Runder Tisch zur Kinderkrippe: Plötzlich gibt es ein alternatives Grundstück

Der Plan des Consigliere

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Der Consigliere des Elternbeirats: Andreas Vetter neben Julia Brettner und Tatjana Patermann. Wird er zum Heilsbringer in der Krippenfrage? Gegenüber der Grundschule an der Birkenstraße liegt das Vetter-Grundstück, um es noch näher heranzurücken, wird eine Verlegung des Spielplatzes erwogen.
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Der Consigliere des Elternbeirats: Andreas Vetter neben Julia Brettner und Tatjana Patermann. Wird er zum Heilsbringer in der Krippenfrage? Gegenüber der Grundschule an der Birkenstraße liegt das Vetter-Grundstück, um es noch näher heranzurücken, wird eine Verlegung des Spielplatzes erwogen.
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Der Consigliere des Elternbeirats: Andreas Vetter neben Julia Brettner und Tatjana Patermann. Wird er zum Heilsbringer in der Krippenfrage? Gegenüber der Grundschule an der Birkenstraße liegt das Vetter-Grundstück, um es noch näher heranzurücken, wird eine Verlegung des Spielplatzes erwogen.
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Der Consigliere des Elternbeirats: Andreas Vetter neben Julia Brettner und Tatjana Patermann. Wird er zum Heilsbringer in der Krippenfrage? Gegenüber der Grundschule an der Birkenstraße liegt das Vetter-Grundstück, um es noch näher heranzurücken, wird eine Verlegung des Spielplatzes erwogen.

Penzberg – Wer am Sonntag nichts Besseres zu tun hatte und Formel 1 schaute, der weiß, wie exakt 24 Stunden später der Runde Tisch zur umstrittenen Kinderkrippe an der Birkenstraße verlaufen ist: wie der Große Preis von Brasilien. Am Anfang stinklangweilig, am Ende aber hochspannend, weil der Elternbeirat der Grundschule an der Birkenstraße auf der Zielgeraden einen alternativen Standort aus dem Ärmel zauberte, den keiner auf der Rechnung hatte. Jetzt soll alles ganz schnell gehen und der Stadtrat bereits in der kommenden Woche noch einmal die Grundsatzfrage über den Standort der neuen Krippe beantworten.

Lange Zeit mäandrierte dieser Abend im großen Sitzungssaal des Rathauses so vor sich hin. Bürgermeisterin Elke Zehetner, Stadtbaumeister Justus Klement und Kämmerer Johann Blank erklärten in dieser Reihenfolge, weshalb bei der vor einem Jahr begonnenen Suche nach einem Standort für die Krippe zwar viele Grundstücke geprüft wurden, am Ende aber nur der Pausenhof der Grundschule an der Birkenstraße übrig blieb. Dafür hatte die Stadtverwaltung eine hübsche Chronik mit vielen Bildern ausgedruckt, die vom Elternbeirat der Grundschule mit einer weniger hübschen, dafür sehr textreichen Chronik gekontert wurde. Die Kritik der Elternvertreter an den Krippeplänen der Stadt focussierte sich dabei auch an diesem Abend auf zwei wesentliche Punkte: dass dadurch der Pausenhof verkleinert werde, was den Kindern schade, und dass man sich damit die Option verbaue, die angesichts des weiter anhaltenden Zuzugs in ein paar Jahren unausweichliche Erweiterung der Grundschule zu rea­lisieren. Ansonsten verlor man sich viel an Nebenskriegsschauplätzen wie etwa der Frage, wie weit der Weg vom künftigen Schwimmbad-Parkhaus zur geplanten Krippe sei oder wer denn wen in den Entscheidungsfindungsprozess des Stadtrates hätte einbinden sollen. Die Eltern fühlen sich jedenfalls außen vor gelassen, die Bürgermeisterin hingegen meint, dass sich der Elternbeirat halt auch selber hätte informieren können. Das übliche Geplänkel halt, das letztlich doch noch etwas Würze erfuhr, als Kerstin Engel, die Bürgermeister-Kandidatin der Grünen, sich daran erinnerte, dass bald Wahlkampf ist. Dass der Stadtrat mit ihrer Stimme für die Krippe auf dem Pausenhof gestimmt habe, sei dem Zeitdruck geschuldet gewesen, dem man sich „wegen der Konzeptlosigkeit im Stadtrat“ fortwährend ausgesetzt sehe. Applaus von den Rängen, aber zornige Mienen bei den übrigen Stadträten und die Bürgermeisterin, die meinte Engel erhalte hier Standing Ovations „für das Gegenteil dessen, wofür sie im Stadtrat gestimmt hat“.

Die ganze Zeit hatte man sich da schon gefragt, was denn Andreas Vetter hier wohl macht. Der gescheiterte Bürgermeisterkandidat der SPD saß neben den Elternbeiräten und sah in seinem dunklen Anzug aus wie der Consigliere in amerikanischen Mafia-Filmen. Bis zu seinem Auftritt sollte es nicht mehr lange dauern. Zuvor aber war noch Julia Brettner vom Elternbeirat an der Reihe: Als ein bis dato fader Abend den Anschein hatte, ebenso fad zu enden, rief sie plötzlich aus: „Wir haben ein Alternativgrundstück für die Krippe!“ Entlang der Ahornstraße und damit in unmittelbarer Nähe der Birkenstraße befänden sich 4.230 Quadratmeter in privater Hand, die die Stadt jederzeit kaufen könne. Vorne, wo die Leute aus dem Rathaus versammelt waren, rieb man sich verwundert die Augen und beteuerte, davon noch nie etwas gehört zu haben. Weiter hinten kramte der Consigliere in seinen Unterlagen, bis er den Plan gefunden hat, auf dem das ominöse Grundstück zu sehen ist. Was das alles mit Vetter zu tun hat, wurde einem hinterher zugeraunt: Das Grundstück gehört seiner Familie.

Anderntags kabelte Vetter in die Welt: „Die beiden Grundstückseigentümerinnen sind sehr an fairen und zügigen Verhandlungen mit der Stadt Penzberg interessiert und können sich auch einen Grundstückstausch zu fairen Bedingungen vorstellen. Eine relativ schnelle Umsetzung an diesem Standort ist durchaus möglich, zumal dieses Grundstück bereits im Einzugsbereich eines bestehenden Bebauungsplans liegt, so dass auch Abänderungen im beschleunigten Verfahren möglich sind. Jetzt muss alles ganz schnell gehen, denn der Stadtrat soll sich schon nächste Woche damit und mit der Frage, ob man an der Pausenhof-Krippe festhält, beschäftigen. Die Bürgermeisterin meinte: „Wir werden uns das gerne anschauen.“ Der Stadtbaumeister murmelte etwas vom Bebauungsplan, nur die Stadträte sagten nichts. Auf sie kommt es jetzt aber an.

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