Erst Umbau, dann Neubau

Mit einem Jahr Verspätung kann das Seniorenzentrum an der Gartenstraße saniert und erweitert werden

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Während im „alten“ Neubau die Zimmer modernisiert und barrierefrei gestaltet werden, soll in einem letzten Schritt der Pflegebetrieb im Pfründner-Heim komplett eingestellt werden. Stattdessen will man dort Personalwohnungen errichten.

Penzberg – Jetzt muss es ziemlich schnell gehen. Seit klar ist, dass sich die Novita-Stiftung am 30. September aus dem Seniorenzentrum an der Gartenstraße zurückzieht und aus Penzberg verabschiedet, steht die Thomas-Wimmer-Stiftung (TWS) als Eigentümerin des Gebäudes unter Zeitdruck.

Bis Ende 2022 müssen in der Einrichtung erhebliche Verbesserungen für die Bewohner realisiert sein, sonst verfügt die Heimaufsicht des Landratsamtes die Schließung. Doch Jürgen Salzhuber, der Vorstandsvorsitzende der TWS, ist zuversichtlich, dass der in einem ersten Schritt geplante Umbau bis dahin längst abgeschlossen sein wird. Salzhubers Optimismus erscheint nicht unangebracht, denn bei der TWS liegen die fertigen Umbaupläne seit einem Jahr in der Schublade. Der Dauerstreit mit der Novita aber hat den Beginn der Arbeiten um ein Jahr verzögert. „Das ist zwar ärgerlich“, so Salzhuber, „aber wir kriegen das schon hin.“ Probleme, die Forderungen der Heimaufsicht nicht rechtzeitig erfüllen zu können, erwartet auch Karl Sorge nicht. Der Münchner Architekt arbeitet schon seit zwei Jahrzehnten für die TWS, er kennt deren Bedürfnisse und er weiß, wie man ein Seniorenheim saniert, das nicht leer steht, sondern in dem nach wie vor betagte Menschen leben. 

In Angriff genommen werden sollen zunächst, und das möglichst rasch, die etwa 60 Zimmer im „alten“ Neubau. „Die Räume sind alle gleich konzipiert, das ist sehr gut, wenn man mit System bauen will“, freut sich Sorge über die gute architektonische Ausgangslage. Bisher handelt es sich bei den Räumen um Doppelzimmer mit einer Größe von etwa 20 Quadratmetern, aus denen künftig komfortable Einzelzimmer werden sollen. Die bisher viel zu geringe Zahl an Einzelzimmern ist einer der gewichtigsten Kritikpunkte, welche die Heimaufsicht vorgebracht hat. Nach und nach sollen die Wohneinheiten umgebaut werden, das betrifft zum einen den Eingangsbereich, zum anderen Dusche und WC. Der neue Sanitärbereich soll aus sechs Fertigteilen zusammengesetzt werden. Außerdem werden die Schwellen an den Balkontüren entfernt, so dass künftig auch ältere Herrschaften, die im Rollstuhl sitzen, problemlos an die frische Luft gelangen. 

Peu à peu will Architekt Sorge dann die einzelnen Bereiche abarbeiten. Damit die Bewohner von den Umbaumaßnahmen möglichst wenig mitbekommen, werden die betroffenen Räumlichkeiten mit Staubschutzwänden abgedichtet, die Handwerker gelangen über ein Gerüst von außen zu ihrem Arbeitsplatz. Am Ende werden es „um die 100 Betten sein“, schätzt Hans Kopp, Geschäftsführer der AWO-München, die nach einem Jahr des Wartens nun am 1. Oktober die Nachfolge der Novita als Betreiber des Seniorenzentrums antreten darf. Der Anteil der Einzelzimmer soll sich nach dem Umbau auf rund 75 Prozent belaufen, beim Rest handelt es sich um Doppelzimmer. Und damit jene Bewohner, deren Zimmer vom Umbau betroffen sind, innerhalb des Hauses ein Ausweichquartier haben, werden nun keine Neuaufnahmen mehr getätigt. „So können wir jedem Bewohner eine Alternative anbieten“, sagt Salzhuber. Architekt Sorge rechnet dabei mit einem finanziellen Aufwand von rund 45.000 Euro pro Wohneinheit. Dass ein Umbau und zeitgleich die Weiterführung eines Pflegeheims möglich ist, daran zweifelt AWO-Geschäftsführer Hans Kopp nicht. Man müsse nur „gut kommunizieren mit den Bewohnern und deren Angehörigen“, meint er. 

Darüber hinaus ist auch ein Neubau im Südwesten des Areals geplant. Er dockt dabei an das Pfründner-Haus an und werde gegenüber dem denkmalgeschützten Gebäude „bescheiden ausfallen“, wie Architekt Sorge betont. Er plant dort ein zweistöckiges Gebäude für zwei Stationen im Pflegebereich mit 15 Zimmern. Über unter- und oberirdische Verbindungen soll dann dieser Bereich vom Hauptgebäude aus erreichbar sein. Das neue Gebäude könnte nach Ansicht von Sorge innerhalb von neun Monaten „reiner Bauzeit“ realisiert werden. 3 bis 3,5 Millionen Euro dürfte diese bauliche Maßnahme kosten, schätzt der Architekt. In dem Neubau könnten, so TWS-Chef Salzhuber, auch eine Tagespflege und eine Kinderkrippe mit zwei Gruppen integriert werden. Wegen der Tagespflege will er nun schnell Gespräche mit der Stadt führen, wobei ihm Bürgermeisterin Elke Zehetner schon signalisiert hat: „Der Bedarf ist auf jeden Fall da.“ Entscheidend wird hier sei, ob sich die Stadt und die TWS bezüglich der Kosten einigen, denn Salzhuber hat schon einmal erklärt: „Eine Tagespflege ist nicht billig.“ Schließlich müsse man das Personal komplett vorhalten, auch wenn nicht alle Plätze an jedem Tag belegt sein. Ganz angetan ist Salzhuber von seiner Idee mit der Kinderkrippe: „Da haben wir in München sehr gute Erfahrungen gemacht.“ Er will in diesem Zusammenhang auch Gespräche mit Roche führen und eruieren, ob dort Interesse besteht, den Mitarbeitern über das Spatzennest hinaus noch eine zweite Einrichtung für die Kinderbetreuung anzubieten.

In einem letzten Schritt soll dann noch das unter Denkmalschutz stehende Pfründner-Heim auf dem Gelände in ein Wohnheim für Pflegepersonal umgebaut werden. Derzeit sind die 30 Zimmer noch komplett mit Senioren belegt, die erst dann ausziehen, wenn der Neubau abgeschlossen ist. Bürgermeisterin Elke Zehetner jedenfalls ist von der Vorstellung, dass dort dann Pflegekräfte einziehen, ganz begeistert. „Mit rund 25 Quadratmetern und einem eigenen Bad sind die Räume für eine Person ausreichend groß“, sagt sie. Auch eine Küchenzeile lasse sich dort problemlos installieren. „Da bei uns der Bedarf an günstigem Wohnraum sehr groß ist, glaube ich, dass diese Appartements ruckzuck belegt wären“, betont Zehetner. Dabei denkt sie nicht nur an die Mitarbeiter des Seniorenzentrums, sondern auch an jene, die im Steigenberger Hof oder im Krankenhaus arbeiten. Ob im Zuge dieser geplanten Umnutzung dann auch die Bäder saniert oder erneuert werden, ist noch offen. la

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