Stadtrat will Volksfest nicht gängeln: Penzberg darf länger und öfter feiern

Spaßbremsen ausgebremst

Die Polizei tut sich personell schwer, am Volksfest dauerhaft bis 1 Uhr für Sicherheit zu sorgen. Trotzdem: Der Stadtrat will dies viermal erlauben.

Penzberg – Länger feiern als auf dem Oktoberfest: Geht es nach dem Stadtrat, könnte auf dem Volksfest im Jubiläumsjahr an vier Tagen bis 1 Uhr morgens das Dirndl geschwungen und die Maß gehoben werden. Festwirt Christian Fahrenschon dürfte das freuen - die Polizei weniger. 

Der Stadtrat hat sich entschieden, das Volksfest 2019 an den beiden Freitagen und Samstagen doch erst um 1 Uhr enden zu lassen. Damit setzte sich das Gremium über den Vorschlag der Stadtverwaltung, vor allem aber über den von Penzbergs Polizeichef Jan Pfeil angebotenen Kompromiss hinweg, der statt der nun beschlossenen vier Tage mit der längeren Betriebszeit nur zwei Wochenendtage beinhaltet hatte. Allerdings wurden die Spaßbremsen mit 11:10 Stimmen denkbar knapp ausgebremst. 

Wenn man den Streitgegenstand betrachtet, geht es bei diesem Disput also lediglich um zwei Stunden im Jahr, an denen sich Pfeil nicht imstande sieht, Beamte für den Dienst auf der Berghalde abzustellen. Er hatte dies vor ein paar Wochen im Stadtrat vor allem mit der personellen Ausstattung der Penzberger Inspektion begründet und erklärt, dass er seinen Beamten auch entsprechende Ruhezeiten garantieren müsse. Außerdem hatte Pfeil auf Orte wie Weilheim oder Rosenheim verwiesen, in denen beim Volksfest das letzte Bier um 23 Uhr gezapft werde und das Betriebsende um 24 Uhr schon seit vielen Jahren gelte. Angesichts des besonderen Umstands, dass Penzberg im kommenden Jahr das 100-jährige Jubiläum seiner Stadterhebung feiert, war Pfeil aber bereit, an zwei Tagen einer Verlängerung des Volksfestbetriebs bis 1 Uhr zuzustimmen. 

Das aber war Festwirt Christian Fahrenschon zu wenig, er beharrte auf vier Tagen mit einem längeren Zeltbetrieb und verlangte von der Stadt zudem ein klares Bekenntnis dazu, um nicht wieder die gleichen Probleme wie in diesem Jahr zu kriegen, als er von der Polizei gleich am ersten Volksfestfreitag angezeigt wurde, weil er sich nicht an die 24-Uhr-Regelung gehalten hatte. 

Im Stadtrat entspann sich darüber eine ebenso muntere wie kontroverse Debatte, während der sich Nick Lisson (CSU) der Sichtweise von Jan Pfeil anschloss: „Wir müssen den Bedenken der Polizei vertrauen.“ Allerdings bedauerte er zugleich diese restriktive Haltung, „wenn man schon mal die Chance hat, in Penzberg richtig einen drauf zu machen“. An einem Kompromiss zum Kompromiss versuchte sich Hardi Lenk (SPD), der anregte, die Personalprobleme bei der Polizei mit der Anforderung zusätzlicher Beamter zu lösen. Bürgermeisterin Elke Zehetner aber erklärte, dass das Polizeipräsidium Oberbayern hier bereits abgewunken habe. Außerdem sagte sie: „Selbst am Oktoberfest ist um 23 Uhr Schluss und es wird bis dahin zufrieden gefeiert.“ 

Jack Eberl (Freie Lokalpolitik Penberg) befand die Argumentation der Polizei zwar für nachvollziehbar, doch meinte er eben auch: „Wir sind da etwas zu kleinlich.“ Schließlich spreche man im Vergleich zum Pfeil-Kompromiss über zwei zusätzliche Tage im Jahr, an denen jeweils um eine Stunde länger gefeiert werden dürfe. Warum man das an zwei Tagen dürfen soll, aber nicht an vier, „kann man nicht vermitteln“. Deshalb riet Eberl seinen Stadtratskollegen, an den gewünschten vier Wochenendtagen festzuhalten. Und er griff den Vergleich mit den Umlandgemeinden auf: Die würden ihre Volksfeste zwar früher beenden, „doch haben die im Gegensatz zu Penzberg ein intaktes Nachtleben“, sagte Eberl. 

Den Durchbruch, den Kompromiss-Kompromiss sozusagen, erzielte dann Kerstin Engel (Grüne). Sie schlug vor, an den beiden Wochenenden das Volksfest an jenen Tagen bis 1 Uhr laufen zu lassen, auf die kein Werktag folgt: also freitags und samstags. Das sei eine klare Regel, „die man dem Bürger auch erklären kann“. Diesem Vorschlag folgte dann auch die Mehrheit des Stadtrates. Jetzt muss dieser Regelung noch das Landratsamt zustimmen. 

Bleibt abzuwarten, wie wörtlich man diesen Beschluss bei der Polizei nimmt, denn der Samstag ist laut vielfältiger Rechtsprechung ein Werktag. Insofern könnte der Feier-Freitag beim Volksfest am Ende auf tönernen Füßen stehen. arr

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