Einigung rückt näher

Neuer Vorschlag von Hörmann: Sozialplan für HAP-Mitarbeiter soll abgesichert werden

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Lautstarker Unmut: Die Proteste der Mitarbeiter und eine ganztägige Betriebsversammlung haben Hörmann beim Sozialplan für HAP offenbar zum Einlenken bewogen.

Penzberg – Vielleicht steht der Durchbruch in den Verhandlungen über den Sozialplan für die Mitarbeiter von HAP bevor. Die Hörmann-Gruppe mit Sitz in Kirchseeon hat am Sonntagabend ein neues, verbessertes Angebot vorgelegt, das nun vom Betriebsrat und der IG Metall aufmerksam geprüft wird.

„Das ist zumindest ein Vorschlag, der es wert ist, dass man sich näher mit ihm beschäftigt“, übt sich der Betriebsratsvorsitzende Thomas Nachtmann in Vorsicht. Zu oft wurden die Vertreter der Belegschaft von der Konzernspitze hingehalten, als dass jetzt Begeisterung aufkommen mag. Allerdings geht das neuerliche Angebot erstmals konkret auf die Forderung des Betriebsrates ein, dass die Abfindungen für die Mitarbeiter auch entsprechend abgesichert werden müssen. 

Noch bis zum 30. Juni 2020 wird an der Seeshaupter Straße produziert, dann wird das Werk stillgelegt, über 600 Mitarbeiter verlieren dann ihren Job, wenn sie nicht auf das Angebot von Hörmann eingehen, an einen der anderen Standorte des Konzerns zu wechseln. Doch von Auslösungserscheinungen ist bei HAP im Augenblick nichts zu merken, im Gegenteil: „Wir haben eigentlich eine total schizo­phrene Situation“, sagt Nachtmann. „In einem Jahr wird hier dicht gemacht, jetzt aber brummt der Laden.“ Die Auftragslage ist so hoch, dass bei HAP derzeit wieder drei Schichten gefahren werden. „Wir kommen mit der Arbeit kaum hinterher“, betont der Vorsitzende des Betriebsrates. 

Und so kann vermutet werden, dass die aktuelle Auftragslage mit dazu beigetragen hat, Bewegung in die festgefahrenen Verhandlungen über den Sozialplan zu bringen. Dass Hörmann bereit ist, dafür 20 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, ist bereits seit Mitte April bekannt, offen war bisher aber immer die Frage, wie diese Summe abgesichert wird, damit die HAP-Mitarbeiter am Ende nicht ohne Abfindung auf der Straße stehen. Am vergangenen Donnerstag wurden die Verhandlungen darüber kurz vor Mitternacht ergebnislos abgebrochen. Was folgte, war am Freitag eine Betriebsversammlung, in der Nachtmann und seine Kollegen aus dem Betriebsrat die Belegschaft über den aktuellen Sachstand informierte. „Die Kollegen haben dabei sehr deutlich ihren Unmut über die Konzernspitze zum Ausdruck gebracht“, so Nachtmann. Vor allem habe die Belegschaft zum Ausdruck gebracht, dass sie ohne Entgegenkommen der Konzernspitze bei der Absicherung nicht bereit sei, jene freiwillige Mehrarbeit zu leisten, die unbedingt erforderlich ist, um das aktuelle Auftragsvolumen abzuarbeiten. Und ganz offenbar gab es dabei viel Gesprächsbedarf, denn die Betriebsversammlung zog sich bis 18 Uhr hin. Folge: Einen ganzen Tag lang wurde an der Seeshaupter Straße nicht produziert, „das hat ihnen weh getan“, ist Nachtmann mit Blick auf die Hörmann-Spitze überzeugt. 

Lieferverzögerungen, unzufriedene Kunden und ein negatives Image ist das, was Hörmann Industries derzeit am allerwenigsten gebrauchen kann, denn der Konzern möchte derzeit eine neue Unternehmensanleihe mit einem Umfang von 50 Millionen Euro am internationalen Kapitalmarkt platzieren. Bekanntlich reagieren Anleger sehr sensibel, wenn es um ihr Geld geht. Hinzu kommt aber auch, dass Hörmann mit Blick auf die Anleihe wegen der engen Regelungen des Kapitalmarkts hohe rechtliche Restriktionen zur Gewährung von Sicherungen hat. 

Nun hat man aber offenbar doch einen Weg gefunden, wie die Abfindungen der HAP-Mitarbeiter abgesichert werden können. „Die Finanzierung für die Abfindungen ist nun abgesichert“, teilte der Konzern mit. Und: „Am Wochenende haben sich die Gesellschafter bereit erklärt, durch die Stellung von zusätzlichen Sicherheiten einen weiteren wichtigen Beitrag zur finanziellen Absicherung der Abfindungszahlungen an die Mitarbeiter zu leisten.“ Die Kernelemente dieses als „rechtssicher“ bezeichneten Sicherungskonzepts sind ein Treuhandmodell, eine „harte“ Patro­natserklärung des neuen Gesellschafters FTH Fahrzeugteileholding ­GmbH, eine Finanzierungsvereinbarung mit der Hörmann Automotive GmbH und eine Ausfallbürgschaft durch die Gesellschafter, mit der die Finanzierung abgesichert wird. 

Wie sehr man bei Hörmann an einer raschen Einigung mit dem HAP-Betriebsrat interessiert zu sein scheint, ist daran zu erkennen, dass man sogar bereit wäre, die IG Metall als Treuhänder in diesem Konzept zu akzeptieren. Und eine harte Patronats­erklärung statuiert eine rechtsgeschäftliche Einstandspflicht des Patrons gegenüber dem Adressaten der Erklärung. Mit anderen Worten: sie geht weit über eine Absichtserklärung hinaus und stellt eine Verpflichtung dar, die auch juristisch einklagbar ist. Bei Hörmann ist man der Ansicht, dass damit der Gordische Knoten in den Verhandlungen mit dem Betriebsrat durchschlagen ist. „Wir freuen uns, dass wir nun den Mitarbeitern der HAP einen Sozialplan mit einem sehr hohen Maß an Sicherheit bieten können“, so Michael Radke, der CEO von Hörmann Industries. Und auch die Geschäftsführung von HAP hofft, dass die „weitgehenden Zugeständnisse“ der Hörmann Industries und der Gesellschafter zur Absicherung der Finanzierung des Sozialplans einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt des Betriebsfriedens leisten. „Wir vertrauen auf unsere Mitarbeiter, die trotz der emotional schwierigen Situation und dem drohenden Verlust des Arbeitsplatzes weiterhin ihr Bestes geben, um die Belieferung unserer Kunden aufrecht zu erhalten. Wir bringen dies hier gemeinsam und in einer ordentlichen Weise zu Ende“, betont HAP-Geschäftsführer Peter Vandecruys. 

Ob sich seine Hoffnung erfüllt, kommt jetzt ganz darauf an, zu welchem Urteil der Betriebsrat und die IG Metall bei der Prüfung dieses Sicherheitskonzepts kommen. Das, so Thomas Nachtmann, werde aber noch ein paar Tage dauern, Ende der Woche soll aber Klarheit herrschen. la

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