermeisterin permanent der öffentlichen Beurteilung und natürlich auch der Kritik aussetzt? 

Auf jeden Fall. Ich mag diese Aufgabe wahnsinnig gerne und freue mich fast jeden Tag, wenn ich ins Rathaus gehe. Ich liebe es auch, mich mit schwierigen Menschen auseinander zu setzen, weil man da unglaublich viel lernen kann. Und ich bin auch sehr stolz, wenn ich auswärts die Stadt Penzberg vertreten darf. Allerdings habe ich gelernt, dass man manchmal einfach auch ein wenig runter muss vom Tempo.


Das Interview führte André Liebe

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