Ort der Tragik

Denkmalverein renoviert Feldkreuz in Reindl

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Nahmen sich des Feldkreuzes an: Hans Edlfurtner (rechts) und Fritz Schröger vom Penzberger Denkmalverein.

Penzberg – Plötzlich steht es da, so unverhofft, das alte Feldkreuz auf der kräftig grünen Wiese. Drumherum weitläufige Flur, ein Weg, die Häuser ein Stück weit entfernt. An dieser Stelle in Reindl erinnert das Kruzifix an ein grausames Verbrechen, das sich vor fast 100 Jahren hier ereignete. Kein Wunder also, dass das Kreuz ein wenig in die Jahre gekommen war.

Während das Kreuz an der Straße „Wölfl“, das in die bayerische Denkmalliste aufgenommen wird, noch auf seine Restaurierung wartet, erstrahlt ein anderes Kruzifix, das noch kein Denkmal ist, bereits in neuem Glanz: das Feldkreuz in Reindl, das sich neben dem Daserweg befindet und an ein tragisches Ereignis erinnert. Im Jahr 1922 wurde der 56-jährige Bergmann und Gütler Josef Eberl bei der Feldwache seines Lebens beraubt, hinterhältig mit zwei Stichen in den Rücken. Obwohl ein Hund die Fährte aufnehmen konnte, verlief sich die Spur bei den Altgewässern der Lois­ach im Sande. Später habe man die Täter aber doch noch fassen können, weiß Franziska Lindmaier, die heutige Grundstücksbesitzerin, aus alten Erzählungen ihrer Mutter. Die Mörder Eberls sollen zwei Landstreicher gewesen sein, die sich selbst verrieten: ein ordentlicher Rausch habe ihre Zungen zu einem Geständnis gelockert. Wann sich dies ereignete, ist jedoch nicht überliefert. Doch scheinbar waren die beiden Täter nicht ganz so gewissenlos und frei von Reue, wie es die Tat vermuten lässt: „Einer erhängte sich, der andere erhielt eine Gefängnisstrafe“, berichtet Barbara Kaulbarsch vom Penzberger Denkmalverein. Zur Erinnerung an den Vater und seinen gewaltsamen Tod errichteten die Kinder des Ermordeten schließlich das Feldkreuz. 

Nach rund 100 Jahren allein auf weiter Flur war das Kreuz nicht mehr im besten Zustand, vor allem das Schild und seine Inschrift, die da lautet: „Hier wurde unser lieber Vater Herr Josef Eberl am 22. September 1922 bei der Flurwacht ermordet“, bedurften einer Renovierung, welcher sich der Denkmalverein vor allem mit viel ehrenamtlicher Arbeit von Hans Edlfurtner und Fritz Schröger widmete. Nun leuchten die weiße Christusfigur und das ebenso helle Schild, das in wenigen Worten von dem tragischen Ende Eberls berichtet, wieder in hellem Weiß auf dem dunklen Kreuz. ra

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