Gummistiefel auf Schnapsflaschen

Routine in der Dunkelheit: Spezialisten von Uniper kontrollieren Obernachstollen

+
Wie Höhlenforscher in unergründeten Untiefen: Die Uniper-Experten beleuchten den Expansionsdom, der sich zum Ausgleich des Wasserdrucks an der Verbindungsstelle zwischen Stollen und Druckrohr befindet.

Kochel – Ein wenig düster ist der Arbeitsplatz schon, auch ein wenig stickig und schmutzig. Doch zum Glück mussten die Spezialisten der deutschen Wasserkraftsparte von Uniper nur eineinhalb Stunden dort verbringen, wohin es für gewöhnlich keinen Menschen verschlägt.

Die Experten kontrollierten den Obernachstollen vom Einstieg am nördlichen Rand des Sachensees bis zum Obernachkraftwerk. Auch wenn es ein bisschen danach aussah, als ob die Männer wie Höhlenforscher Geheimnisvolles ergründen wollen, so wussten die Spezialisten doch genau, was sie in dem Stollen suchten. Mit Lampen auf ihren Helmen leuchteten sie in das Schwarz und hielten Ausschau nach Ablagerungen an der Innenwand des über drei Meter breiten Stollen. Und weil der kreisrunde Stollen nicht gerade ist, marschierte der Trupp in Gummistiefeln mit Stahlkappen und weiterer Schutzausrüstung am Körper durch die Dunkelheit. Die Strecke ist zwar mit rund 3,9 Kilometer nicht sonderlich lang, doch sie überwindet dabei einen Höhenunterschied von 68 Meter. 

Erbaut wurde der Stollen vor über sechzig Jahren, zwischen 1953 und 1955. Alle zehn bis 15 Jahre wird der von einer 25 bis 50 Zentimeter dicken Beton-Wandung ummantelte Stollen komplett entleert und zur Kontrolle abgeschritten. Gespeist wird der Stollen von der Isar-Überleitung, die bei Krün abzweigt und über weite Strecken oberirdisch verläuft. Die Überleitung transportiert bis zu 25 Kubikmeter Wasser in der Sekunde in das Obernachkraftwerk und schließlich in den Walchensee. Bei der jüngsten Begehung erlebten die Männern mit leuchtender Stirn keine großen Überraschungen. Hier und da stießen die Spezialisten auf ungewöhnliche Funde, die sich in der Dunkelheit erst einmal entdecken lassen mussten. Und so stolperten die Männer über allerlei Verlorengegangenes, Schnapsfläschchen, einen Filzstift oder auch ein Lippenpflegeprodukt. Die Bauausführung sei nach wie vor nachhaltig und robust, außerdem hätten sich keine Befunde ergeben, „sodass dem Wiederbefüllen des Stollens nichts im Wege steht“, teilt Uniper nach dem Kontrollgang in einer Pressemitteilung zufrieden mit. 

Zeitgleich mit der Kontrolle des Stollens steht auch die Revision der beiden Francis-Maschinen an, die im Obernachkraftwerk am Südufer des Walchensees jährlich rund 46 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft erzeugen. Bei der Revision, die nicht nur eineinhalb Stunden, sondern einige Tage in Anspruch nimmt, werden Laufrad und Generator überprüft und die Dichtungen der Drosselklappen ausgetauscht, Kosten von rund 130.000 Euro. ra

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Landkreis Weilheim-Schongau: Corona fordert viertes Todesopfer - 21 neue Fälle
Landkreis Weilheim-Schongau: Corona fordert viertes Todesopfer - 21 neue Fälle
Landkreis Weilheim-Schongau: 26 neue Corona-Fälle - auch wieder in Penzberg
Landkreis Weilheim-Schongau: 26 neue Corona-Fälle - auch wieder in Penzberg
Denkmalverein renoviert Feldkreuz in Reindl
Denkmalverein renoviert Feldkreuz in Reindl
Unfall in Kochel: Autofahrer (58) von Baum erschlagen - B11 stundenlang gesperrt
Unfall in Kochel: Autofahrer (58) von Baum erschlagen - B11 stundenlang gesperrt

Kommentare