Der unbekannte Österreicher

Museum Penzberg widmet dem Expressionisten Werner Berg eine Ausstellung

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Den Dingen nahe: Werner Berg hielt bevorzugt Motive aus seiner unmittelbaren Umgebung auf Leinwand oder Holz fest, wie das Gemälde „Sommer“ beispielhaft zeigt.

Penzberg – Linien auf der Leinwand und Furchen im Ackerboden: Der expressionistische Maler Werner Berg schätzte die Kunst und das Landleben - und verband beides in seinen Werken. Diese, welche vom Kind bis zur Kuh das Leben abbilden, können schon bald im Penzberger Museum betrachtet werden.

Mit einer echten Entdeckung wartet das Museum Penzberg auf: „Stadt – Land – Werner Berg. Wahlheimat Expressionismus“ ist die Ausstellung überschrieben, die am Samstag eröffnet wird und die einen in Deutschland weitgehend unbekannten Schatz zeigt, den das Werner Berg Museum im österreichischen Bleiburg hegt und der auch noch einen direkten Bezug zum Blauen Land und den Expressionisten hat. Mit über 110 Werken aus Kärnten – Ölgemälde, Holzschnitte, Zeichnungen – wird dabei das markante und packende Werk Werner Bergs erlebbar. 

Bäuerliche Entlegenheit

„In Wien habe ich zeichnen gelernt, stur und streng, in München wurde gesäbelt und gemoln“, kommentierte Werner Berg (1904 bis 1981) seine Lehrjahre, die er an den Akademien der beiden Städte verbracht hatte. Reich an Erfahrungen in der Kunstszene, aber vom Studienbetrieb tief enttäuscht, zog er im Alter von 26 Jahren samt seiner Familie auf einen entlegenen Bauernhof in Südkärnten, um fortan unter einfachen Lebensbedingtheiten als Maler und Landwirt zu leben. Hier im Grenzgebiet zu Slowenien suchte er eine Existenz „nahe den Dingen“ und wählte Motive aus dem ländlichen Milieu seiner unmittelbaren Umgebung, die er in expressiven Bildern festhielt. Als stiller Beobachter brachte er die vom arbeitsreichen Leben geprägte slowenische Landbevölkerung und den vom Glauben bestimmten Alltag der Bevölkerung auf Papier und Leinwand. Seine innere Distanz erlaubte es ihm, die herbe Physiognomie der Einheimischen und das bunte Markttreiben in allen Facetten zu charakterisieren. 

Künstlerisches Schaffen in einer kriegsgebeutelten Zeit

Rege Briefwechsel und gegenseitige Besuche verbanden Werner Berg mit seinen Künstlerfreunden, Literaten und Förderern wie Emil Nolde, Arnulf Rainer, Thomas Bernhard, Christine Lavant, Gabriele Münter, Erich Kuby und Wieland Schmied. Sie führten ihn immer wieder nach Berlin und in andere Großstädte, wo er an zahlreichen Ausstellungen teilnahm und Austausch fand. Dieser enge Kontakt wird in seinem Werk sichtbar, das nicht nur von einer eigenständigen und unverwechselbaren Entwicklung, sondern auch von der zu den Klassikern der Moderne und zu den Brücke-Künstlern geprägt ist. Zudem ist Werner Berg typisch für die Biographien, die das kriegsgebeutelte 20. Jahrhundert schrieb. Nicht zuletzt sind Parallelen zur Vita und zum Werk Heinrich Campendonks zu entdecken. Gezeigt wird das auch anhand von Interventionen mit dem Werk Campendonks im Alt- und Neubau des Museums. In den drei Stockwerken des Altbaus ist die Ausstellung sowohl chronologisch wie thematisch gegliedert, der Rundgang entspricht zugleich einem Gang durch die Jahreszeiten. Begriffe wie Heimat, Alltag, bäuerliches Leben, Beziehungen und (Künstler-) Freundschaften, Grundfragen der Existenz und ihrer Fragilität werden dabei fokussiert.

Auf dem Land und in den Bergen

Heute genießt Werner Berg in Österreich große Anerkennung, wird jedoch – anders als zu seinen Lebzeiten – in Deutschland nur noch wenig wahrgenommen. Sein entschlossener Rückzug von der Stadt aufs Land und in die Berge erlaubte es ihm, weitgehend als Selbstversorger den Alltag zu stemmen – ein Lebenskonzept, das bereits Künstler des frühen 20. Jahrhunderts umzusetzen versuchten und von Werner Berg bis in die letzte Konsequenz durchgezogen wurde. Sein umfassendes Werk aus Ölgemälden, Aquarellen, Holzschnitten und Zeichnungen schildert das Auf und Ab einer bewegten Künstlerpersönlichkeit und ist Ausdruck einer gelungenen Verbindung von Kunst und Leben in einer selbstbestimmten Heimat. Ein soziokultureller und pädagogischer Ansatz füttert das Konzept, das die Kuratorinnen Anne Funck und Friederike Breier mit Museumsleiterin Freia Oliv erstellt haben – in Kooperation mit Harald Scheicher, dem Kärntner Kurator des Werner Berg Museums und Enkel von Werner Berg. la 

Die Ausstellung „Stadt – Land – Werner Berg. Wahlheimat Expressionismus“ ist bis 23. Juni von Dienstag bis Sonntag (10 bis 17 Uhr) zu sehen. Öffentliche Führungen finden donnerstags um 15 Uhr und sonntags um 11 Uhr statt. Audioguides sind über QR-Codes auf dem Handy gratis abrufbar: Jeweils ein eigener Audioguide ist dabei für Kinder und für Erwachsenen in folgenden Sprachen verfügbar: Deutsch, Englisch, Italienisch, Slowenisch. Für Kinder liegt zudem eine Spielvorlage im Museum auf.

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