Tourismus im Gewerbegebiet

Whisky-Investor besinnt sich auf seine ursprünglichen Pläne zurück

Derzeit nur auf dem Papier existiert die „Getreideerlebniswelt Schlehwerk“, der Baubeginn soll fühestens 2020 erfolgen.

Schlehdorf – Scotch oder Bourbon? Eine Glaubensfrage unter Whisky-Liebhabern. Ob flüssiges Gold aus Schlehdorf die Qual der Wahl bald erschweren wird, steht noch in den Sternen. Die Pläne für eine Whiskydestillerie im Klosterdorf könnten sich nun aber konkretisieren.

Im Sommer 2016 kaufte der Iffeldorfer Investor Christian Heinrich das rund 3.200 Quadratmeter große letzte Grundstück im Schlehdorfer Gewerbegebiet An der Breiten. Seitdem tüftelt er gemeinsam mit Architekten an den Plänen und sucht weitere Investoren für das Großprojekt. Überarbeitete Pläne präsentierten im vergangenen Herbst ein von sechs auf 30 Millionen Euro aufgeblasenes Bauvorhaben, unter anderem mit einem größeren Hauptgebäude, einer Tiefgarage mit fünf Geschoßen sowie einer zusätzlichen Käserei und 60 Gästebetten. Dies hatte allerdings im Schlehdorfer Gemeinderat keine Begeisterung ausgelöst. Das Gremium befürchtete eine Konkurrenzsituation zu ortsansässigen Betrieben und riet dem Investor, seine Pläne nochmals zu überdenken. Über eine Bebauungsplanänderung wollte der Gemeinderat erst dann beraten, wenn die künftige Nutzung des Gebäudes geklärt ist. 

Nun wurde das Vorhaben wieder „auf die ursprünglich geplante Größe eingedampft“, wie Stefan Jocher berichtet. Es werden jetzt „nur noch eine reine Whiskydestillerie und kleine Bierbrauerei“ mit etwa 30 oberirdischen Parkplätzen, glaubt der Bürgermeister. Eine Änderung des Bebauungsplanes wäre demnach nicht erforderlich. Jocher rechnet mit Baubeginn frühestens im nächsten Jahr, denn im Vorfeld gebe es noch viele Hürden, darunter umfangreiche Brandschutzvorgaben aufgrund des erwarteten Besucherverkehrs. 

Im „Schlehwerk“, wie das Projekt heißen soll, wird dennoch mehr passieren als nur die Herstellung alkoholischer Getränke. So wirbt die bereits in Betrieb genommene Homepage für den Bau, der „von außen im Stil eines Schlosses konzipiert“ ist und „innen die moderne Interpretation der Gründerzeit“ aufweist, als „attraktive Tourismus-Destination bei jedem Wind und Wetter“. In dem Gebäude sind auf drei oberirdischen und zwei unterirdischen Geschoßen neben Destillerie und Brauerei auch ein Ladengeschäft, eine Bäckerei sowie ein Café und Bistro vorgesehen. Dazu kommen Büros, eine Werkschau sowie Seminarräume, in denen Firmen und Vereine Events und Tagungen abhalten können. Eine Dachterrasse, Clubräume, Gästezimmer und eine hauseigene Kapelle sollen den perfekten Rahmen für exklusive Clubmitglieder, Familienfeiern und Hochzeiten bieten. Der Investor will laut Homepage für die Besucher „lokal angebaute, reine, unverfälschte Getreidesorten erlebbar machen“, ob als Brot, Bier oder Whisky, zu deren Herstellung er lokales Bergquellwasser und Getreide von regionalen Bauern verwenden will. Der Unternehmer wirbt nicht nur mit einer Ankurbelung des Tourismus im Tölzer Land, sondern auch mit einer attraktiven Rendite für Finanzgeber, die stille oder aktive Teilhaber am „Schlehwerk“ werden können. 

Unabhängig von den Entwicklungen der Getreideerlebniswelt hat der Gemeinderat vor kurzem durch eine Änderung des Flächennutzungsplans die Erweiterung des Gewerbegebiets nach Norden ermöglicht, weil das Areal auf Dauer zu klein werden könnte. „Das alleine ermöglicht jedoch noch kein Baurecht, sondern ist lediglich der vorbereitende Bauleitplan für die Aufstellung eines konkreten Bebauungsplanes“, betont Stefan Jocher. Die Flächen befänden sich derzeit ausschließlich in Privatbesitz, weshalb zum jetzigen Zeitpunkt nichts geplant sei. Voraussetzung für die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen wäre ohnehin die Verbesserung der Zufahrt, etwa durch die Schaffung einer Abbiegespur oder den Bau eines Kreisverkehrs. Letzterer hätte den Vorteil, mittelfristig auch eine weitere Erschließung in Richtung Unterau zu ermöglichen und die Engstelle am Beginn der Unterauer Straße zu entlasten, und wurde deshalb bereits im Entwurf berücksichtigt. cw

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