Ein Staatsbegräbnis erster Klasse

Überholtes Szenario: Egbert Greven wollte mit seiner Zeichnung auf die Folgen aufmerksam machen, die das Oldtimer-Forum für Maxkron hätte. Ob es dazu gekommen wäre, wird nun niemand erfahren.

Dass der Penzberger Stadtrat nach einer Entscheidung Applaus auf offener Szene erhalten hat, liegt schon geraume Zeit zurück. Wenn man es sich recht überlegt, ist das in dieser Legislaturpe- riode noch überhaupt nicht vorgekommen. Doch jetzt brandete der Beifall ebenso spontan wie heftig auf, als das Gremium dem im alten Kühlturm von Maxkron geplanten Oldtimer-Forum ein „Staatsbegräbnis erster Klasse“ bereitete, wie dies der fraktionslose Volker Hoensch mit gewisser Genugtuung in der Stimme bekundete.

Bürgermeister Hans Mummert hatte es bereits im Vorfeld anklingen lassen, dass die Realisierung dieses im Dezember 2006 erstmals andiskutierten Projekts wohl nicht machbar sein werde. Man hat deshalb den Oldtimer-Freund Stefan Jocher, der den Kühlturm für sich und seinesgleichen zu einem Treffpunkt umfunktionieren wollte, schon besser gelaunt im Sitzungssaal herum schleichen sehen. Dafür waren die Anwohner aus Untermaxkron, die sich schon vor ein paar Jahren zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen haben, um das Forum für die alten Autos zu verhindern, merklich aufgekratzt und in großer Zahl erschienen. Zuletzt waren im Rathaus aus den Reihen der Anwohner nicht weniger als 46 Einsprüche gegen das Vorhaben eingegangen, zusätzlich hat die Initiative die Münchner Rechtsanwaltskanzlei Kaufmann-Lutz um juristischen Beistand angerufen. Der Kernpunkt des Wider- stands war die Furcht der Anwohner, dass das Oldtimer-Forum an den Wochenenden viel Publikum anlocken werde, wodurch entsprechend viel Krach produziert werde, zumal auf der Spitze des Turms auch noch eine Bar errichtet werden sollte. Weil die meisten Mitglieder der Bürgerinitiative an der Staatsstraße nach Beuerberg wohnen, wo werktags auch viele Lkw vorbei donnern, ist bei denen die Sehnsucht nach einem halbwegs geruhsamen Wochenende natürlich besonders groß. Als dann auch noch das Weilheimer Landratsamt in die gleiche Kerbe hieb, weil nachts schon einzelne Fahrzeugbewegungen „zu Überschreitungen des zulässigen Spitzenpe- gels führen könnten“, war es um Jochers ehrgeizige Pläne endgültig geschehen. Bei der SPD, so bekannte deren Sprecher Adrian Leinweber, habe man zunächst noch die Hoffnung gehabt, „eine für alle Seiten einvernehmliche Lösung“ zu finden. Die- se Hoffnung aber zerstob aufgrund der Stellungnahme und der „massiven Bürgerproteste“, weshalb die Sozialdemokraten es am vernünftigsten fänden, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen. Bei den Grünen war man aufgrund der äußerst kritischen Betrachtung aus dem Landratsamt „hoch erfreut“, wie Klaus Adler bekannte, weil damit das bestätigt worden sei, „was wir schon immer gesagt haben“. Nach Ansicht von Reinhard Heydenreuter (CSU) hätte es dessen nicht einmal bedurft, um das Projekt zu Fall zu bringen, weil die baurechtliche Ausweisung eines Sondergebietes nur für ein Oldtimer-Forum „eine so spezielle Zweckbestimmung gewesen wäre“, die einer juristischen Überprüfung nicht stand- gehalten hätte. Und sein Fraktionskollege Ludwig Schmuck merkte mit Blick auf Untermaxkron an: „Da drunten hat das keinen Platz. Wegen der Verkehrsbelastung wä- re da ja gar keine Ruhe mehr gewesen.“ Nun wurde auf den Rängen eifrig geklatscht, auch weil zuvor Volker Hoensch noch erklärt hatte: „Die Menschen dort haben einfach die Schnauze voll von diesem Projekt.“ Aus diesem Grund sah er auch keine Notwendigkeit mehr für das von der Stadtverwaltung ursprünglich geplante Gespräch mit den Anwohnern, um das weitere Vorgehen zu beraten. Ganz auf die Kommunikation mit den Maxkronern und den Wortführern der Initiative um Dieter Effer aber will der Stadtrat nicht verzichten. Schließlich ist der alte Kühlturm eine Ruine, die seit Jahren verfällt und deshalb der Kommunalpolitik ein Dorn im Auge ist. Das Bauamt soll nun prüfen, welche Nutzung des Areals rechtlich überhaupt möglich ist. Dann wird man sich mit den Anwohnern wieder unterhalten - über Oldtimer wird es dabei aber nicht mehr gehen.

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