Kurs im Trachten-Infozentrum

Schöne Spalterei: Besuch bei den Federkielstickern in Benediktbeuern

Die Teilnehmer des Federkeil-Workshops Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern.
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Fingerfertig: Der Federkiel wird durchgefädelt.

Benediktbeuern – Das Trachten-Informationszentrum in Benediktbeuern führt in die Kunst des Federkielsticken ein. Ein Besuch im Workshop.

In einem erstmals angebotenen Workshop wurden 2019 ein Dutzend Teilnehmer von der bislang weltweit einzigen Meisterin dieser Zunft in die streng gehütete Kunst der Federkielstickerei eingeweiht. Die Premiere war ein voller Erfolg, so dass im vergangenen Jahr ein weiterer Grundlagenkurs sowie ein zweistufiger Aufbaukurs folgten. Corona-konform saßen die Teilnehmer mit Maske und zwei Meter Abstand an ihren Werkbänken. Nun aber sorgte der erneute Lockdown für eine Zwangspause. Das letzte der drei Wochenenden soll für beide Kurse erst im Frühjahr 2021 stattfinden.

Großes Interesse

Die Technik mag geheim sein, bekannt ist die Federkielstickerei dennoch. Anders lässt es sich nicht erklären, dass bereits der erste Kurs in Windeseile ausgebucht war. Sechs Männer und sechs Frauen fanden den Weg in den Maierhof des Klosters, bis aus Ruhpolding und dem Chiemgau sind sie hergefahren. „Wir haben den Kurs bewusst gedeckelt, um die Qualität sicherzustellen“, erklärt Organisatorin Elfriede Schäffler vom TIZ. Dessen Leiter Alexander Wandinger hütet in den Gewölben nicht nur 20.000 historische Kleidungsstücke und Accessoires, sondern ist auch Experte für die Geschichte der Männer- und Frauengürtel im Alpenland und Autor von „Das Buch der Gürtel“, einem veritablen Wälzer mit 400 Abbildungen samt kulturhistorischen Erläuterungen.

Fachfrau: Referentin Katharina Stuefer.

Die Kunst des Stickens mit gespaltenen Pfauenfedern entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts zuerst in Bayern, später in Tirol und Österreich. Mit teils eingefärbten Pfauenfederkielen wurden lederne Gürtel, Hosenträger, Schuhe und Geldtaschen prächtig bestickt, mit Motiven, die manchmal ganze Geschichten erzählen. Pfauenfederkielsticker war damals ein eigener, nur von Männern ausgeübter Beruf. „Um 1870 hat sich das Handwerk dann verloren, wurde aber um 1900 im Südtiroler Sarntal von der Familie Thaler wieder aufgenommen“, schildert Wandinger. Dass er mit Katharina Stuefer eine Thaler-Enkelin als Referentin gewinnen konnte, erfüllt ihn mit Stolz. Die Sarntalerin ist nicht nur die erste und bislang einzige Frau dieses Berufszweigs mit Meisterbrief, sondern zudem bereit, ihr Wissen mit anderen zu teilen. „Im Handwerk gab man in früheren Zeiten oft kein Wissen raus, sondern hat dieses über Jahrhunderte eifersüchtig gehütet“, erzählt Wandinger.

„Man braucht Jahre, bis man es beherrscht“

Der Workshop war auch für Stuefer eine Premiere. Das merkte man allerding weder ihr noch den Teilnehmern und schon gar nicht den Ergebnissen an, die in den Holzständern klemmten. „Man braucht Jahre, bis man das Handwerk beherrscht“, schildert die Referentin, alleine die Lehre, welche auch Zeichnen und die Taschnerei beinhalte, dauere fünf Jahre. Bei ihr haben sich drei Gesellenjahre und schließlich der Erwerb des Meistertitels angeschlossen. „Bei meinem Kurs kann jeder mitmachen, der Interesse, Geduld, Ausdauer und etwas Kreativität mitbringt“, erklärt die 57-Jährige. Sie wählte dafür ein Werkstück aus, welches auch Laien an drei Wochenenden fertigbringen. Zum Kursinhalt gehören auch Zeichnen und Materialkunde sowie das Herrichten der Pfauenfedern, aus deren Stängel mit einer speziellen Maschine Federkiele gespalten werden, die mit Stofffarben eingefärbt werden können.

Sorgfältig werden die Federkiele gespalten.

Die Teilnehmer sitzen ganz in ihre Arbeit versunken an den Werkstühlen, stechen mit einer Ahle ein Loch ins Leder und ziehen sogleich einen zugespitzten Federkielfaden durch. Konzentration und Geduld sind dabei vonnöten, denn Fehler können nicht ausgebügelt und Löcher nicht auf Vorrat vorgestochen werden. „So ein fertiger Gürtel kostet im Laden zwischen Tausend und Fünftausend Euro“, veranschaulicht Stuefer. Die meisten Kursteilnehmer fertigen das arbeitsintensive Stück für sich selbst an. „Ich mach ja sonst kaum was für mich“, meint Matthias Wiesheu, der in der Gürtelschließe gleich seine Initialen eingestickt hat. Der Sauerlacher bringt bereits Erfahrung im Sticken mit und findet: „Es gibt nichts Schöneres, als wenn ich mal sieben bis acht Stunden sticke.“

Training für Trachtler

Auch Manfred und Gabriele Barthel machen nicht das erste Mal einen Gürtel. Die Mitsechziger sind aus Erding angereist, um ihre Gürtelsammlung künftig mit Ornamenten zu verzieren. Ganz praktische Gründe haben die Jüngste in den Workshop geführt. Laura Weiland ist im Trachtenverein „Wendelsteiner Thanning“ aktiv, wo immer wieder Flechtnähte auf Hosenträgern zu restaurieren sind. „Bislang haben wir die Hosenträger ins Zillertal geschickt, ab jetzt kann ich das selbst machen“, freut sich die 24-Jährige. Und dann gibt es einen Teilnehmer, der nicht für sich selbst zu Ahle und Federkiel greift. „Ich mache den Gürtel für meine Frau“, sagt Herbert Koch aus Ruhpolding. Eine Überraschung wird es jedoch nicht, weil der 56-Jährige zwischen den Kurswochenenden im heimischen Wohnzimmer an dem Stück weiterarbeitet.

Hier kann man sich anmelden

Wer die Technik des Federkielstickens erlernen möchte, kann sich jetzt schon bei Elfriede Schäffler für einen Kurs im Jahr 2022 anmelden (telefonisch unter 08857/88833). 

Zeit genug zum Üben haben nun alle Teilnehmer, denn die Termine im November mussten aufgrund des Lockdowns auf das Frühjahr verschoben werden. Kursleiterin Stuefer nimmt es gelassen. „Über den Winter können meine Leute nun fleißig üben“, meint sie und lobt, alle seien „total motiviert“. Gut möglich, dass Stuefer im Frühjahr große Augen machen wird, denn vor allem der Aufbaukurs zeigt sich ausgesprochen kunstfertig und arbeitet an sehr aufwändigen Hosenträgern. Christine Weikert

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