Sturz ins Chaos steht bevor

Voll- und Teilsperrung der B2: In Kochel fürchtet man den Verkehrskollaps

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Drohendes Szenario: Wenn die B2 gesperrt ist und Thomas Holz Recht behält, wird dies in Kochel der Alltag sein.

Kochel – Thomas Holz ist sich manchmal selbst ein Rätsel. „Ob ich einigermaßen ruhig bleiben kann oder gleich herausplatze, weiß ich noch nicht“, sagte Kochels Bürgermeister am Dienstagabend gegen Ende der Gemeinderatssitzung. Holz entschied sich für Contenance, die er dann wieder fahren ließ.

Die im Herbst wegen Felssicherungsarbeiten drohende Voll- und Teilsperrung der B2 vom Ende der Garmischer Autobahn bis nach Oberau treibt Holz schon seit Wochen die Zornesröte ins Gesicht. Er befürchtet, dass vor allem jene, die nach Mittenwald, Innsbruck oder in Richtung Brenner wollen, sich dann durch Kochel und hinauf zum Walchensee quälen und seine Gemeinde deshalb im Verkehrs­chaos versinken wird. 

Dabei hat das Staatliche Bauamt in Weilheim, das für die Sperrung der B2 und die Felssicherung verantwortlich zeichnet, auf Druck aus Garmisch-Partenkirchen ohnehin schon reagiert. Die für Mitte September geplante Vollsperrung wurde nun auf die Zeit von 8. bis 12. Oktober verschoben. Was die Geschäftsleute unter der Zugspitze freut, weil für sie die Umsatzeinbußen nicht ganz so arg ausfallen, ist für Holz „der erste Hammer“. Der letzte Tag der Vollsperrung ist nämlich ein Samstag, und samstags ist im Herbst an Kochel- und Walchensee ohnehin stets die Hölle los. Was Holz aber noch mehr verärgert, ist die darauf folgende halbseitige Sperrung der B2 von 12. Oktober bis 6. Dezember. War zunächst angedacht, dass diese halbseitige Sperrung an den Wochenenden aufgehoben wird, so soll sie nun auch am Samstag und Sonntag bestehen. „Das geht gar nicht. Da werde ich massiv in die Eisen steigen“, polterte Holz. 

Wenn jetzt schon Flixbusse die Kesselbergstraße als Ausweichroute benutzen, wenn auf Google Maps ein Stau in Garmisch angezeigt werde, dann mag sich Holz gar nicht ausmalen, wie das erst sein wird, wenn es in Eschenlohe nicht mehr weitergeht. Er habe zwar Verständnis für die Felssicherung entlang der B2, „aber es kann nicht sein, dass man uns dafür sehenden Auges für zwei Monate ins Chaos stürzt“, so Holz. Wenn das Staatliche Bauamt diese Maßnahme schon unbedingt in diesem Jahr abschließen wolle, „dann müssen die halt mehr Firmen und mehr Maschinen einsetzen“, fordert der Bürgermeister. 

Zumindest eine Tonnagebeschränkung für Lkw, wie sie Gemeinderat Franz von Lerchenhorst (Freie Bürger Ried) ins Spiel gebracht hat, sei nicht durchzusetzen, weil es sich bei der Kesselbergstraße um eine Bundesstraße handele, so Holz. Der Rathauschef befürchtet sogar, dass auch die nördlichen Ortsteile der Gemeinde von dem Chaos betroffen werden, „weil die meisten Autofahrer dann schon in Sindelsdorf die Autobahn verlassen“. Und die zweite Ausweichroute über Murnau und Oberammergau werden seiner Ansicht nach nur jene nutzen, die direkt nach Garmisch-Partenkirchen wollen. la

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