Normal ist schöner

In die Schulen kehrt das Leben zurück – die Pause wurde zum Teil kreativ überbrückt

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„Maske auf!“ und los gehts: Übersichtlicher als sonst ist es im Kunstraum des Gymnasiums, wo gerade eine 5. Klasse auf den Beginn des Unterrichts wartet.
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Einfach reinspazieren ist nicht drin: In der Grundschule an der Birkenstraße gibt es nun für die verschiedenen Klassen unterschiedliche Eingänge. Vor der Tür wird jeder Schüler namentlich aufgerufen, erst dann darf er eintreten. Drinnen gilt es, sich erst einmal die Hände gründlich zu desinfizieren.
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Einfach reinspazieren ist nicht drin: In der Grundschule an der Birkenstraße gibt es nun für die verschiedenen Klassen unterschiedliche Eingänge. Vor der Tür wird jeder Schüler namentlich aufgerufen, erst dann darf er eintreten. Drinnen gilt es, sich erst einmal die Hände gründlich zu desinfizieren.

Penzberg – Blickt man zurück, kann man es kaum glauben. Zum Ende der Pfingstferien wird es ein Vierteljahr her sein, als der Freistaat Bayern entschieden hatte, die Schulen komplett zu schließen. Aufgrund der Corona-Pandemie erklärte der bayerische Kultusminister Michael Piazolo am 13. März das damals schier Unglaubliche: Ab dem darauffolgenden Montag findet kein Präsenzunterricht mehr statt. Seither sind elf Wochen vergangen, nur häppchenweise kehren die Kinder in ihre Lehranstalten zurück – einen normalen Schulalltag wird es frühestens nach den Sommerferien geben.

„Wir freuen uns riesig, die Kinder wieder in der Schule zu haben“, so Severin Hammel, Leiter der Heinrich-Campendonk-Realschule, eine Aussage, die alle seiner Kollegen bestätigten. Und sogar die Schulmuffel sind inzwischen so weit, dass sie doch ganz gerne wieder in die Klassenzimmer zurückkehren. Hinter Schülern und Lehrern liegen fast drei Monate Homeschooling, mit allen Höhen und Tiefen. „Wir konnten die Maßnahmen mit Videokonferenzen gut umsetzen“, berichtet Sigrid Prom­mer, stellvertretende Rektorin der Grundschule an der Birkenstraße. „Ich selbst habe mich fast täglich mit meinen Erstklässlern per Videokonferenz getroffen und glaube, dass der persönliche Kontakt sehr wichtig für sie war.“ In der Mittel- und der Realschule sieht man das Homeschooling schon etwas nüchterner. Bärbel Abenthum-Brandt, die Rektorin der Mittelschule, sagt, dass dies eine „enorme Herausforderung“ für beide Seiten sei. „Die Lehrer sind momentan einer dreifachen Belastung ausgesetzt“, so die Rektorin, „sie bereiten die Prüfungsklassen vor, gestalten den Heimunterricht über sämtliche Medien und unterrichten geteilte Klassen im Präsenzunterricht.“ Einige Eltern wissen dies zu schätzen und kommen persönlich im Sekretariat vorbei, um sich zu bedanken. Andererseits gibt es jedoch auch Berichte, in denen unzufriedene Eltern ihrem Ärger den Lehrern gegenüber Luft machen. 

Severin Hammel erkennt eine Dreiteilung der Schüler. Da gebe es die sehr Gewissenhaften, die strukturiert die Aufgaben erledigen, dann die Gelegenheitsschüler, welche mal lernen und mal nicht, und dann noch diejenigen, die man sehr schwer erreichen konnte. „Die Schere geht stark auseinander, manche haben wirklich gar nichts getan“, so Hammel. Um alle auf den gleichen Wissensstand zu bringen, wird der Stoff nun noch einmal wiederholt. 

Viele Lehrkräfte wurden in der Schließungsphase recht erfinderisch. So bot die Bürgermeister-Prandl-Grundschule eine Fenstersprechstunde für Eltern und Schüler an. Bläserklassenlehrer Andreas Pilat bot virtuellen Unterricht an, ebenso gab es ein Sing- und Sportprogramm für daheim. Für diejenigen, denen zu Hause kein Computer zur Verfügung stand, gab es Leih­equipment, Aufgaben wurden kopiert und entweder zur Abholung bereitgestellt oder sogar persönlich ausgefahren. Lehrer der Förderschule bastelten Spiele, welche sie den Kindern zu Hause vorbeibrachten und unter Einhaltung der Abstandsregel erklärten. „Manche von uns sind schon fast zu YouTube-Stars geworden“, schmunzelt Sigrid Prommer, denn einige ihrer Kollegen haben Videos für die Schüler gedreht, die wohl richtig gut ankamen. 

Rosemarie Daxlberger, die Leiterin der Janusz-Korczak-Förderschule, erzählt, dass ihre zurückkehrenden Schüler zu Beginn ängstlich und unsicher waren. „Sie hatten viele Fragen und wollten nichts falsch machen. Wir haben uns deshalb sehr viel Zeit genommen, um über die Situation und die Maßnahmen zu sprechen.“ Inzwischen seien die Schüler aber aufgetaut und belagern in den Pausen vor allem das neue Spielgerät. „Sie haben sofort verstanden, dass nur eine bestimmte Anzahl von ihnen darauf turnen darf“, sagt die Rektorin. Auch Sigrid Prommer berichtet von verhaltenen Reaktionen ihrer Schüler: „Sie waren anfangs sehr zurückhaltend, haben sich aber erstaunlich schnell an die neue Situation gewöhnt.“ 

Mädchen, die sich mit einer Umarmung begrüßen oder die Köpfe beim Getuschel zusammenstecken, Jungs, die sich im Vorbeigehen abklatschen, ein Gerangel auf dem Schulhof und Kinder, die sich beim Fangenspielen aneinanderklammern – alles Bilder, die momentan nur in der Erinnerung existieren. Am eigenen Platz im Klassenzimmer darf frei geatmet werden, doch sobald man sich von seinem Stuhl erhebt, müssen Mund und Nase bedeckt sein. Beim Rumtoben verrutscht schon mal eine Maske, und am Ende des Tages bleibt dann die ein oder andere auch mal einsam auf einem Tisch zurück – es sind eben Kinder. „Es ist natürlich für alle ungewohnt“, sagt Severin Hammel und meint, „Schule in normalen Zeiten macht wesentlich mehr Spaß!“ au

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