Für alle Fälle gerüstet

Penzberger Feuerwehr hat sich auf Corona eingestellt

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„Ich mag auch darauf vorbereitet sein, was passieren könnte“: Penzbergs Feuerwehrkommandant Christian Abt hat wegen Corona an alles gedacht.

Penzberg – Corona hat den Alltag fest im Griff, auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Penzberg, die sich auf völlig veränderte Szenarien eingestellt hat. So wurde die interne Struktur, ähnlich wie beim Katastrophenschutz, mittlerweile auf Stabsarbeit umgestellt.

Die Devise von Kommandant Christian Abt lautet: „Ich mag uns lieber darauf vorbereiten, was noch passieren könnte.“ Bereits als in China die Millionenstadt Wuhan abgeriegelt wurde, „haben wir uns mit dem Thema befasst“, sagt Abt. Feuerwehrärztin Nicola Eberl hatte schon damals die Lage immer wieder fachlich eingeschätzt. Als die Zahl der Infizierten innerhalb Europas drastisch anstieg, war für Abt schnell klar, dass es auch bei der Penzberger Feuerwehr einen internen Krisenstab braucht. Dazu wurde die Führungsriege in vier Bereiche aufgeteilt: Personal, Kommunikation, Einsätze und Ausbildung sowie logistische Versorgung. Für den Fall der Fälle, wenn sich also Mitglieder der Feuerwehr selbst infiziert haben sollten oder aufgrund von Kontakten mit Infizierten in Quarantäne befinden, wurden auch ehemalige Aktive, etwa Senioren oder pensionierte Berufsfeuerwehrleute, kontaktiert, „denn die wissen ja schließlich, wie man im Notfall ein Strahlrohr bedient“, so Abt. Berufsfeuerwehrleute im Ruhestand könnten sogar als Maschinisten eingesetzt werden, wenn Teile des Stammpersonals corona­bedingt ausfallen. Und damit alle auf dem Laufenden sind, werden aktuelle Corona-Informationen regelmäßig an die Smartphones der Einsatzkräfte geschickt. 

Weitaus diffiziler ist indes die Organisation der Einsätze und Übungen. Letztere sind inzwischen gänzlich abgesagt, auch herrscht ein Betretungsverbot im Feuerwehrhaus – sieht man von den Einsätzen ab. Die laufen inzwischen aber ebenfalls anders ab. „Die Fahrzeuge werden nur noch minimal besetzt“, so Abt, damit der Abstand zwischen den einzelnen Personen möglichst groß ist. Statt neun sind es nur noch sechs Einsatzkräfte – dafür rücken mehr Fahrzeuge aus. Auch müssen alle Feuerwehrleute bei Einsätzen eine Schutzmaske tragen. Und: „Wir erwägen auch die Einrichtung eines Quarantäne-Fahrzeugs“, erklärt Abt. Darin könnten diejenigen ausrücken, die zwar nicht positiv getestet wurden, aber unter Beo­bachtung stehen. Schwierig gestaltet sich aber vor allem die Ausbildung: Gerade die Grundausbildung ist wegen Covid-19 zum Erliegen gekommen. 

Im Gerätehaus an der Winterstraße wurde mittlerweile eine Bestandsaufnahme über das gelagerte Material gemacht. Das reicht von der Gulaschsuppe bis hin zum Kaffeepulver. Und sogar Einsatzkleidung wurde neu bestellt, so dass im Ernstfall auch ungelernte Hilfskräfte für den Feuerwehrdienst rekrutiert werden können. „Der Gesetzgeber ermöglicht das prinzipiell“, so Abt. Zwar sei man davon noch weit entfernt, Abt will aber vorbereitet sein: „Ich mag nicht warten, bis etwas passiert.“ Und für den Fall, dass es ganz arg kommt, hat Abt noch eine Lösung parat, um seine Feuerwehr einsatzbereit zu halten. „Dann könnten wir sechs bis acht Einsatzkräfte für eine Woche im Gerätehaus unterbringen. Im Idealfall handelt es sich dabei um solche, die bereits wieder genesen sind und entsprechende Immunität mitbringen“, betont der Kommandant. Obwohl diese Idee bislang nur vage in Abts Kopf herumgeistert, haben sich dazu schon einige Einsatzkräfte bereit erklärt. Abt findet das spannend: „Das ist dann eben das, was man schlichtweg das Feuerwehrvirus nennt.“ dd

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