Nicht näher zum Nachbarn

Sindelsdorf: Gemeinderat weicht von Abstandsflächenrecht ab

Distanz im Dämmerlicht: Sindelsdorfs Gemeinderäte wahrten nicht nur Abstand, sie sprachen auch über diesen bei der neuen Bauordnung.
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Distanz im Dämmerlicht: Sindelsdorfs Gemeinderäte wahrten nicht nur Abstand, sie sprachen auch über diesen bei der neuen Bauordnung.

Sindelsdorf – Der Sindelsdorfer Gemeinderat sah keinen Diskussionsbedarf: In der Sitzung ging es um die abweichenden Maße der Abstandsflächentiefe.

Mit 1. Februar trat die neue Bayerische Bauordnung in Kraft. Neben einer neuen Frist für Baugenehmigungen sowie veränderten Regelungen in den Bereichen Bauen mit Holz und Stellplatzpflicht sollen die Abstandsflächen für Neubauten neue Mindestmaße erhalten. Was das vereinfachte Abstandsflächenrecht anbelangt, so soll die Abstandsfläche auf 40 Prozent der Höhe der Wand reduziert werden, bei Gewerbebauten sogar auf 20 Prozent, wenngleich es einen Mindestabstand von drei Metern einzuhalten gilt. Gemeinden können jedoch, und davon macht nun Sindelsdorf Gebrauch, größere Abstandsflächen in ihrer Satzung festlegen.

Weshalb sich die Gemeinde gegen eine Abstandsminimierung zum Flächensparen ausspricht, erläuterte Bürgermeister Andreas Obermaier (CSU). „Die Wohnqualität ist im Gemeindegebiet in vielen Bereichen durch größere Abstände zwischen den Gebäuden geprägt“, sagte der Rathauschef. Er ergänzte, dass es in Sindelsdorf Wohnformen zu finden gibt, die es in dichter bebauten Orten und Städten gar nicht mehr oder nur noch selten zu sehen gibt. Und auch wenn sich Nachbarschaft gerade durch den Aspekt der Nähe auszeichnet, so betont Obermaier doch, dass in Sindelsdorf „das Wohnen durch Abstand zu Nachbarn geprägt ist“.

Soll heißen: Die freien Areale rund um die Häuser bilden einen wesentlichen Bestandteil der Wohnqualität im Dorf. Mit einer Satzung über abweichende Maße der Abstandsflächentiefe soll besagte Wohnqualität „erhalten und gegebenenfalls im Rahmen der Neubebauung von Grundstücken verbessert“ werden, so der Bürgermeister. „Die Gemeinde möchte für ihr Gemeindegebiet höhere Standards als vom Gesetzgeber vorgesehen festlegen.“

Maschinen, Gerätschaften, Spielzeuge, Fahrräder und Fahrzeuge

Doch nicht allein die nachbarschaftliche Distanz trägt zur Wohnqualität in Sindelsdorf bei. „Auch werden über größere Abstandsflächen notwendige Flächen für Nebenanlagen gesichert“, betont Obermaier mit Blick auf Unterbringungsmöglichkeiten für Maschinen, Gerätschaften, Spielzeuge, Fahrräder und Fahrzeuge. Und ganz nebenbei tragen größere Abstandflächen auch zu einer „Verbesserung von Belichtung, Belüftung und Besonnung der Baugrundstücke sowie zu einer Verbesserung des Brandschutzes“ bei, führte Obermaier aus.

Der Gemeinde sei sich laut dem Rathauschef durchaus bewusst, welchen Zweck der Gesetzgeber mit der Verkürzung der Abstandsflächen verfolgt, nämlich eine „Innenverdichtung und Verringerung der neuen Inanspruchnahme der Flächen“, sagte der Bürgermeister. Doch Obermaier betonte: „Die Gemeinde hält die Erhaltung und Verbesserung der Wohnqualität in ihrem Gemeindegebiet für vorrangig.“ Immerhin gebe es da ja noch andere Möglichkeiten, eine dichtere Besiedlung zu erwirken, „etwa durch höhere Gebäude“.

Es bleibt beim Alten

Am Ende kam Obermaier zu dem Schluss. „Wir bleiben bei den üblichen Abstandsflächen – wie wir sie im Ort so haben.“ Dabei lässt Sindelsdorfs Bürgermeister jedoch nicht unerwähnt, dass „wohnbauliche Verdichtung natürlich ein großer Tenor ist“ und größere Abstandflächen sicherlich auch ein paar Nachteile mit sich bringen, etwa was die bauliche Ausnutzbarkeit von Grundstücken anbelangt. Nichtsdestotrotz soll die nun abweichende Untergrenze des Gebäudeabstandes im gesamten Gemeindegebiet von Sindelsdorf, und damit auch in allen Ortsteilen, gelten. Antonia Reindl

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