Ein intimer Rahmen

An seinem 95. Geburtstag feiert der Penzberger Bahnhof seine Premiere als Konzertsaal

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Geht doch wunderbar: Das Trio Nostalgie trat den Beweis an, dass man im Bahnhof nicht nur warten, sondern auch kleine Konzerte veranstalten kann.

Penzberg – Zahlreiche Menschen tummelten sich in der Wartehalle des Penzberger Bahnhofs. Sie warteten, jedoch nicht auf einen verspäteten Zug, sondern auf Musik. Gesang, Gitarre und Kontrabass erklangen nahe den Gleisen und damit an dem Ort, an welchen man für gewöhnlich nur kurz verweilt.

Als vor 95 Jahren die erste Dampflok von Iffeldorf heranstampfte, da war halb Penz­berg auf den Beinen. Die Waggons waren feierlich geschmückt und die Honoratioren ebenso herausgeputzt. Die junge Stadt feierte mit einem großen Fest die Eröffnung ihres Bahnhofs. Heute, knapp 100 Jahre später, steht das Gebäude etwas verloren herum. Zwar hält hier noch immer der Zug, aber es gibt beispielsweise keinen Schalter mehr. Im Augenblick gehört das Gebäude mal wieder der Stadt, was eine Gruppe, die sich „Penzberg 2030“ nennt, aber ändern will. Sie möchte das Gebäude auf Genossenschaftsbasis übernehmen, und den Bahnhof mit Leben und Kultur erfüllen. Wie das aussehen könnte, zeigte sich am vergangenen Freitag: Zum 95. Geburtstag des Bahnhofs wurde die Schalterhalle in einen kleinen Konzertsaal verwandelt, in dem das Trio Nostalgie erstaunlich viele Penz­berger vor sich hatte.

Als Alexandra Link-Lichius, Peter Karnbaum und Thomas Kapfer-Arrington das erste Lied anstimmten, waren die Stühle alle schon belegt, draußen tummelte sich noch eine ansehnliche Menge, um durch die geöffnete Tür mitzuhören. Mit französischen Chansons fast aller Altmeister sorgte das Trio auch stimmungsmäßig für einen passenden Rahmen: mal fröhlich, mal melancholisch, aber immer echt und natürlich. So könnte man auch die Gefühlslage jener beschreiben, die sich nun die Schaffung eines Bürgerbahnhof vorgenommen haben. Max Kapfer ist einer von ihnen: Der Vorsitzende des Denkmalvereins freute sich über den großen Zuspruch der Veranstaltung, war es doch der erste Versuch, dem alten Bahnhof wieder Leben einzuhauchen. Und er erinnerte an die Historie, etwa an die Fertigstellung der Bahnlinie Starnberg-Penzberg bereits im Jahr 1965, die aber nur für den Güterverkehr bestimmt war. Der Bau eines Bahnhofes für den Personenverkehr habe schließlich für Penzberg den großen Durchbruch bedeutet. Im Jahr 2010 wurde der Bahnhof dann an einen privaten Investor verkauft. Nach Bekanntwerden seiner Pläne, das alte Gebäude abzureißen und durch einen modernen Glaskubus zu ersetzen, regte sich breiter Widerstand. Die Stadt kaufte das Gebäude schließlich wieder zurück und weiß seither nicht so recht, was man damit anfangen soll. Vor wenigen Wochen formierte sich nun die Gruppe „Penzberg 2030“, deren Unterstützerkreis bereits 50 Personen umfasst. Ging es dem Denkmalverein vor Jahren nur darum, das Gebäude zu erhalten, so ist es mittlerweile das Bestreben, einen Ort für Gemeinschaft zu installieren: „Bahnhöfe sind Orte des öffentlichen Zusammenkommens, die als solche auch bewahrt werden sollten“, erläutert Anette Völker-Rasor und nimmt auch Bezug auf die Fridays-for-Future-Bewegung, die zeige, dass ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. „In Penzberg ist die Idee vom Bürgerbahnhof gedacht als konkretes Projekt auf dem Weg in eine klimaneutral lebende Gesellschaft“, so Völker-Rasor. 

Das ist aber nur das eine, seit Freitagabend weiß man auch, dass die Schalterhalle einen wunderbar intimen Rahmen für kleinere Konzerte bietet. Und anzukommen scheint das Konzept mit dem Kulturbahnhof auch: Denkmalschützer, Unterstützer von „Penzberg 2030“ und ganz normale Leute, die einfach einen schönen Abend bei Musik in einer völlig neuen Umgebung erleben wollten. Der Wunsch nach Wiederholung war jedenfalls unüberhörbar, und auf den ausliegenden Listen haben sich wieder einige neue Interessenten eingetragen, die beim Gestaltungsprozess des Bürgerbahnhofes mitmachen wollen. 

„Penzberg 2030“ wird im Juni und Juli Ausflüge zu Bahnhöfen machen, die bereits erfolgreich ein neues Konzept verfolgen. Wer da mitfahren möchte, kann sich an Anette Völker-Rasor (Tel: 08856/82031) wenden. me

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