Mit dem Pfund wuchern

Umwelt, Landwirtschaft und Tourismus in Kochel: SPD baut auf Friedl Krönauers Kritik

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Wollen Transparenz beim Baumschnitt, mehr Blühflächen und Bepflanzung: die SPD-Spitzenkandidaten Sebastian Salvamoser (rechts) und Bettina Brüller.

Kochel – „Was kann unsere Gemeinde für Klima und Umwelt tun?“ Diese Frage diskutierten Kochels SPD-Gemeinderatskandidaten mit Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz (BN) und interessierten Bürgern. 

Etwa 20 Interessierte nutzten im Nebenraum der Kochler Stuben die Gelegenheit, die Kandidaten kennenzulernen, die für die Kochler SPD in den Gemeinderat einziehen wollen. Neben klassischen sozialdemokratischen Themen rangieren Umweltschutz, Tourismus und Verkehr ganz oben im Wahlprogramm der Genossen. Friedl Krönauer nahm einige der umweltrelevanten Themen genauer unter die Lupe und ging dabei mit der Zwei-Seen-Gemeinde zuweilen hart ins Gericht. 

Landschaftsschutz

Beim Landschaftsschutz bemängelte der BN-Kreisvorsitzende die „wenig fachmännische Baumpflege“ und offenbar mangelnde Wertschätzung von Gehölzen von Seiten der Gemeinde. „Bäume und Sträucher haben eine Funktion“, führte er aus, sie seien nicht nur ortsbildprägend sowie ein Lebensraum für Vögel und Insekten, sondern auch temperaturregulierend, luftfilternd und lärmbremsend. Bei der Baumpflege sowie dem Fällen oftmals gesunder Bäume und Gehölze könne er allerdings kein Konzept erkennen, sagte Krönauer, der von Mai 2014 bis zu seinem Umzug im Oktober 2015 als Parteifreier der SPD-Fraktion im Kochler Gemeinderat angehörte. Noch deutlicher kritisierte er das Versäumnis der Gemeinde, bei der Verpachtung ihrer einzigen biotopkartierten Wiese im Moos entsprechende Vorgaben zur extensiven Bewirtschaftung gemacht zu haben. Für Krönauer ein Beispiel dafür, „wie wenig man so was schätzt“. Die SPD will sich deshalb im Gemeinderat für mehr Transparenz beim Baum- und Strauchschnitt, eine stärkere Bepflanzung entlang der Bundesstraße sowie noch mehr Blühflächen und Nutzgärten etwa für Kindergarten- und Schulkinder einsetzen, kündigte Spitzenkandidat Sebastian Salvamoser an. 

Erneuerbare Energien

Bei den erneuerbaren Energien lobte Krönauer die Umstellung auf Ökostrom zur Versorgung der gemeindlichen Liegenschaften und regte den massiven Ausbau von Photovoltaik an. Auf Freiflächen müsse man dabei in seinen Augen nicht ausweichen, gebe es doch genügend Gebäudeflächen. Kritik äußerte er im Rückblick am Verhalten der Gemeinde bei der Abwehr des geplanten Pumpspeicherkraftwerks am Jochberg. „Anfangs war da große Begeisterung, und man hat schon nach Standorten für kleinere Pumpspeicherkraftwerke gesucht“, schilderte Krönauer, Mitgründer des „Nochberg“-Aktionsbündnisses. Erst aufgrund der ablehnenden Haltung in der Bevölkerung sei man „auf die andere Seite gesprungen“, erinnerte er sich. Salvamoser sieht die Gemeinde als Vorbild für die Bürger und plädiert daher für Photovoltaik auf allen gemeindlichen Gebäuden. Wünschenswert seien zudem Energiesprechstunden auf Gemeindeebene, bei der interessierte Bürger eine unabhängige fachliche Beratung etwa in Bezug auf umweltfreundliche Heizsysteme erhalten sollten. 

Landwirtschaft

Bei der Agrarpolitik sah Krönauer eher wenig Gestaltungsmöglichkeit für die Gemeinde, sondern appellierte an das Verbraucherverhalten, um die bäuerliche Landwirtschaft zu erhalten. Salvamoser ergänzte, bei dem Ziel die Ortsmitte zu beleben, könne man auch die Direktvermarktung regionaler Produkte ins Auge fassen. 

Verkehr

Beim großen Thema Verkehr plädierte Krönauer für mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger, innerorts Tempo 30 sowie eine Verleihstation von E-Bikes und E-Autos am Bahnhof. Einen durchgehenden Fahrradweg entlang der B 11 schaffen und einige Nebenstraßen in Einbahnstraßen mit Fahrradstreifen umwandeln will Salvamoser. „Das hört sich vielleicht utopisch an“, gab der SPD-Kandidat zu, sei aber machbar, wenn man Kochel in Planquadrate einteile und diese sukzessive abarbeite. Aus dem Publikum wurde die Ungleichbehandlung beim Busfahren moniert: Während Einheimischen zahlten, stiegen Urlauber kostenlos ein. SPD-Urgestein Klaus Barthel betonte, wie wichtig daher die Ausweitung des günstigen MVV-Tarifs auf den südlichen Landkreis und die Einführung eines 365-Euro-Jahrestickets sei. Auch für die Idee eines Ortsbusses, der regelmäßig zwischen Kochels verschiedenen Ortsteilen verkehrt, warb Barthel. 

Tourismus

Beim Tourismus angelangt, beendete Krönauer seinen Vortrag mit einem Paukenschlag. Die jüngsten Nachrichten zur Umsetzung des Walchenseekonzepts „haben mich sprachlos gemacht“, erklärte er mit Blick auf die jeweils 200 neuen Parkplätze an den beiden Einfahrten zur Mautstraße, von denen „nie die Rede“ gewesen sei. Das durchaus gelungene Konzept, unterschiedliche Wünsche in Workshops zusammenzuführen, habe vielmehr Maßnahmen vorgesehen, die von allen getragen würden, wetterte Krönauer, der zudem im Gegenzug eine Aussage zum Rückbau von Parkplätzen vermisst. Statt eine Obergrenze für Besucher festzulegen, bei der die Schranken geschlossen blieben, heiße es nun: „Hauptsache die Autofahrer zahlen fürs Parken“, beklagte er. Barthel kritisierte darüber hinaus, dass ein Busverkehr am Südufer mit der Begründung abgelehnt wurde, dass der Bus aufgrund der parkenden Autos nicht durchkomme. Am Kochelsee wiederum sollten die Parkplätze in Seenähe auf jeden Fall kostenpflichtig sein, fand Krönauer, der die Einnahmen daraus für Natur- und Umweltschutz verwenden würde. 

„Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern können“

Auch wenn aus Kochel wohl nie ein Bergsteigerdorf werde, müsse die Gemeinde gerade beim Tourismus auf ihre Stärken setzen, betonte der BN-Kreisvorsitzende. Und die lägen nun mal in der einzigartigen Natur: „Das ist das Pfund, mit dem wir wuchern können, und deshalb müssen wir das, was wir noch haben, pflegen und erhalten“, schloss Krönauer. cw

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