Wartende Seepferdchen

Schwimmverein Benediktbeuern nimmt Prüfungen im Alpenwarmbad ab

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Wollen Seepferdchen und Seeräuber loswerden: Nicole Öttl (links) und Rodja Alexander Maier (rechts) vom TSV Benediktbeuern-Bichl, Abteilung Schwimmen, freuen sich über jedes Kind, das sicher schwimmen kann.

Benediktbeuern – Die Zahl der Nichtschwimmer war schon vor den Coronabeschränkungen besorgniserregend hoch – doch die Pandemie bremste Vereine, Schwimmlehrer und Bäder aus. Mittlerweile haben die meisten Einrichtungen wieder geöffnet, dennoch finden Schwimmkurse aufgrund der strengen Hygieneauflagen kaum statt. Und das angesichts der Tatsache, dass Ertrinken zu den häufigsten Todesursachen im Kindesalter zählt. Doch es gibt auch Lichtblicke. Der Benediktbeurer Schwimmverein hat nun Kindern von auswärtigen Badegästen den Erwerb von Schwimmabzeichen ermöglicht.

Endlich ist die Badesaison in vollem Gange, doch viele Kinder sind auf ihrem Weg, schwimmen zu lernen, jäh ausgebremst worden. Die Schwimmverbände Baden-Württembergs jedenfalls rechnen für dieses Jahr mit einem dramatischen Rückgang absolvierter Schwimmabzeichen. Corona legte das Kursangebot der 300 Vereine im Land lahm. Waren es im vergangenen Jahr noch über 25.000 vergebene See­pferdchen und Schwimmabzeichen, so erwarten die Landesverbände in diesem Jahr einen Rückgang um bis zu 80 Prozent. 

Da kommt das Angebot des Benediktbeurer Schwimmvereins einem Lichtstreif am Horizont gleich. 24 Kinder erwarben vergangene Woche Dank der Initiative besonders engagierter Trainer ihr Schwimmabzeichen. „Das Angebot, Schwimmprüfungen in den Sommerferien zu absolvieren, gibt es schon lange“, erklärt Rodja Alexander Maier, Trainer im TSV Benediktbeuern, Abteilung Schwimmen. Allerdings seien mit diesem Termin in der Vergangenheit eher die Kinder des Vereins angesprochen worden.

Von ihnen hatten sich für den vergangenen Samstag nur vier angemeldet. Das Gros der Prüflinge stammte von auswärtigen Badbesuchern. „Viele Eltern mit Kindern haben einfach beobachtet, was wir machen und uns gefragt, ob ihr Kind auch eine Prüfung absolvieren darf“, erzählt Maier. Im Laufe des Vormittags nahmen er und seine Kollegin Nicole Öttl sieben Seepferdchen, sieben Seeräuber, siebenmal Bronze und dreimal Silber ab. 

Maier ist zufrieden mit dem Ergebnis, doch nicht ohne Bedenken: „Waren es schon vor Corona viel zu viele Kinder, die nicht schwimmen können, mache ich mir dieses Jahr besonders große Sorgen“, so der dreifache Vater. „Kinder, die gerade mal das Seepferdchen erworben hatten, sind jetzt wieder zurückgefallen.“ Wie beim Führerschein gilt auch beim Schwimmen: „Üben, üben, üben.“ Maier geht noch einen Schritt weiter. „Aus Angst, Kinder könnten sich im Wasser mit dem Coronavirus anstecken oder es übertragen, hat man ihnen das Schwimmenlernen verwehrt.“ Zu dem Preis, Gefahr zu laufen, dass viele von ihnen diesen Sommer an Badeseen oder in Schwimm- und Freibädern auf ihren Schutzengel – und ein waches Auge von Rettungsschwimmern und Bademeistern – vertrauen müssen. 

Sven-Holger Arndt, Schwimmlehrer aus Kochel am See, nimmt die Eltern noch mehr als sonst in die Pflicht: „Es würde schon helfen, wenn Eltern ihren Kindern häufiger den Schwimmbadbesuch ermöglichten und sie beim Schwimmenlernen unterstützten.“ Dazu gehöre, selber mit ins Wasser zu gehen und nicht nur ihre Kinder planschen zu lassen. 

Waren Schwimmkurse in den vergangenen Jahren heiß begehrt, konnte sich dieses Jahr nicht einmal der Schwimmverein des TSV Benediktbeuern-Bichl dazu durchringen, das Training wieder aufzunehmen. Sie fühlen sich von den Hygieneauflagen des Schwimmverbandes ausgebremst: „Beispielsweise gibt er vor, dass wir von Kindern, die noch nicht unter Wasser ausatmen können, drei Meter Abstand zu halten haben“, erklärt Maier. Das seien 80 Prozent der Kinder. „Wie soll das gehen?“ Kindern das Schwimmen beizubringen bedeute, auch mal hinzulangen. Letztlich könne man es sich nicht leisten, eine Anzeige zu kassieren, sollten Kontrollen durchgeführt werden. „Das Risiko, vielleicht doch eine Regel verletzt zu haben und dafür bestraft zu werden, war uns zu hoch“, fügt der Trainer ernüchtert hinzu. 

Wenigstens gibt es einen zweiten Termin für die Abnahme von Schwimm­abzeichen, und zwar am Samstag, 15. August, von 10 bis 13.30 Uhr im Alpenwarmbad. Eltern können ihre Kinder auf der Webseite des Schwimmverbands www.tsvbb.com/schwimmen.html anmelden. Auch Spontanbesucher sind willkommen. Vorrang haben jedoch die Kinder, die bereits vorab angemeldet wurden. Jedes Abzeichen kostet fünf Euro. Wer bereits einen Schwimmpass besitzt, sollte diesen mitbringen. sg

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