Tendenz gegen null

Elf Tage bis zur HAP-Schließung: Corona erschwert Neubeginn bei Jobsuche

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Mitten im HAP-Werk wurde im Februar eine Jobmesse mit rund 50 Unternehmen veranstaltet. Die Aussichten auf einen neuen Job für die HAP-Mitarbeiter schienen da gut. Kurz darauf aber kam die Pandemie.
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Mitten im HAP-Werk wurde im Februar eine Jobmesse mit rund 50 Unternehmen veranstaltet. Die Aussichten auf einen neuen Job für die HAP-Mitarbeiter schienen da gut. Kurz darauf aber kam die Pandemie.
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Sorgen sich um die Zukunft der HAP-Mitarbeiter: Bayram Yerli, freigestellter Betriebsrat,...
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...und Wirtschaftsförderin Monique van Eijk.

Penzberg – Eigentlich lief es nicht schlecht: Kurz nachdem im vergangenen Jahr verkündet worden war, dass Hörmann Automotive Penzberg (HAP) am 30. Juni 2020 schließt, richtete die Stadt mit Wirtschaftsförderin Monique van Eijk eine Online-Jobbörse ein. Vor rund vier Monaten folgte eine Jobmesse im HAP-Werk, doch nun funkt die Corona-Krise gewaltig dazwischen.

In weniger als zwei Wochen verabschiedet sich HAP aus Penzberg. Im April vergangenen Jahres war es wie ein lauter Knall, als verkündet wurde, dass das Werk binnen 14 Monaten für immer schließt. Von dem Knall scheint nun nicht mehr der geringste Schall vernehmbar zu sein. Seit Corona ist es still geworden um das Unternehmen an der Seeshaupter Straße. Still ist es in den Hallen aber keineswegs. Es wird noch produziert, „aber auf sehr niedrigem Niveau“, sagt Bayram Yerli, freigestellter Betriebsrat. In den Hallen ist die Stimmung gedrückt, oder, wie Yerli es vorsichtig formuliert, sie „ist nicht so besonders“. Das Warum liegt für Yerli auf der Hand, denn viele Mitarbeiter verlieren einen langjährigen Arbeitsplatz, und dann kommt auch noch die Corona-Krise hinzu. Die Chance, einen neuen Job zu finden, tendiere da gegen null. Und „für die schwerbehinderten Kollegen gibt es außer einem Monatslohn zusätzlich zu ihrer Abfindung keine weitere Hilfestellung durch den Betrieb“, ergänzt Yerli. Tag für Tag verschwinden Kollegen, bis zum großen Finale am 30. Juni. „Ich glaube, dass bei den letzten Verbliebenen die Emotionen hochkommen, wenn der Betrieb jeden Tag immer leerer wird. Daher sind die meisten wohl froh, wenn nun das alles vorbei ist“, sagt Yerli. 

Aktuell sind noch etwa 200 Mitarbeiter bei HAP beschäftigt. Die meisten sind laut Yerli „aber schon weg, da sie noch ihren Urlaub abbauen müssen“. Wie viele ehemalige Mitarbeiter schon eine neue Anstellung gefunden beziehungsweise diese bereits angetreten haben, weiß er nicht, doch „durch Corona haben einige Kollegen, die bereits eine Zusage hatten, Absagen bekommen“, bedauert Yerli. 

Auch Wirtschaftsförderin Monique van Eijk macht kein Hehl daraus, wie massiv sich die Pandemie auf die Arbeitsvermittlung auswirkt. Auf dem von der Stadt eingerichteten Jobportal für scheidende HAP-Mitarbeiter fanden sich stets rund 100 Unternehmen, vor allem aus den Landkreisen Weilheim-Schongau und Bad Tölz-Wolfratshausen, sowie etwa 300 Stellenanzeigen. Allein im Jahr 2019 zählte van Eijk 9.461 Seitenaufrufe, in diesem Jahr nur noch knapp 2.000. In dem Netzwerk waren auch viele Firmen vertreten, die an der Jobmesse teilgenommen haben. Und die Resonanz der Arbeitgeber war sehr gut, „sie waren alle begeistert und viele konnten sich vorstellen, jemanden einzustellen“, sagt van Eijk. Mit Corona hat sich jedoch alles geändert: Viele Unternehmen mussten ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, an Neuanstellungen war da oft nicht mehr zu denken. „Ich bekam E-Mails mit der Bitte, Stellenanzeigen aus der Jobbörse herauszunehmen“, bedauert die Wirtschaftsförderin. Neue Anzeigen wurden nicht mehr geschaltet. Und dennoch könne die Jobbörse den arbeitsuchenden HAP-Mitarbeitern helfen, immerhin böten die dort aufgelisteten Unternehmen eine Orientierung, um zu sehen, in welchen Branchen eine Anschlussbeschäftigung theoretisch möglich ist und eine Initiativbewerbung gewagt werden kann. Dass Corona und das Ende von HAP nun zusammengefallen sind, „das tut mir wahnsinnig weh“, so van Eijk. 

Während die Jobbörse ruht, bleibt Yerli in den finalen Tagen alles andere als still. „Für mich persönlich und die freigestellten Betriebsräte bleibt die Aufgabe, alles noch bis zum Schluss gut über die Bühne zu bringen und für unsere Kollegen da zu sein“, sagt das Mitglied des Vertrauenskörpers. Yerli selbst weiß noch nicht, wie es mit ihm weitergeht. Die Zeit sei „hart und emotional aufwühlend“ gewesen, „ich brauche im Anschluss etwas Zeit, um wieder zu Kräften zu kommen und eine gesunde Entscheidung für meine Zukunft treffen zu können“, so Yerli. Am 30. Juni soll HAP aber nicht still und leise aus Penzberg verschwinden, denn der Betriebsrat plant an diesem Tag gemeinsam mit der IG Metall eine Aktion, „auch wenn das unter Corona-Bedingungen schwer ist“, sagt Yerli. ra

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