Schrumpfungsprozess zum Namenstag

Stattliche Häuser erheblich geschrumpft: Das im Stadtmuseum aufgebaute Modell zieht viele neugierige Blicke auf sich, zumal wenn Ehrenfried Mock (Mitte) die Vergangenheit erklärt.

Vor etwa eineinhalb Jahren besuchte die Penzberger Kulturgemeinschaft das Münchner Stadtmuseum, wo auch ein Modell ausgestellt ist, welches die heutige Landeshauptstadt so zeigt, wie sie im ausgehenden Mittelalter ausgesehen hat. Ehrenfried Mock stand zunächst ein wenig versonnen da- vor und hatte dann die zündende Idee. Wenn Penzberg 2011 seinen 100. Namenstag feiert, dachte sich der Chef der Kulturgemeinschaft, dann wäre dies die beste Gelegenheit, um auch dort so ein Modell zu präsentieren.

Was folgte, war akribische Recherchearbeit in öffentlichen und privaten Archiven und natürlich das Klin- kenputzen, immerhin war Mocks Idee nicht weniger als 20.000 Euro schwer. Doch jetzt ist es geschafft: Im Rahmen einer Feierstunde wur- de das knapp 3 Meter lange und 1,85 Meter breite Modell im Maßstab von 1:400 der Stadt offiziell übergeben. Die Ansicht, die das Penzberg vor 100 Jahren zeigt, ist noch bis zum 20. Februar im Stadtmuseum zu sehen, zusammen mit einer ebenfalls zur historischen Replik passenden Ausstel- lung mit Karikaturen von Egbert Greven. Weil der Andrang und die Neugier auf das Penzberger Modell so groß war, verlegte die Stadt den Festakt kurzerhand in die Aula der Realschule, wo Vize-Bürgermeister Johannes Bauer zunächst einmal allerhand Lokalprominenz zu begrüßen hatte, ehe er daran erinnerte, wie das so war, als sich die ländliche Gemeinde St. Johannisrain in Penzberg umbenannte. „Da stand die bäuerliche Bevölkerung der Bergwerksbevölkerung gegenüber“, schilderte Bauer die so verschieden gelagerten Interessen. Ein Umstand, der sich bis heute nicht geändert habe, scherzte er, entstamme doch noch immer der erste Bürgermeister aus einer Bergarbeiterfamilie, der zweite hingegen dem Bauernstand. „Ein guter Brauch“, wie Bauer meinte, den bei den nächsten Wahlen fortzusetzen aber zunehmend schwerer fallen wird, weil in Penzberg sowohl die Bergarbeiterfamilien wie auch die Bauern sukzessive weniger geworden sind. Ehrenfried Mock, der es als ehemaliger Rektor der Realschule in der Aula offenkundig genoss, „dass ich hier mal wieder das Sagen habe“, nahm die Festgesellschaft dann mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Dabei präsentierte er die wesentlichen Pläne, Unterlagen, Stiche und Fotografien, die der Kulturgemeinschaft die detailgetreue Aufarbeitung eines Planes für das Modell überhaupt erst ermöglicht hätten. Doch: Viel Unterlagen gibt es nicht. Ein Stich aus dem Jahr 1909, im Auftrag der Oberkohle entstanden, habe sehr geholfen, erklärte Mock, weil darauf die Werksanlage samt Beschriftung deutlich zu sehen sei. Ein weiterer Stich aus dem Jahr 1910 leistete ebenfalls wertvolle Dienste, um das in natura 850.000 Quadratmeter große Areal zwischen Bahnlinie und Bergwerk detailgetreu im Maßstab 1:400 auf der Holzplatte wiederzugeben. Und so ist ein zehn Meter hohes Haus im Modell auf zweieinhalb Zentimeter geschrumpft. Einem Plan aus dem Jahr 1932, der erst aufwändig vergrößert werden musste, habe man darüber hinaus zusätzliche Informationen zur Anordnung von Dächern entnehmen können. Auch Luftaufnahmen aus den fünfziger Jahren lieferte Mock und seinem Team wichtige Erkenntnisse. Und dann gab es noch jede Menge privater Baupläne, die letztlich als Vorlage für die charakteristischen Bergwerks­häuser dienten. Mock pickte sich bei seinem Vortrag einige Beispiele heraus, wie etwas jene Häuser in denen sechs Familien, jede davon war in etwa sechs Personen stark wohnte. „Und jede Familie hatte eine Küche und ein Zimmer, jeweils rund 16 Quadratmeter groß“, sagte Mock. So genannte Kostgänger nächtigten dann auf Strohsäcken in den Fluren. Bevor Mock die ganze Gesellschaft von der Realschule hinüber ins Stadtmuseum bat, um das Modell auch in Augenschein nehmen zu können, versicherte er: „Alles, was wir in unserer Gemeinschaft machen, gehört der Allgemeinheit.“ Bergknappen führten mit ihren Grubenlampen die Festgäste sodann in kleinen Gruppen zum Museum, so dass an diesem Abend auch jenseits des Modells ein wenig jene Stimmung greifbar wurde, wie sie in Penzberg vor hundert Jahren vorgeherrscht haben mag. Das Modell und die Ausstellung „100 Jahre Penzberg“ mit Karikaturen von Egbert Greven sind im Stadtmuseum bis zum 20. Februar am Donnerstag von 14 bis 20 Uhr, am Samstag von 14 bis 17 Uhr sowie am Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu sehen; der Eintritt ist frei.

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