In der Nähwerkstatt in Owerri lernen junge Frauen und Männer das Schneidern

Perspektive mit Nadel und Faden

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„Es ist eine großartige Chance“: Gemeinsam mit sieben weiteren Frauen und fünf Männern erlernt die 19 Jahre alte Emmenuella in der Nähwerkstatt in Owerri nun das Schneiderhandwerk.

Penzberg – Ein Rattern durch den Raum, ein kaum hörbares Rascheln der Stoffbahnen. Emmanuella sitzt an der Nähmaschine und erlernt das Schneiderhandwerk. Sie ist dankbar, Pfarrer Gerald Njoku und dem „Freundeskreis Father Gerald“, die gemeinsam eine Nähwerkstatt in Owerri ins Leben gerufen haben.

Während im Werk­raum an der Christianstraße alles für den Weihnachtsmarkt vorbereitet wurde, drückten die Schüler im weit entfernten nigerianischen Owerri auf die Pedale, so dass die Maschinen fleißig ratterten. Ein Bild wurde den Leuten vom Förderverein „Werkraum Penzberg“ direkt aufs Smartphone zugesandt. Darauf zu sehen: die 19-jährige Emmanuella hinter einer der neuen Nähmaschinen. So konnten die Penzberger den Start ihrer Schneiderausbildung beinahe live miterleben. 

Dass die Nähwerkstatt in der Erzdiözese Owerri unter der Aufsicht von Pfarrer Gerald Njoku nun ihren Betrieb aufnehmen konnte, ist all jenen zu verdanken, die sich in den vergangenen Monaten dem vom Werkraum-Förderverein gegründeten „Freundeskreis Father Gerald“ angeschlossen hatten. „Eine Berufsschule nach deutschem Vorbild ist unser Fernziel“, sagt Schriftführerin Anette Völker-Rasor vom Förderverein. Und Schatzmeisterin Ulrike Sidki freut sich: „Dank der im Laufe dieses Jahres eingegangenen Spenden konnte die Nähwerkstatt starten. Die notwendigen Maschinen sind angeschafft, ein Raum ist hergestellt.“ Mit Ann Onomajuru habe man auch eine Schneidermeisterin als Leiterin des Projekts gewinnen können. 

In diesen Tagen haben dort acht junge Frauen und fünf junge Männer ihre Ausbildung begonnen. Pfarrer Gerald Njoku will sie „stark machen fürs Bleiben“ und damit einen Beitrag dafür leisten, dass sich junge Menschen aus Nigeria nicht auf eine Flucht nach Europa mit ungewissem Ausgang machen. Wer Nigeria verlässt, so Anette Völker-Rasor, tue dies vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Mit Bildung und beruflichen Perspektiven könne man dies aber unterbinden. 

Eine der jungen Frauen, die sich in Owerri eine Zukunft erhoffen, ist Emmanuella. Vor etwa zwei Jahren hat sie die Secondary School abgeschlossen. Danach wusste sie nicht, wie es weitergehen soll. Bis jetzt. Beim Start der Nähwerkstatt vor wenigen Tagen sagte sie: „Es ist eine großartige Chance. Vor ein paar Monaten hat sich das noch nach einem Traum angehört. Aber jetzt ist es Wirklichkeit geworden. Dank Father Gerald und den deutschen Freunden.“ Die 19-Jährige erhält nun eine Ausbildung, die sie nichts kostet. 

Ruth Brichmann und Dieter Raisch, die Vorsitzenden des Werk­raum-Vereins, sehen in der Initiative eine Weiterführung der Asylhilfe: „Wir lernen eben auch viel über die Länder, aus denen die Menschen zu uns kommen. Mit Austausch und Vernetzung können wir vielleicht ein wenig in die Ferne wirken.“ 

Und das Engagement der Ehrenamtlichen endet nicht mit der Inbetriebnahme der Nähwerkstatt, es werden weiter Spenden gesammelt: Wer sich hier einbringen möchte, der kann sich auf dem Sonderkonto „Förderverein Penzberg“, DE 98 7039 0000 0102 5810 35, finanziell engagieren. 

ra/la/Anette Völker-Rasor, Ulrike Sidki

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