Schutz des Lainbachwalds

Die erste Hürde genommen

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Benediktbeuern - Fünf Vertreter der Bürgerinitiative überreichten am Donnerstag Bürgermeister Hans Kiefersauer die Unterschriftenliste für ein Bürgerbegehren zum Erhalt des Lainbachwaldes.

Mit der Resonanz der Bevölkerung auf die Unterschriftenaktion zeigten sich die Naturschützer sehr zufrieden. Innerhalb von vier Wochen trugen sich etwa 500 Wahlberechtigte in die Listen ein, erheblich mehr als die erforderlichen 300. Innerhalb eines Monats wird nun der Gemeinderat über die Rechtmäßigkeit des Bürgerbegehrens entscheiden. Ist diese gegeben, folgt innerhalb weiterer drei Monate ein Bürgerentscheid, für den dann mindestens 600 Unterschriften vonnöten sind.

Hans Kiefersauer strahlte fast genauso wie die Initiatoren des Bürgerbegehrens. „Das ist ja keine Kriegserklärung, sondern eine demokratische Entscheidung“, sagte er, ehe beide Seiten noch einmal ihre wichtigsten Argumente austauschten. Kiefersauer wies darauf hin, dass er den Erhalt des Lainbachwaldes nicht grundsätzlich blockiere, sondern den kleinsten gemeinsamen Nenner suche. Der könnte aus seiner Sicht darin bestehen, dass nur zwei Hektar Wald für das Gewerbegebiet gerodet werden und drei Hektar stehen blieben.

Einen Kompromiss erachtet Gemeinderat Cölestin Allgäuer hingegen unter ökologischen Geschichtspunkten als schwierig. Man wolle nicht in eine Flächendiskussion einsteigen, sondern mit dem Bürgerentscheid den Zustand des Waldes in seiner jetzigen Form und Größe erhalten, betonte er. Erst wenn der Bürgerentscheid nicht die erforderlichen 301 Pro-Stimmen aufweise, müsse man nach Alternativen suchen. „Bei welcher Größe der Wald noch seine wichtige Biotopverbundfunktion erfüllen kann, müssen dann ökologische Fachleute sagen“, so der promovierte Biologe. Der forstwirtschaftlich wertlose Wald sei als einzige vom Moos bis in die Berge reichende Achse weit und breit für die Artenvielfalt extrem wichtig. „In ganz Deutschland gibt es Förderprogramme, um solche Achsen zu erschaffen, und wir würden unsere funktionierende zerstören“, mahnte Allgäuer.

„Wir sind nicht generell gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets“, betonte Mitinitiator Hans Schweiger, nur müsse ein anderer Standort gefunden werden, selbst wenn das nicht einfach sei. Wenn der Wald jetzt falle, sei das ein Eingeständnis, dass es keine anderen Flächen gebe, ergänzte Claudia Wenzl. „Das jetzige Gewerbegebiet hat gerade mal 20 Jahre gereicht, das neue würde vermutlich auch nur eine Generation lang ausreichen“, gab sie zu bedenken.

Die notwendige Erweiterung an betrieblichen Flächen zeige den großen Erfolg des Gewerbes in Benediktbeuern, befand Kiefersauer. Zudem wisse man nicht, wie sich bis dahin die Gesetzeslage verändere. Das Anbindungsgebot habe sich schon gelockert, führte er als Beispiel an. Auch mit dem pauschalen Wort „Flächenfraß“ habe er seine Probleme. „Offenbar gibt es guten Flächenfraß, wenn es um Einheimischenmodelle geht, und schlechten Flächenfraß, wenn es das Gewerbegebiet betrifft“, kritisierte er. „Es ist ein Unterschied, ob ich in der Siedlung abholze oder ob wertvoller Wald dem zum Opfer fällt“, hielt Allgäuer dagegen. Ab einer bestimmten Größe kippe das System, weil es etwa keine Feinde von Schädlingen mehr gebe.

„Ganz egal, wie es ausgeht, dem muss man sich unterordnen“, schloss Kiefersauer und wünschte sich weiterhin einen fairen Umgang miteinander. Im November wird er vor dem Gemeinderat bekannt geben, ob das Bürgerbegehren zulässig ist. Kommt es zu einem Bürgerentscheid, hofft Kiefersauer auf eine hohe Wahlbeteiligung von „60 bis 70 Prozent“. Darin liegt wohl auch die Hoffnung, dass darunter mehr Gegenstimmen sein werden, als die knapp 17 Prozent Befürworter, die schon in der Liste ihre Unterschrift geleistet haben. cw

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