Hörmann Automotive Penzberg: Verlust von über 500 Arbeitsplätzen befürchtet

Mitarbeiter fordern Bekenntnis

Klare Forderungen: Daniela Fischer von der IG Metall mit den Betriebsräten Thomas Nachtmann, Ulf Wiedemann, Bayram Yerli und Sylvia Greif (von links).

Penzberg/Paterzell – Über 650 Mitarbeiter, eine Zahl die zu schrumpfen droht - oder anders gesagt: die geschrumpft zu werden droht. Dort, wo Komponenten und Systeme aus Metall entwickelt und gefertigt werden, fürchten sich Arbeitnehmer vor dem Verlust ihrer Stelle.

Die Lage ist ernst: Der Standort von Hörmann Automotive Penzberg (HAP) ist massiv bedroht. Ein großer Stellenabbau und der Verlust vieler Arbeitsplätze stehen im Raum. Bei einem Hintergrundgespräch im Gasthof „Zum Eibenwald“ in Paterzell erklärten nun IG Metall und der Betriebsrat, warum Protestkundgebungen dazu führen sollen, dass der Standort an der Seeshaupter Straße gestärkt wird. 

Sowohl aus den Äußerungen von Daniela Fischer, der 1. Bevollmächtigten der IG Metall Weilheim, als auch aus denen der Penzberger Betriebsräte war vor allem das zu spüren: Verbitterung sowie das Gefühl vom Arbeitgeber und vom Gesellschafter hingehalten und im Stich gelassen worden zu sein. „Hörmann will die Leute beschwichtigen. Aber ein Großteil der Arbeitsplätze geht verloren, wenn nicht investiert wird“, sagt Thomas Nachtmann, der Betriebsratsvorsitzende des Automobilzulieferers. 

Investitionen sind eine zentrale Forderung der Gewerkschaft und des Betriebsrats. Seit gut zwölf Jahren verzichten die HAP-Mitarbeiter im Rahmen eines Ergänzungstarifvertrags auf Lohnerhöhungen, bekommen statt Urlaubs- und Weihnachtsgeld nur eine Pauschale. Zudem arbeiten sie 38 Stunden, bekommen aber nur den Lohn für 35 Stunden ausbezahlt. So seien in den vergangenen zwölf Jahren rund 30 Millionen Euro an Arbeitnehmerbeiträgen zusammengekommen, erklärt Daniela Fischer. Im Gegenzug habe es vom Arbeitgeber seit 2008 immer wieder „klare Investitionszusagen“ gegeben. Investiert worden seien in Penzberg in den vergangenen drei Jahren aber lediglich rund 20 Millionen Euro. Die dringend notwendige Keultransferpresse und die Lackieranlage wurden aber nicht gekauft. „Die Beschäftigten haben auf deutlich mehr Geld verzichtet, als dass in den Betrieb investiert worden ist“, verdeutlicht Daniela Fischer. 

Bei einer Protestkundgebung vor der Konzernzentrale von Hörmann Automotive in Kirchseeon forderten die Mitarbeiter am Mittwoch ein klares Bekenntnis zum Standort Penz­berg durch den Gesellschafter sowie ein tragfähiges Konzept. „Es muss investiert werden, um den Standort nicht fallen zu lassen“, fordert Thomas Nachtmann. Darüber hinaus sollen weitere Verlagerungen in das neue Hörmann-Werk im slowakischen Bánovce ausbleiben. 

Ein düsteres Zukunftsszenario steht den Mitarbeitern bevor, wenn neben der Rohrfertigung auch die Grobblechfertigung, das zweite Standbein von HAP, wegfällt. Im Zeitraum von zwei Jahren könnte dann die Stammbelegschaft von derzeit 660 Mitarbeiter auf 150 schrumpfen, befürchtet Nachtmann. „Wir wollen ein Konzept sehen, dass für 400 bis 500 Leute Arbeit findet. Investitionen, nicht Personalabbau“, fordert der Betriebsratsvorsitzende. 

Kritisiert wird zudem, dass es bislang zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat zu keinem Interessenausgleich kam. „Der Arbeitgeber will die Karten nicht auf den Tisch legen“, vermutet Nachtmann. Vielmehr habe die Arbeitgeberseite auf eine rechtliche Einigung gepocht. Geht der Arbeitgeber nicht auf die Forderungen von Betriebsrat und IG Metall ein, hat das laut Daniela Fischer drastische Folgen: Der Ergänzungstarifvertrag falle dann weg, der Flächentarifvertrag sei wieder maßgeblich. „HAP zahlt dann 5,2 Millionen mehr“, rechnet Fischer vor. Und das bedeutet: Die HAP-Mitarbeiter bekommen drei Lohnerhöhungen ausbezahlt, erhalten Weihnachts- und Urlaubsgeld und arbeiten nur noch die voll bezahlten 35 Stunden. 

Zum Vorwurf von HAP, Details an die Presse weitergegeben zu haben, sagt Ulf Wiedemann, der stellvertretender Betriebsratsvorsitzende: „Wir haben keinen anderen Ausweg gesehen, als an die Öffentlichkeit zu gehen.“ Schließlich seien zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat keine Gespräche mehr zustande gekommen, zudem lege der Gesellschafter kein tragfähiges Konzept vor. Wiedemann sieht das HAP-Werk nach wie vor mit klaren Wettbewerbsvorteilen gegenüber anderen Standorten, zudem bestehe eine Nähe zum Hauptkunden MAN in München. akr 


Am kommenden Mittwoch, 5. Dezember, ist eine weitere Protestkundgebung der Mitarbeiter in Penzberg geplant. Nach einer Betriebsversammlung im HAP-Werk beginnt die Kundgebung um 15 Uhr am Stadtplatz.

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