Übrig bleibt nur der Geldautomat

VR-Bank Werdenfels schließt sechs Filialen, darunter auch jene in Kochel und Großweil

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Bleibt endgültig dicht: Die Filiale der VR-Bank Werdenfels in Kochel.

Kochel – Wer als Kunde der VR-Bank sehnlichst auf die Wiedereröffnung der coronabedingt geschlossenen Filiale gewartet hat, schaut in Kochel nun in die Röhre. Die Türen werden sich hier und in insgesamt sechs der 18 Geschäftsstellen, darunter auch jene in Großweil, nicht wieder öffnen. Das Bankhaus begründet den Schritt mit wirtschaftlichen Zwängen und der Sicherung der Zukunftsfähigkeit. Auf großes Verständnis bei ihren Kunden kann allerdings gerade die VR-Bank nicht hoffen, repräsentieren ihre historischen Wurzeln als genossenschaftliche Raiffeisenbank doch gerade den Kleinsparer auf dem Dorf.

Die Entscheidung von Vorstand und Aufsichtsrat sei „ein gravierender, schmerzhafter, aber notwendiger Schritt für die Zukunft unserer Bank“, teilt die VR-Bank mit. In Großweil, Kochel, Obersöchering, Ohlstadt, Pähl und Wessobrunn werde der Schalterbetrieb nicht wieder geöffnet, stattdessen sehe ein vom Aufsichtsrat einstimmig abgesegnetes Zukunftskonzept „den vermehrten Ausbau der Telefonservicebank und die Investition in die Qualität der persönlichen Beratung“ vor. 

Der Vorstandsvorsitzende Walter Beller begründete die Entscheidung mit dem schwierigen Marktumfeld in Folge der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und der weiteren Verschärfung durch die Corona-Krise. „Es wäre gegenüber unseren Mitgliedern nicht redlich gewesen, diese Entscheidung weiter aufzuschieben“, betonte Beller. Die VR-Bank Werdenfels bleibe aber in der Region verwurzelt und beschäftige zudem alle Mitarbeiter weiter. Der Fokus liegt nun aber auf digitalen Angeboten und Telefon-Banking. „Etwa 80 Prozent der Aufträge unserer Kunden am Serviceschalter können heute per Telefon bequem erledigt werden“, weiß Vorstandsmitglied Martin Sperl. Die Online-Filiale wiederum sei bereits heute diejenige mit dem höchsten Kundenaufkommen. Kochel hingegen gehört zu den sechs Standorten mit der geringsten Kundenfrequenz. 

Solcherlei bankinterne Analysen interessieren die Sparer freilich wenig. „Ich bin entsetzt“, konstatiert eine Kochlerin, die eben ihr Urlaubskonto auflösen wollte, bevor die Filiale zum nächsten Ersten schließe. „Aber die haben ja schon zu“, meint sie kopfschüttelnd. Sie ärgere sich, dass alle Banken zumachten, stellt die Dame fest, die nach dem Weggang der Hypo-Vereinsbank zur VR-Bank wechselte und nun erneut ohne Filiale am Wohnort dasteht. Und während Vorstandsmitglied Sperl auf die „höchsten Zuwachsraten beim Online-Banking in der Altersgruppe ab 60 Jahren“ verweist, stellt die 74-Jährige trocken fest: „Ich habe es nicht so mit Computern.“ Sie sei einfach nur traurig meint sie und verlässt den Platz. Ein Schlehdorfer Kunde gibt sich hingegen kämpferisch und hofft auf eine außerordentliche Mitgliederversammlung, da die Filialschließung für ihn „total der Raiff­eisen-Idee widerspreche“. 

Diese Hoffnung ist aber vergebens. „Die Entscheidung ist unumkehrbar“, stellt Michael Schuldes aus dem Vorstandsstab fest. „Wir bleiben ja draußen in der Fläche“, betont der Prokurist, und im Vergleich zu anderen Bankhäusern wie Hypo, Deutsche Bank und Commerzbank sei man „noch sehr nah am Kunden“. Geldautomaten blieben ohnehin an allen Standorten erhalten, versichert Schuldes. Für eine persönliche Beratung muss künftig die nächstgelegene Geschäftsstelle aufgesucht werden, für Kochel ist dies Benediktbeuern, die Großweiler werden wohl Murnau ansteuern. Im Bedarfsfall seien aber auch Hausbesuche möglich. cw

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