Idylle ohne Drohnen

Tafeln mit Verhaltensregeln sollen am Kochelsee für mehr Achtsamkeit sorgen

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Symbolträchtige Schilder: Bauhof-Leiter Benno Gstaiger (links) und Bürgermeister Thomas Holz wollen mit Bildern das Verhalten der Menschen ändern.

Kochel – Drohnen, die in die Luft abheben, Hunde, die ins Wasser springen und Blumenliebhaber, die emsig Blüten sammeln, Szenen, die am Kochelsee schon bald der Vergangenheit angehören könnten, zumindest wenn sich jeder an das hält, was auf den neuen Schildern rund um das Gewässer steht.

Es sind Bilder, die eigentlich jeder verstehen sollte. Die Frage ist jedoch, ob sich die appellierenden Piktogramme auch in die Köpfe der Betrachter einprägen. Kochels Bauhofmitarbeiter haben am Kochelsee über ein Dutzend Schilder in die Erde gesteckt, welche in kurzen Worten und simplen Symbolen deutlich machen sollen, was an dem Gewässer und in der umgebenden Natur untersagt ist. Einen Schilderwald möchte Kochels Bürgermeister Thomas Holz eigentlich nicht pflanzen, doch die Zeit erfordert harte Mittel.

Im Einklang mit des Farbe des Sees, in Blautönen gehalten, zeigt das erste Piktogramm eine verbeulte Dose und einen angebissenen Apfel, ein markanter roter Strich quer über das Bildchen macht klar: Das hier ist keine Abbildung aus einem Bilderbuch, sondern ein Verbot. „Keinen Müll wegwerfen“ prangt unter dem Symbol. Abfall vernünftig zu entsorgen, das ist nur einer der neun Verhaltenshinweise, die den Besucher nun von Tafeln rund um den Kochelsee entgegenblicken. Weitere Bildchen bitten den Naturgenießer darum, den Hund anzuleinen und diesen kein Bad nehmen zu lassen, kein offenes Feuer zu machen, nicht wild zu campen, keinen Lärm zu machen, nicht wahllos womöglich geschützte Pflanzen zu pflücken und auch keine surrenden Drohnen abheben zu lassen. 

Holz wollte eigentlich nicht noch mehr Schilder in der Natur sehen, aber die Verhaltensregeln scheinen nun einmal von Nöten zu sein: „Genau einige derjenigen, die unsere schöne Landschaft zur Erholung nutzen wollen, hinterlassen diese Natur teilweise wie eine große Müllhalde“ , klagt der Rathaus­chef. Vor allem nach Wochenenden mit Traumwetter seien Plastikmüll in den Büschen und Sträuchern und Feuerstellen am Ufer keine Seltenheit. Rücksichtslosigkeit, die für Holz unbegreiflich ist: „Ich frage mich wirklich, in welcher Welt diese Menschen leben. Manchem scheinen die Anwohner und die Natur hier vor Ort völlig gleichgültig zu sein“, schimpft der Bürgermeister. 

Gleichgültigkeit, der man am Walchensee bereits mit Schildern geantwortet hat: Dort hat das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen im Landschaftsschutzgebiet vor zwei Jahren Tafeln aufgestellt, mit wenig Text und einprägsamen Darstellungen, so, wie nun auch die Tafeln am Kochelsee gestaltet sind, in der Hoffnung, dass Bilder mehr sagen als Worte. ra

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