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Open-Air-Kino vor Fröhlichs Wirtshaus: Elf Filmabende für den guten Zweck

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Soll schon bald Farbe bekommen: Die Leinwand haben Dominik Steingruber (links) und Benjamin Fröhlich bereits zusammengebaut. An elf Kinoabenden soll das Dorf wieder zusammenrücken, mit ausreichend Abstand versteht sich.

Großweil – Das Holzgestell ist bereits zusammengeschraubt und auch die Leinwand ist montiert. Am kommenden Samstag versteckt sich der Eingang zu Fröhlichs Wirtshaus in Großweil hinter einer großen weißen Fläche, über die Bilder laufen sollen, die den Menschen wenige Stunden lang Abwechslung und Vergnügen verschaffen. Wirt Benjamin Fröhlich hat sich mit Dominik Steingruber von Oberland Eventtechnik zusammengetan, um seinen Biergarten an elf Sommerabenden in ein Oper-Air-Kino zu verwandeln. Kein leichtes Unterfangen, wie die beiden feststellen mussten.

Es ist schon komisch, sich vor eine Leinwand zu setzen und nicht zu wissen, welchen Film man denn nun eigentlich anschaut. Doch so könnte es den Besuchern des Großweiler Open-Air-Kinos bald ergehen. Denn aus rechtlichen Gründen dürfen Fröhlich und Steingruber nicht verraten, welche Filme wann gezeigt werden. „Wir dürfen die Titel nur auf Nachfrage weitergeben“, bedauert Steingruber. 

Dass die Filmtitel nicht genannt werden dürfen, das wusste der Geschäftsführer von Oberland Eventtechnik bis vor kurzem nicht. „Wir haben im Rahmen einer nichtgewerblichen Filmvorführung fälschlicherweise öffentlich mit Titeln geworben“, so Steingruber, der auf einem der Stühle sitzt, die schon bald zu Kinosesseln werden. Das sei nicht zulässig, was er und Fröhlich auf die harte Tour erfahren mussten. „Ein regionaler Kinobesitzer, der aktuell ein ähnliches Projekt in der Region durchführt, hat uns leider bei den Filmverleihern angezeigt“, sagt der Geschäftsführer des Ohlstädter Unternehmens, der im selben Zuge betont, dass „wir in keinster Weise im Sinn haben, regionale Unternehmen zu schwächen oder mit ihnen zu konkurrieren. Im Gegenteil, auch wir haben es in der aktuellen Zeit sehr schwer“. 

Obgleich die Programm­gestaltung sehr kompliziert und nervenaufreibend war, halten die beiden Männer an ihrem Plan fest, bei dem kein Cent für sie herausspringt: An elf Abenden werden im Biergarten mitten in Großweil Filme gezeigt, kostenlos. „Der Eintritt beruht auf Spendenbasis“, lächelt Fröhlich, der gleichwohl hofft, dass die Kinobesucher fleißig die Börsen öffnen, immerhin soll das Geld an den Mukoviszidose Förderverein Oberland gehen. Dass dabei viel rumkommt, ist dem Wirt ein persönliches Anliegen: „Mein Sohn hat Mukoviszidose“, sagt Fröhlich leise. Wie schwer es Betroffene gerade in dieser Zeit haben, kann sich Steingruber gut vorstellen, „sie bekommen ohnehin schon kaum Luft, und nun, mit der Mundschutzmaske...“, sagt er, ohne den Gedanken laut zu vollenden. Fröhlich nickt, er sitzt wenige Meter von Steingruber entfernt und schaut auf den Eingang zu seinem Wirtshaus. Dort soll am Samstag die große Leinwand stehen, welche die beiden bereits mit tatkräftiger Unterstützung konstruiert haben. 80 Besucher dürfen sie pro Kinoabend empfangen, elf Events sind geplant, darunter zwei Seniorenabende mit Nostalgiefilmen, die „aber nicht kitschig sind“, so Fröhlich, und bei denen er sich freuen würde, wenn die Besucher in dazu passender Kleidung kämen. An einem weiteren Abend wird der Film über den Loisachwurm gezeigt, wozu alle involvierten Vereine und Faschingsbegeisterten eingeladen sind. Eine Vorstellung widmet sich dem Thema Heimat, eine der Komödien dem Kampf der Geschlechter, und eine weitere Vorstellung wird mit viel Tamtam zu einer wahren Show, wenn Steingruber mit reichlich Lichteffekten zeigt, was er technisch alles drauf hat. 

Alle Streifen seien mit Bedacht ausgewählt worden und hätten stets auf irgendeine Art und Weise einen regionalen Bezug, betont der Wirt, der alles daran setzt, die Besucher so zu positionieren, dass das Kinovergnügen mit den geltenden Corona-Vorschriften konform geht. Ein Besenstiel, genau eineinhalb Meter lang, lehnt am Gartenzaun. Mit dem misst Fröhlich die Abstände ab, ehe er Tische und Stühle aufstellt. Pro Tisch darf nur ein Haushalt Platz finden, und das nicht spontan, sondern vorab mit Reservierung bei Dominik Steingruber. Bewirtet wird auch, höchstwahrscheinlich aber mit Selbstbedienung, meint Fröhlich, der bereits an kinotypischen Snacks wie Chips und Popcorn arbeitet. Und auch Eis soll es geben, keine üble Idee an trockenen lauen Sommerabenden. Hoffentlich trockenen, denn wenn es regnet werden die Stühle zusammengeklappt und die Leinwand eingerollt. „Dann muss die Vorführung abgesagt werden“, sagt Fröhlich. „Beziehungsweise verschoben“, ergänzt Steingruber. Denn nach drinnen ins Wirtshaus könne das cineastische Spektakel nicht verlegt werden, „da haben wir zu wenig Kapazitäten“, meint der Wirt mit Blick auf die Corona-Bestimmungen, denen zum Trotz Fröhlich das Dorf wieder zusammenbringen möchte, wenn auch nicht so nah, wie er es in seinem Biergarten gewohnt ist. ra 

Wer Plätze für einen Kinoabend reservieren und sich über das Filmprogramm informieren möchte, der kann sich an Dominik Steingruber wenden, am besten per WhatsApp (08841/6285478) oder Facebook (Oberland Eventtechnik).

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