Klinikum stellt ein neues Zeltbett für Demenzkranke vor

Eine Höhle der Geborgenheit

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Ein Zeltbett für Demenzkranke: Darüber freuen sich Ludwig Schmuck, Klinik-Geschäftsführer Claus Rauschmeier, Pressereferent Stefan Berger, Pflegeleiterin Franziska Jung und Regina Bartusch vom Förderverein (von links).

Penzberg – Öffnet der Patient seine Augen, so sieht er einen Rahmen, auf dem ein Netz gespannt ist und der ihn gänzlich umgibt. Er liegt im Posey Bett, einem Netz- oder auch Käfigbett für Demenzkranke im Klinikum Penzberg - und eine Schlafstatt, die Geborgenheit wecken soll.

Es ist groß und grün, kann auf Rollen gefahren werden und erinnert an einen Tierkäfig oder an ein überdimensionales Reisebett: das Posey Bett, das im Klinikum Penzberg seit Dezember genutzt wird. Großer Vorteil: Durch den Aufenthalt in diesem Zeltbett bleibt demenzkranken Patienten die sogenannte Fünf-Punkt-Fixierung erspart. Der Förderverein des Krankenhauses bezuschusst die Anschaffung des rund 15.000 Euro teuren Spezialbettes zur Hälfte. 

Es sind erschreckende Zahlen, die der Gesundheitsreport Bayern offenlegt: Im Freistaat leben über 240.000 Menschen mit einer Demenz, dem Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit, vor allem des Gedächtnisses. Auch im Landkreis Weilheim-Schongau sind etwa 2.900 Frauen und Männer davon betroffen. „Das Phänomen der Demenz­erkrankung steigt an, wir haben eine überalternde Gesellschaft, die Lebenserwartung steigt“, sagt Claus Rauschmeier, der Geschäftsführer des Klinikums. 

Bei Demenzkranken, die zuhause von Angehörigen betreut und gepflegt werden, funktioniert der Alltag meist. Anders sieht es aus, wenn der Erkrankte in ein Heim oder ins Krankenhaus muss. „In der neuen Umgebung beginnt die Tragödie“, erklärt Rauschmeier. Ständig wechselnde Bezugspersonen seien für Demenzkranke bedrohlich. Die Erfahrung zeigt: Manche Patienten ergreifen die Flucht, fühlen sich unwohl, verlassen das Gebäude. Franziska Jung, Leiterin der Pflegestation am Klinikum Penz­berg, erlebt auch andere Formen der Demenz: „Die Patienten schlagen teilweise um sich, sind aggressiv, schreien.“ In solchen Fällen werden die Patienten auf Anordnung des Arztes gefesselt. „Wenn es länger dauert, muss ein richterlicher Beschluss her“, verdeutlicht Rauschmeier die Notwendigkeit der Fünf-Punkt-Fixierung. Der Geschäftsführer weiß aber auch: „Fesseln ist maximaler Stress und verschlechtert die Situation massiv.“ 

Seitdem es das Zeltbett am Klinikum gibt, hat sich die Lage aber verbessert. „Die Patienten fühlen sich darin wohl und geborgen. Die schlafen da wirklich drin“, betont Franziska Jung. Und Geschäftsführer Rauschmeier ergänzt, dass die Demenzkranken keine ruhigstellenden Medikamente benötigten. Aus Sicht des Dementen sei im Bett „die Umwelt ausgesperrt“, sagt Rauschmeier, der hervorhebt, dass das „Bett eine Innovation“ sei. Gleichwohl stellt das Zeltbett, das von innen nicht zu öffnen ist, im juristischen Sinne eine Freiheitsberaubung dar. „Es ist aber kein Fesseln, es ist eine räumlich Fixierung“, erklärt der Geschäftsführer. Franziska Jung schwärmt in den höchsten Tönen vom Posey Bett, spricht gar von einer „Geborgenheitshöhle“ für den Patienten. Auch für das Pflegepersonal bedeutet der innovative Käfig eine enorme Erleichterung. 

Um sich dem Trend von wachsender Demenzerkrankungen zu stellen, gibt es am Klinikum Penzberg nun auch eine Betreuungsassistentin: eine Mitarbeiterin des Pflegedienstes wurde speziell im Bereich der Demenzerkrankungen geschult. „Wir nehmen die Herausforderung an“, erklärt Rauschmeier. 

Auch der Krankenhaus-Förderverein ist äußerst froh, dass es das Zeltbett nun in Penzberg gibt. „Fesseln ist Psychoterror“, sagt die Vereinsvorsitzende Regina Bartusch. Darüber hinaus, so ihr Stellvertreter Ludwig Schmuck, könne das Zeltbett am Klinikum auch sta­tionsübergreifend verwendet werden, der Gebrauch sei nicht nur auf die Innere Abteilung und Unfallmedizin begrenzt. akr

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