Mit zwei kritischen Filmen schafft es das Gymnasium zum REC-Festival in Berlin

Der Schattenjunge

Hatten die meisten Arbeit und durften deshalb zum Filmfestival nach Berlin: Lara Demmel, Mathilda Link, Lara Weiss und Julia Dill.

Penzberg – Über scheinbare Idole und vermeintliche Verlierer: In wenigen Minuten und auf einer Leinwand mit Irrtümern aufräumen und die Augen für das Wesentliche, das Wahre, öffnen. Das gelang Schülern des Penzberger Gymnasiums. So gut, dass sie zum REC-Festival in die Hauptstadt geladen wurden. 

Hinter die menschliche Fassade blicken, und die (traurige) Wahrheit ans Licht führen: Die Schüler des Gymnasiums hielten sich bei ihrem Filmprojekt mit Kritik an der Gesellschaft nicht zurück. Zehn Mädchen und Jungen der 8. Klassen drehten zwei englischsprachige Kurzfilme, in denen falsche Ideale und Idole entlarvt werden und ein gepeinigter Junge auf ungewöhnliche Weise neuen Lebensmut findet. Eigentlich für einen Fremdsprachenwettbewerb entwickelt, gelangten die Streifen nun nach Berlin auf das REC-Filmfestival.

Kein Vierteljahr hatten die Schüler Zeit, um ihre Idee zu bebildern. Drehbuch, Regie, Schnitt, Schauspiel, alles lag in ihren Händen. „Das Schwierigste war die Ideenfindung“, gesteht Lehrerin Nadja Kranz ein. Im Oktober und November 2017 feilten die Achtklässler am Drehbuch, im Dezember kam dann die Kamera zum Einsatz. „Ein sehr trauriges Thema“ behandelt laut Kranz der fünfminütige Streifen „Shadow Boy“: Ein Junge leidet unter den Mobbingangriffen seiner Mitschüler, hadert mit sich und seinem Leben, als er eines Tages die Stimme eines Fremden hört. Sehen kann er den Unbekannten aber nicht. Schnell wird klar: Der Schüler spricht mit einem Verstorbenen, der vor zehn Jahren in derselben Notlage war, keinen Ausweg fand und sich das Leben nahm. „Shadow Boy“, dem Jungen aus dem Schattenreich, gelingt es, dem Leidenden von seiner Depression zu befreien und ihm somit ein anderes Schicksal als das Seinige zu ermöglichen. Ein Film, der von der Stille und der Schwere seiner Botschaft lebt. 

Lauter wird es hingegen in dem zweiten Beitrag „Is it true?“ Dabei stellen die Schüler die Scheinwelt der Prominenten an den Pranger. In dem neunminütigen Film entspinnt sich auf der Leinwand eine bizarre Szenerie: In einer Talkshow werden die Behauptungen Prominenter, die als Idealfiguren gelten wollen, widerlegt. So präsentiert sich etwa ein Fotomodell vor der Kamera und im Gespräch mit den Moderatoren als Fastfood-Gegnerin, in scheinbar unbeobachteten Momenten verschlingt sie jedoch Burger und Pommes. Eine Geschichte, die Moral vermitteln möchte: „Nicht alles glauben“, was vermeintliche Vorbilder vorgeben zu sein, so das Fazit von Kranz.

Und: Die beiden kritischen Werke der Penzberger Gymnasiasten schafften es bis nach Berlin: Vier Mitglieder des Filmteams wurden schließlich zum 27. REC-Filmfestival, einem internationalen Filmwettbewerb, der cineastische Werke von Kindern und Jugendlichen auf die Leinwand bringt, in die ufa-Fabrik eingeladen. Lehrerin Kranz entschied sich dabei für die „vier Mädchen, die die meiste Arbeit hatten“. Die Wahl fiel schließlich auf Lara Demmel, Mathilda Link, Lara Weiss und Julia Dill, die dann für fünf Tage in die Hauptstadt durften, um dort Filme zu schauen und darüber zu diskutieren. Aus über 700 eingereichten Beiträgen wählten die Organisatoren des Filmfestivals 69 Streifen aus 20 Ländern aus. Insbesondere ein Film aus Russland ließ die Penzbergerinnen staunen. „Er war animiert“, erklärt Kranz, „das hat unsere Schüler sehr beeindruckt.“ 

Auch wenn die Mädchen ohne Auszeichnung nach Penzberg zurückkehrten, sind sie zufrieden mit ihren Filmen. Und schließlich fällt auch nächstes Jahr wieder die Klappe, und die Schüler werden dann erneut zu Regisseuren, Drehbuchautoren und Schauspieler. ra

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