Strahlen nach dem Höllenlärm

Neubau an der Gustavstraße: Wohnungen an die Mieter übergeben

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Symbolische Schlüsselübergabe an der Gustavstraße: der evangelische Pfarrer Julian Lademann, Markus Kleinen, Andrea Jochner-Weiß, Elke Zehetner und der katholische Stadtpfarrer Bernhard Holz (von links).

Penzberg – Bislang war die Bilanz, der in den vergangenen sechs Jahren in der Stadt neu hinzugekommenen Wohnungen mit bezahlbaren Mieten recht mau: Lange Zeit zeigte die Bilanz eine Null, dann kamen ein paar Wohnungen an der Saalangerstraße dazu, und nun 23 auf einen Streich an der Gustavstraße.

Dass dies zwei Wochen vor der Kommunalwahl geschah, ist allerdings ein Umstand, auf den die für die Errichtung des Mehrfamilienhauses verantwortliche Wohnbau Weilheim GmbH gerne verzichtet hätte, denn erhebliche Probleme im Untergrund verzögerten nicht nur die Fertigstellung, sondern trieben auch die Kosten in die Höhe. 

Für Landrätin Andrea Jochner- Weiß war es genau der richtige Termin an diesem stürmischen Freitag: In der Nacht zuvor hatte Sturmtief „Bianca“ dem Radom in Raisting die Hülle davongeblasen, was die Landrätin sichtlich geknickt wirken ließ, weil sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, ob die Versicherung für diesen stattlichen Schaden aufkommen werde. An Penzbergs Gustavstraße hatte sie sich dann aber schon wieder ein wenig gefangen und sprach angesichts der Übergabe der 23 Wohnungen an die Mieter von einem „schönen Ereignis“ und einem „glücklichen Tag“. Schließlich sei die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum heute einer der großen politischen und gesellschaftlichen Aufgaben. In diesem Zusammenhang erinnerte Jochner-Weiß daran, dass es noch gar nicht so lange her sei, dass man die Wohnbau Weilheim „belächelt und als Auslaufmodell bezeichnet hat“. In Zeiten explodierender Immobilienpreise sei die Gesellschaft aber „nötiger denn je und ein Segen für uns“, so die Landrätin. 

Das moderne, dreigeschoßige Gebäude an der Gustavstraße, das so gar nicht an die Sozialwohnungsbauten aus der Vergangenheit erinnert, verfügt über 23 barrierefreie Wohnungen mit einem bis fünf Zimmern, von denen 20 bereits vermietet sind. Darunter befindet sich im Erdgeschoß auch eine rollstuhlgerechte Wohnung, die aber erst dann vermietet wird, wenn die Gestaltung der Außenanlagen abgeschlossen ist, weil die erforderliche Rampe durch den noch anzulegenden Garten führt. Markus Kleinen, der Geschäftsführer der Wohnbau Weilheim, zeigte sich stolz darüber, dass das Gebäude nicht nur über einen Aufzug und eine Tiefgarage mit 23 Stellplätzen verfügt, sondern auch darüber, dass es draußen einen Spielplatz und drinnen eine Versorgung mit Glasfaserkabel gibt, die jedem Mieter das schnelle Internet in die Stube bringt. 

Kleinens Miene trübte sich beim Blick auf die Kosten allerdings etwas ein: Ursprünglich hatte er mit 5,4 Millionen Euro kalkuliert, jetzt stehen 6,6 Millionen Euro in den Büchern, was aber noch nicht das Ende der Fahnenstange ist: „Es wird wohl noch teurer werden“, schnaufte Kleinen. Den Grund für diese immense Kostensteigerung kann man aber nicht mehr sehen, da hätte man kurz nach Baubeginn im Dezember 2017 an die Gustavstraße kommen müssen. Zum einen gab es erhebliche Probleme mit dem zunächst beauftragten Tiefbauunternehmen, das schließlich in die Wüste geschickt wurde, was dem Bauvorhaben auch eine zeitliche Verzögerung von einem halben Jahr eintrug. Wesentlich gravierender aber gestaltete sich der Untergrund. Während Kleinen etwas neidisch auf das Nachbargrundstück blickt, „wo die außer Sand nichts ausbaggern“, habe man an der Gustavstraße 5 so ziemlich alles gefunden, was Architekten und Statiker den Angstschweiß in den Nacken treibt: hartes und weiches Gestein und zwischendurch immer wieder Kohleflöze aus Bergwerkszeiten. Dies hatte zur Folge, dass insgesamt 120 Bohrpfähle in den Untergrund getrieben werden mussten. Alleine dies verursacht schon einen ziemlichen Krach, da die Bohrer aber viel Seetang nach oben brachten, der erstmal abgeschüttelt werden musste, hat sich der Radau gewissermaßen potenziert. „Es herrschte über vier Monate hinweg ein Höllenlärm“, räumte Markus Kleinen ein. Und Rathaus­chefin Elke Zehetner sah sich während dieser Zeit angesichts der massiven Klagen der Nachbarn „mehr als Hausmeisterin denn als Bürgermeisterin“ gefordert. Über das Endergebnis zeigte sie sich nun aber glücklich und zufrieden, schließlich sei aus dem im September 2016 abgerissenen Gebäude mit vier Wohnungen nun ein Neubau mit 23 Einheiten entstanden. „Das ist ein Paradebeispiel für gelungene Nachverdichtung“, schwärmte Zehetner. 

Ehe der katholische Stadtpfarrer Bernhard Holz und sein evangelischer Amtsbruder Julian Lademann zur Segnung des Gebäudes schritten, schaute Markus Kleinen noch einmal beinahe ungläubig auf seinen Zettel mit den Zahlen: Allein im Untergrund dieses Gebäudes habe man eine Million Euro verbaut, und dass Tiefbau sowie Erdbau genau soviel kosten wie der Rohbau, „ist schon sehr ungewöhnlich“. Gleichwohl habe sich an der Miete von neun Euro pro Quadratmeter nichts geändert. „Aufgrund der Kostensteigerung dauert es nun einfach länger, bis sich dieses Objekt in unserer Bilanz amortisiert hat“, so Kleinen. 

So schön dieser Tag für die Honoratioren und die gerade mit dem Einzug beschäftigten Mieter war, so sehr hat sich im Vorfeld auch Unmut geregt, und zwar von jenen Bewerbern, die keine Berücksichtigung gefunden haben. Wie Kleinen sagte, habe man von der Stadt pro Wohnung ungefähr die doppelte Anzahl an potenziellen Mietern genannt bekommen. Dass nun eine unzufriedene Hälfte zurückbleibt, sei ihm durchaus bewusst. „Uns ist es wichtig, dass wir hier eine harmonische Hausgemeinschaft haben. Und deshalb erfolgte unsere Auswahl der Mieter alleine unter diesem Gesichtspunkt“, erklärte Kleinen. la

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